Schulen starten nach den Weihnachtsferien mit geteilten Klassen

Hannover.  Die Regelung gilt bis zum Halbjahresende. Pikanten Streit gibt es zwischen Schulleiten und Kultusministerium.

Grant Hendrik Tonne (SPD), Kultusminister in Niedersachsen, Ende November bei einer Pressekonferenz.

Grant Hendrik Tonne (SPD), Kultusminister in Niedersachsen, Ende November bei einer Pressekonferenz.

Foto: Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Als „Lösung, die gangbar ist“, hat Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) das Aussetzen der Präsenzpflicht an den Schulen in dieser Woche verteidigt. Gleichzeitig kündigte der Minister am Dienstag das weitere Vorgehen nach den Weihnachtsferien an.

Vom 11. Januar des neuen Jahres bis zum Ende des Halbjahres – das sind drei Wochen – sollen demnach ab der 5. Klasse alle Schüler ins sogenannte „Wechselmodell“ (Szenario B) gehen. Dabei wird jeweils nur eine Hälfte der Klasse in der Schule unterrichtet, die andere lernt zuhause. Ausgenommen ist laut des Ministers der Abitur-Jahrgang.

Grundschüler starten in ganzen Klassen

Die Grundschüler starten dagegen nach dem „Szenario A“ wieder in den Präsenzunterricht an den Schulen, die Klassen werden also nicht geteilt. Allerdings müssen dabei in Grundschule und Hort Masken getragen werden. Falls das Gesundheitsamt einen Quarantänefall an einer Grundschule feststellt, gibt es außerdem einen Wechsel ins Wechselmodell mit geteilten Klassen. Auch Kitas starten wieder mit Präsenz.

„Wir wollen auf Vorsicht setzen“, sagte Tonne, es gehe außerdem um Planbarkeit. Im zweiten Schulhalbjahr 2020/2021 soll dann wieder das gestufte Modell mit Einschränkungen je nach Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner je Woche gelten. Tonne rechnet damit, dass spätestens ab diesem Mittwoch deutlich weniger Kinder in den Schulen sein werden. Besonders in den Grundschulen seien am Dienstag noch viele Kinder gewesen. In der Sekundarstufe I erscheinen nach groben Schätzungen bis zu 50 Prozent der Kinder. Tonne bedauerte, dass man aufgrund der Corona-Entwicklung die Planungen habe „umschmeißen“ müssen.

„Es gilt die Botschaft: Alle, die zu Hause bleiben können, sollen auch zu Hause bleiben und dort lernen“, hatte Kultusminister am Sonntag für die laufende Woche gefordert. „Für Versetzungen oder Abschlüsse zwingend notwendige Arbeiten müssen verschoben werden“, hatte Tonne erklärt. Das Problem der Notbetreuung löst das Land durch die neue Linie gleich mit. Am Dienstag sagte Tonne, ein Schließen der Schulen in dieser Woche hätte ebenfalls erhebliche Probleme verursacht. „Die Schule ist für diejenigen geöffnet, die ihre Kinder NICHT zu Hause lassen können“, hatte es in einer erläuternden e-mail aus dem Ministerium an die Schulleitungen geheißen.

„Entweder zu oder offen“

Bei der GEW hält man es für einen grundlegenden Fehler, von den Szenarien A, B und C (Präsenz, Wechselmodell, Schließung) abgegangen zu sein. „Entweder ist die Schule grundsätzlich zu oder offen“, sagte Horst Audritz vom Philologenverband zum aktuellen Aussetzen der Präsenzpflicht. Die Schulen müssen nun tageweise schauen, wer nun wirklich im Klassenzimmer sitzt.

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„Die Inkonsequenz der Landesregierung und des Kultusministeriums gefährdet nicht nur das Weihnachtsfest, sondern auch den Grundsatz guter Bildung: Stabilität und Planbarkeit“, hatte Florian Reetz, Vorsitzender des Landesschülerrats, erklärt. Seit langem seien die Stimmen der Wissenschaft deutlich gewesen. „Es hätte schon vor Wochen flächendeckend das Szenario B verhängt werden müssen. Dass nun spontane, unausgereifte Lösungen angewandt werden müssen, hat die Landesregierung zu verantworten“, so Reetz. Mit der Ankündigung des Wechselmodells folgt Tonne auch Forderungen aus den Verbänden.

Chef des Kultusministerbüros beschwert sich über Schulleiter

Der Unmut über die unklare Lage an den niedersächsischen Schulen – das Land hatte die Präsenzpflicht schon von Montag an aufgehoben und die Schüler gebeten, möglichst zu Hause zu bleiben – belastet die Beziehungen zwischen dem Kultusministerium und den Schulen in Niedersachsen. Dies macht auch ein Brief deutlich, welcher unserer Zeitung vorliegt.

Angesichts der Kritik aus vielen Schulen verwahrte sich der Leiter des Ministerbüros von Minister Grant Hendrik Tonne (SPD) gegen Teile der Kritik. Er habe volles Verständnis für den Ärger, schreibt Frank Stöber den Schulleitern am 15. Dezember. „Was mich sehr betroffen gemacht hat, war die Art und Weise, wie der Unmut teilweise kundgetan wurde“, so Stöber.

Beschimpfende Mails und auch persönliche Angriffe seien verletzend und führten nicht zum gegenseitigen Verständnis, heißt es weiter. Stöber war früher Gesamtschulleiter und Vorsitzender des Schulleitungsverbandes. Für konstruktive Kritik dankte er dagegen. „Wir sitzen im gleichen Boot“, appellierte er.

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