„Frau Guth verwechselt konservativ mit nationalistisch“

Vor dem Bundesparteitag der AfD in Braunschweig hat sich die Landesvorsitzende der Partei, Dana Guth, besorgt über die erwarteten Gegendemonstrationen geäußert.

Vor dem Bundesparteitag der AfD in Braunschweig hat sich die Landesvorsitzende der Partei, Dana Guth, besorgt über die erwarteten Gegendemonstrationen geäußert.

Foto: Marcus Prell

Zu „Niedersachsens AfD-Chefin fürchtet Attacken in Braunschweig“ und „Bei uns werden Einzeläußerungen skandalisiert“ vom 18. November:

Frau Guth unterliegt einem Missverständnis, das ich gerne aufklären möchte. „Konservativ“ – abgeleitet von dem lateinischen Wort für bewahren (conservare) – ist auf die Gegenwart bezogen, will eine stabile Gesellschaft, indem Risse geheilt werden, fördert Wissenschaft und Technik. „Konservativ“ ist charakterisiert durch Pragmatismus auf der Höhe der Zeit. Diesen hat etwa die Bundeskanzlerin 2015 gezeigt, um die Situation angesichts massiver Flüchtlingsströme zu stabilisieren und mit dem Aufruf „Wir schaffen das“ gemeinsam zu bewältigen. Dagegen haben Rückwärtsgewandtheit, Europa- und Wissenschaftsfeindlichkeit, Spaltung der Gesellschaft aus parteitaktischen Gründen, Machtstreben mit allen Mitteln sowie Verleumdung Andersdenkender und die Verbreitung von Verschwörungstheorien – allesamt Einstellungen und Methoden à la Trump und AfD – mit Konservatismus nichts zu tun. Frau Guth verwechselt „konservativ“ mit „nationalistisch“: Die im 19. und frühen 20. Jahrhundert virulente, gescheiterte Ideologie des Nationalismus‘ kann sich spätestens seit 1933 nicht mehr als Teil eines konservativen Weltbilds bezeichnen.

Sebastian Raupach, Braunschweig

Guths Befürchtung ist berechtigt

Ebenfalls dazu:

Ich stimme Frau Guth in vollem Umfang zu, was Ihre Befürchtung angeht, dass Parteimitglieder, wenn sie auf dem Weg in die VW Halle sind, körperlich angegriffen werden. Ich habe es erlebt, dass die Gewalt, wenn sie gegen die AfD, deren Mitglieder oder Sympathisanten geht, (fast) keine Grenzen kennt. Meines Erachtens ist es so – und das mögen jetzt einige nicht hören wollen – geht die Gewalt immer von denen aus, die gegen die AfD-Kundgebungen protestieren.

Björn Hammerer, Braunschweig

AfD wird immer mehr zur neuen NPD

Auch zu diesem Thema:

„Bei uns werden Einzeläußerungen, so dumm sie auch sein mögen, skandalisiert“, behauptet die niedersächsische AfD-Chefin Dana Guth. Diese Aussage darf nicht unwidersprochen hingenommen werden. Regelmäßig gibt es von führenden AfD-Funktionären rassistische, antijüdische und antidemokratische Äußerungen. Der völkisch-nationale Flügel um Björn Höcke, der eine „Politik der wohltemperierten Grausamkeit“ für unser Land fordert, stehe nach Alexander Gauland in der Mitte der Partei. Mit Recht wird der Flügel vom Verfassungsschutz beobachtet. Die AfD wird immer mehr zur neuen NPD.

Diethelm Krause-Hotopp, Destedt

Man kann die Ängste nicht ignorieren

Zum Leserbrief „Auch andere Themen offen diskutieren“ vom
15. November:

Ich kann dem Autor bezüglich des AfD-Parteitags nur zustimmen. Je mehr Publicity und Hysterie es um diesen bevorstehenden Parteitag noch geben wird und je weniger Menschen sich trauen, ihre (politisch nicht unbedingt korrekte) Meinung zu sagen, weil sie fürchten, dann als ausländerfeindlich abgestempelt zu werden, desto mehr Zulauf wird das für die AfD bringen, statt sie zu schwächen. Ich finde, man kann nicht auf Dauer die Befindlichkeiten und Ängste von AfD-Wählern (die ja nun bei weitem nicht alle Extremisten sind) ignorieren. Damit würde man nur das Gegenteil dessen erreichen, was man erreichen will.

Irmhild Baetge, Lehre

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