„Yeswecan!cer“ setzt sich für offenen Umfang mit Krebs ein

Braunschweig.  Die Organisation „Yeswecan!cer“ will Krebs aus der Tabuzone holen. Dazu veranstaltet die Braunschweiger Zeitung ein virtuelles Leserforum.

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Im September fand die erste digitale Krebsconvention von „Yeswecan!cer“ für Betroffene und Angehörige statt –  unterstützt von Prominenten wie Fernsehmoderator Joko Winterscheidt (Dritter von rechts).

Im September fand die erste digitale Krebsconvention von „Yeswecan!cer“ für Betroffene und Angehörige statt – unterstützt von Prominenten wie Fernsehmoderator Joko Winterscheidt (Dritter von rechts).

Foto: Peter Müller

Die zentrale Botschaft von Deutschlands größter digitaler Selbsthilfegruppe für Krebspatienten und Angehörige: Du bist nicht allein. „Sie kann nicht heilen, aber sie kann Antworten geben“, wirbt (Tatort-)Schauspieler Jan Josef Liefers als einer von vielen prominenten Unterstützern für diese kostenlose App namens „Yes!App“ samt Internetplattform „Yeswecan!cer“, für die sich auch
ein Braunschweiger ehrenamtlich stark macht: Professor Guido Schumacher, am Braunschweiger Klinikum Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie (Bauchchirurgie), die zu den größten chirurgischen Kliniken in Norddeutschland zählt. Die Krebschirurgie in seiner Klinik umfasst alle Operationen an Speiseröhre, Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm und Mastdarm, aber auch an Schilddrüse und Weichteiltumoren.

Schumacher weiß daher um ein Grundproblem von Krebspatienten: „Zwischen den einzelnen Diagnose- und Behandlungsschritten sitzen sie zu Hause, haben Angst um ihr Leben, und kein Mensch ist ansprechbar. Warten Sie bei Krebsverdacht nach einer Darmspiegelung mal eine Woche auf das Ergebnis.“ So gehe es von Arzttermin zu Arzttermin weiter. In den Wartezeiten fühlten sich viele allein gelassen. Zumal auch nicht alle offen mit dieser Diagnose umgehen wollten.

In der App könnten sie sich unter einem Pseudonym anmelden, so Schumacher. Und gerade während der Corona-Pandemie , in der persönliche Begegnungen erschwert sind, kann die vor drei Jahren gegründete Digital-Initiative Betroffene zusammenführen, Fragen beantworten und über die verschiedenen Facetten dieser chronischen Erkrankung informieren,

Jörg A. Hoppe erkrankte an Leukämie

Gegründet hat die App einer, der selbst betroffen ist: Medienunternehmer Jörg A. Hoppe, früherer Manager der Band Extrabreit, ist 2016 an Leukämie erkrankt. Zusammen mit Medienunternehmer Jochen Kröhne, Tobias Korenke, ehemals Sprecher der Funke-Mediengruppe, und weiteren Mitstreitern tritt er seither an, um mithilfe des Online-Netzwerks Tabus im Umgang mit Krebs zu brechen.

Auch dem Braunschweiger Professor Guido Schumacher liegt das am Herzen. „Ich mache mit, weil ich die App wichtig finde. Es gibt ein Defizit in der Versorgung krebskranker Menschen.“ Ärzte hätten oft nicht die Zeit, sich mit ihren Patienten über die medizinische Behandlung hinaus zu beschäftigen. „Diese Lücke muss gefüllt werden.“

Mit anderen hochrangigen Medizinern aus der Bundesrepublik gehört Schumacher einem wissenschaftlichen Beirat an, der über die Seriosität der medizinischen Inhalte der Plattform wacht. Darüber hinaus informiert er als Experte selbst über die Krankheit und ihre Behandlung. So simulierte er zum Beispiel gemeinsam mit anderen Spezialisten den Ablauf zweier Tumor-Konferenzen, in die er als Chirurg auch im Braunschweiger Klinikum regelmäßig eingebunden ist. Mehr als 1200 Nutzer, so Schumacher, hätten das Video angeklickt.

Auch ist er als Fachmann in Chat-Gruppen zu den Themen Darm-, Magen-, Speiseröhren- oder Leberkrebs vertreten. Betroffene und Angehörige können sich in diesen Gruppen austauschen. Viele von ihnen, sagt Schumacher, seien schon in Behandlung oder hätten die Behandlung hinter sich. Der Chirurg selbst meldet sich in den Chats indes nur zu Wort, wenn es um eine allgemein-medizinische Aufklärung geht. Oder wenn es gilt, falsche Informationen zu korrigieren.

Prominente Unterstützer der Initiative

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zählt ebenfalls zu den Unterstützern dieser Mutmacher-Initiative. Und die an Brustkrebs erkrankte Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, wurde im September während der ersten digitalen Krebs-Convention in Berlin mit dem ersten „Yes!Award“ ausgezeichnet.

In der Begründung hieß es: „Die Offenheit, mit der Manuela Schwesig über ihren Krebs spricht, die Behutsamkeit, mit der sie ihre eigenen Sorgen thematisiert, der Pragmatismus, mit dem sie geregelt hat, was angesichts der Krankheit zu regeln war, die Sensibilität, die in ihrer Kommunikation über Krebs zum Ausdruck kommt: all das trägt dazu bei, dass diejenigen, die mit Krebs zu tun haben, gestärkt und bestärkt werden.“ Schwesig habe das Thema Krebs in das Bewusstsein vieler Menschen gerückt und einen wichtigen Beitrag zu Enttabuisierung dieser Volkskrankheit geleistet. Schwesig sagte anlässlich der Preisverleihung: Über Krebs zu sprechen, koste Überwindung, dagegen anzukämpfen, sei eine Mammutaufgabe. Sie habe gute Erfahrungen damit gemacht, ihre Krankheit offen anzusprechen und sich von ihr nicht einschüchtern zu lassen.

Einen weiteren Prominenten hat Professor Schumacher übrigens selbst für „Yeswecan!cer“ begeistert: seinen früheren Patienten Jürgen Drews. Der Schlagerstar musste sich nicht lange bitten lassen, ein Mutmach-Video zu schicken.

Virtuelles Leserforum unserer Zeitung

  • Zur Initiative „Yeswecan!cer“ veranstaltet unsere Zeitung am Mittwoch, 2. Dezember, ein virtuelles Leserforum. Dieses beginnt um 18 Uhr und wird online auf www.braunschweiger-zeitung.de übertragen.
  • Am Gespräch nehmen neben Initiator Jörg A. Hoppe Professor Guido Schumacher vom Klinikum Braunschweig, Tobias Korenke, Sprecher von „Yeswecan!cer“ sowie Brustkrebspatientin Alexandra von Korff teil. Die Moderation übernimmt Chefredakteur Armin Maus.
  • Leser können während des Gesprächs Fragen stellen anchefredaktion@bzv.de.
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