Kommentar

Das Glas ist halb voll

„Trotz all der Probleme musste VW seine wirtschaftlichen Ziele bisher nicht kassieren – wie etwa Daimler oder Conti.“

Andreas Schweiger

Ist das Glas halb leer oder halb voll? Ist die Zukunft also eher trüb oder eher rosig? Diese Frage stellt sich beim Lesen der Neunmonatsbilanz des VW-Konzerns. Für beide Ansätze finden sich Argumente.

Nicht wegzudiskutieren ist, dass der Wolfsburger Autobauer insbesondere im dritten Quartal deutlich an Fahrt verliert. Das gilt zwar nicht so sehr für den Umsatz, aber eindeutig für die Auslieferungen und den operativen Gewinn. Beide Faktoren entwickeln sich negativ. Die Ursache sind Verzögerungen bei der Umstellung auf das Verbrauchs- und Abgas-Prüfverfahren WLTP sowie unter anderem die rückläufige Nachfrage in China.

Unterem Strich steht in der Bilanz allerdings ein sattes Plus im Vergleich zum Vorjahr. Und das ist es doch, worauf es ankommt: Das Geld, das am Ende übrig bleibt. Der Autobauer führt dies auf Zins- und Währungseffekte zurück sowie auf die Tatsache, dass er in diesem Jahr weniger für die Aufarbeitung des Abgas-Betrugs zahlen musste.

Absehbar ist, dass die WLTP-Probleme innerhalb der nächsten Monate gelöst werden und sich damit die Situation entspannt. Erkennbar ist, dass VW bei der Bewältigung des Diesel-Skandals auch finanziell vorankommt. Sichtbar wird ferner, dass VW unter Konzernchef Herbert Diess auf Schnelligkeit und Effizienz getrimmt wird. Und China wird wohl die Autobranche mit steuerlichen Anreizen für den Autokauf stützen.

Trotz all der Probleme musste VW seine wirtschaftlichen Ziele bisher nicht kassieren – wie etwa Daimler oder Conti. Daher gilt: Das Glas ist halb voll.

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