Kommentar

Ein Land, zwei Anker

„Die Bundesrepublik blickt in diesem Monat auf 70 Jahre Grundgesetz zurück.“

Wir leben in düsteren weltpolitischen Zeiten. Infolge der jüngsten Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran herrscht Kriegsgefahr in Nahost. Der Atomstreit mit Nordkorea schwelt trotz aller zirkusartigen Gipfel-Shows weiter. In der Öl-Hochburg Venezuela droht ein Bürgerkrieg.

Auch Europa ist keine Insel der Seligen. Sorgen bereiten die hohe Arbeitslosigkeit vor allem im Süden sowie die Ausbreitung rechtspopulistischer Parteien. In Deutschland macht sich das Gefühl breit, dass die fetten Jahre vorbei sind.

Dennoch gibt es hierzulande zwei wichtige Anker. Die Bundesrepublik blickt in diesem Monat auf 70 Jahre Grundgesetz zurück. In einer Welt, in der Menschenrechte und Pressefreiheit vielerorts mit Füßen getreten werden, ist die deutsche Verfassung ein großer Schatz. Um das Modell der sozialen Marktwirtschaft wird Deutschland oft beneidet. Gesetzliche Krankenversicherung und kostenlose Bildung sind weltweit ein hohes Gut.

Das Gleiche gilt für die Europäische Union. Die Gemeinschaft, deren erste Stufe Anfang der 50er-Jahre gegründet wurde, ist eine Erfolgsgeschichte. Der Kontinent, der in zwei verheerende Weltkriege mit insgesamt mehr als 70 Millionen Toten verstrickt war, hat sich für Frieden und Zusammenarbeit entschieden.

Doch knapp zwei Wochen vor den Europawahlen am 26. Mai gibt es viele Selbstzweifel. Europa kann die Gegenwart und die Zukunft gewinnen, wenn es sich als ein Kontinent der Chancen definiert.

Es geht dabei in erster Linie um die globale Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Andernfalls lachen sich Chinesen und Amerikaner ins Fäustchen. Staatliche Gelder müssen noch viel mehr in Bildung und Weiterbildung fließen. Die Stärkung der beruflichen Qualifikation ist die beste Sozialpolitik.

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