Kommentar

Schule allein zu Haus

Die Diskussion um W-LAN, fehlende Endgeräte und mangelnden didaktischen Kompass zeigt Deutschland als bildungspolitisches Entwicklungsland.

Angesichts der zweiten Corona-Welle und eines heillosen Durcheinanders an den Schulen tritt Niedersachsens Kultusminister nun erst einmal auf die Bremse. Nach den Weihnachtsferien geht es ab Klasse 5 mit dem Wechselmodell weiter. Das Gedränge in den oft baufälligen Schulen und kleinen Klassenzimmern wird damit weniger, das Infektionsrisiko sinkt deutlich. Vor dem Hintergrund der Corona-Zahlen ist das sogenannte Szenario B auch realistisch. Die Schulen mögen keine Hotspots der Ausbreitung sein, sie sind aber eben auch keine Inseln.

Mit dem Zurück zu geteilten Klassen wird aber auch einmal mehr deutlich werden, welche fatale Auswirkungen die Versäumnisse der Vergangenheit haben. Die Diskussion um W-LAN-Verfügbarkeit, fehlende Endgeräte und mangelnden didaktischen Kompass zeigt Deutschland bei der Ausstattung der Schulen als bildungspolitisches Entwicklungsland. So wird „Lernen zu Hause“ für die meisten Schüler auch im Jahr 2021 heißen, Aufgaben für sich alleine zu bearbeiten. Dabei wäre „Unterricht zu Hause“ nötig – mit gestreamten Stunden oder Video-Lektionen, mit Rückmeldungen von Lehrern. Machbar ist vieles – aber die Politik ist damit offenbar überfordert. Doch sie setzt den Rahmen und die Standards. Spätestens nach der Corona-Krise sollten die Lehren gezogen werden. Doch selbst darauf sollte man lieber nicht setzen.

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