Bahn und Passagier-Verband einig gegen Reservierungspflicht

Braunschweig.  Die spontane Nutzung der Züge soll erhalten bleiben. Pro-Bahn-Vertreter Holger Klages erinnert auch an die Verantwortung der Bahnkunden.

Freie Plätze in der Erste Klasse der Deutschen Bahn: Um Abstände einzuhalten, kann derzeit nur jeder zweite Satz reserviert werden.

Freie Plätze in der Erste Klasse der Deutschen Bahn: Um Abstände einzuhalten, kann derzeit nur jeder zweite Satz reserviert werden.

Foto: Soeren Stache / dpa-tmn

Die bei den Reservierungen geltenden Abstandsregeln für Bahn-Passagiere werden ad absurdum geführt, wenn die Fahrgäste, die ohne Reservierungen einsteigen, sich auf die freien Plätze setzen dürfen.

Dieser Auffassung ist unser Leser Bernd Karolat aus Braunschweig.

Zum Thema recherchierte Andreas Eberhard.

Die Deutsche Bahn hält daran fest, dass es trotz der Corona-Pandemie keine Reservierungspflicht in deutschen Zügen geben soll. Eine Bahnsprecherin sagte unserer Zeitung auf Anfrage: Zwar begrenze man die Zahl der Reservierungen von vornherein, „um die Möglichkeit zu schaffen, sich bei Bedarf umzusetzen“. Gleichzeitig wolle man weiterhin allen Fahrgästen ermöglichen, spontan in jeden Zug einzusteigen. Das Ziel sei, die Passagiere bestmöglich auf die Züge und innerhalb dieser zu verteilen. Gegen eine Reservierungspflicht sprechen nach Angaben der Bahn-Sprecherin die Wünsche, etwa Familien das Zusammensitzen zu ermöglichen und die Einheit von Fern- und Regionalverkehr weiter beizubehalten. Zudem würde laut Bahn eine Reservierungspflicht die Auslastung so gering werden lassen, dass „das Bahnsystem an seine Grenze“ stieße.

„Züge keine Corona-Hotspots“

Auch Holger Klages hält nichts von einer „Zwangsreservierung“. Der Regionalvorsitzende des Bahnkunden-Fahrtgastverbands Pro Bahn sagte unserer Zeitung: „Das würde der Spontaneität widersprechen, die das Verkehrsmittel Bahn etwa gegenüber dem Flugverkehr auszeichnet.“ Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, seien auch die Fahrgäste gefragt, die Maskenpflicht und die nötigen Abstände einzuhalten. Außerdem sollten Bahnkunden Stoßzeiten möglichst ausweichen. „Wenn sich alle verantwortlich verhalten, sehe ich nicht die Gefahr, dass sich Züge zu Hotspots entwickeln“, so Klages. Die Bahn sei auch während der Festtage eine „ordentliche Alternative“ zum Auto.

Passagiere halten sich an Maskenpflicht

Björn Pamperin, Pressesprecher des privaten Bahnunternehmens Erixx, berichtete unserer Zeitung zufrieden, dass sich „98 bis 99 Prozent unserer Fahrgäste“ an die Maskenpflicht hielten. „Das funktioniert ganz hervorragend.“ In unserer Region unterhält Erixx die Regionalzugverbindungen zwischen Braunschweig und Uelzen, zwischen Braunschweig und Goslar beziehungsweise Bad Harzburg sowie die Verbindung zwischen Goslar und Hannover. Die Auslastung der Züge habe sich in den vergangenen Wochen bei 40 bis 50 Prozent des Vorjahreszeitraums bewegt, sagte Pamperin. Ab Mittwoch, 16. Dezember, im neuen Lockdown, rechnet er noch einmal mit einer Halbierung der Fahrgastzahlen im Erixx-Regionalverkehr.

Am Wochenende hatte die Bahn bekanntgegeben, dass auf mehreren Regionalstrecken

fahren. Holger Klages freut sich darüber: „Wir begrüßen ausdrücklich, dass mit der Einführung des Stundentaktes auf allen Strecken unserer Region und der Bestrebung, den Halbstundentakt weiter auszuweiten, eine Kehrtwende vollzogen wurde.“

Sonderzüge im Weihnachts-Verkehr

Rund um die Feiertage will die Deutsche Bahn zusätzliche Sonderzüge im Fernverkehr einsetzen und so 50.000 zusätzliche Sitzplätze schaffen. Über die Bahn-App und die Webseite der Bahn können Fahrgäste sich vorab über die voraussichtliche Auslastung der Züge informieren.

Bahn- Was Kunden für die Weihnachtsreise wissen müssen

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