Konfirmationssegen gibt es wegen Corona nur mit Maske und Abstand

Braunschweig.  Viele Einsegnungen in der Region sind wegen der Pandemie in den Herbst verschoben. Das stellt die Beteiligten vor besondere Herausforderungen.

Tausende Jugendliche feiern in unserer Region dieses Jahr unter besonderen Bedingungen Konfirmation. (Symbolbild)

Tausende Jugendliche feiern in unserer Region dieses Jahr unter besonderen Bedingungen Konfirmation. (Symbolbild)

Foto: Malte Christians / dpa

Die Einladungen an Verwandte und Freunde waren geschrieben, die Aufgebote bestellt, der Anzug beziehungsweise das Kleid ausgesucht – doch dann machte Corona den wochenlangen Planungen einen Strich durch die Rechnung. „Der Shutdown kam auf der Zielgerade der Konfi-Zeit“, sagt Pastor Matthias Weindel von der Wolfsburger Stadtkirchengemeinde unserer Zeitung. Schnell sei klar gewesen, dass es im Mai keine Konfirmationen geben würde. Wie in Wolfsburg haben viele Kirchengemeinden in unserer Region coronabedingt die Einsegnungen in den Herbst verschoben. Das stellt nicht nur die Kirchenvertreter vor besondere Herausforderungen.

„Wir waren wie viele komplett überrascht, dass alles abgesagt wurde“, sagt Pröpstin Martina Helmer-Pham Xuan aus Königslutter zur Situation im Frühjahr. Denn eigentlich waren die Konfirmationen in den Wochen direkt nach Ostern geplant. Aber die Jugendlichen in der Gemeinde und ihre Eltern hätten die Absage mit einer inneren Ruhe und Geduld aufgenommen. Als Gottesdienste dann wieder erlaubt waren, habe es langsam auch wieder Überlegungen zu Konfirmationen gegeben. Die neuen Termine seien dann in Abstimmung mit Kirchenvorstand, Eltern und Konfirmanden festgelegt worden.

„Wegen Corona war uns klar, dass die Konfirmation dann wohl nicht stattfinden wird“

Wie in der Propstei Königslutter sind in diesem Jahr rund 2500 Jugendliche in den 300 Gemeinden der evangelisch-lutherischen Landeskirche Braunschweig von den Verschiebungen betroffen. In der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, zu der auch die Kirchenkreise Wolfsburg-Wittingen, Gifhorn, Peine und Harzer Land gehören, wollen mehr als 20.000 junge Menschen konfirmiert werden.

Eine dieser Jugendlichen ist Lotta aus Braunschweig. Ihre Konfirmation sollte eigentlich Ende April in der Johannis-Kirche stattfinden. „Wir hatten schon alles durchorganisiert, das Restaurant bestellt und die Familie eingeladen“, erzählt ihre Mutter Stephanie Müller unserer Zeitung. Die Absage sei dann relativ kurzfristig im März gewesen. „Wegen Corona war uns klar, dass die Konfirmation dann wohl nicht stattfinden wird“, sagt sie. Die Einsegnung wurde auf September verschoben.

„Ich hatte bis zum letzten Moment Angst, dass es wieder verschoben werden muss“, sagt Müller in Hinblick auf die gestiegenen Infektionszahlen im Sommer. Und weil der Gottesdienst zum Teil draußen stattfinden sollte. Wegen der Verschiebung und Corona-Unsicherheit habe ihre Tochter sich zwischendurch gar nicht mehr konfirmieren lassen wollen. Schlussendlich sei die Konfirmation dann aber doch sehr schön gewesen – aber anders und im kleineren Rahmen.

Für Gottesdienste gelten Hygiene- und Abstandsregeln

Für die Konfirmationsgottesdienste gelten die gleichen Hygiene- und Abstandsregeln wie für alle anderen Gottesdienste unter Corona-Bedingungen. Dabei orientieren sich die einzelnen Gemeinden an den Empfehlungen der jeweiligen Landeskirche. Auch wenn die Gegebenheiten in den Gemeinden unterschiedlich sind, haben sich grundsätzlich zwei Modelle herausgebildet.

Zum einen gibt es das Konzept, sehr viele Konfirmationsgottesdienste hintereinander in den Kirchen abzuhalten und mit entsprechend weniger Besuchern. Familiencluster von zehn Personen dürfen dabei zusammensitzen. Zum und von Platz geht es mit Maske. Vom Gemeindegesang in der Kirche raten die Landeskirchen weiterhin ab. In vielen Gemeinden übernehmen Solisten diesen Part, die Gottesdienstbesucher dürfen aber leise mitsummen oder hinter der Maske auch mitsingen.

Zum anderen werden die Konfirmationsgottesdienste an einen anderen Ort außerhalb der Kirche verlegt, beispielsweise als Open-Air-Veranstaltung im Kirchgarten. „Die Abstandsregeln können so besser eingehalten werden und mehr Leute daran teilnehmen“, erklärt Benjamin Simon-Hinkelmann, Sprecher der Landeskirche Hannover. Die niedersächsische Corona-Verordnung erlaubt bei Freiluftveranstaltungen abhängig von der Größe des Geländes zurzeit bis zu 500 Teilnehmer. Draußen dürften die Gottesdienstbesucher auch singen.

Gemeinden gehen wegen Corona neue Wege

In den Gemeinden der Propstei Braunschweig werden die Konfirmandengruppen zum Teil aufgeteilt. „Es sind mindestens immer zwei bis drei Konfirmanden pro Gottesdienst“, betont Propst Lars Dedekind. Denn: „Es geht bei der Konfirmation um Gemeinschaft. Zum einen mit Gott, zum anderen mit der Gemeinde“, sagt der Propst. Deshalb gebe es keine Einzelkonfirmationen. Auch in Königslutter oder Wolfsburg wollten die Jugendlichen gemeinsam konfirmiert werden. Da in den meisten Fällen nicht alle Angehörigen in den Kirchenraum dürfen, bieten einige Gemeinden in den Region eine Übertragung der Gottesdienste nach draußen an oder wie die Wolfsburger Stadtkirchengemeinde einen Livestream im Netz.

Abendmahl unter Corona-Bedingungen ist logistische Herausforderung

Ein wichtiger Bestandteil der Konfirmationsgottesdienste ist das Abendmahl. Zurzeit empfiehlt die Landeskirche Braunschweig die Feier des Abendmahls nur unter besonderen Hygieneregelungen. „Man kann Abendmahl mit einerlei Gestalt machen“, erklärt der Braunschweiger Propst. Das bedeutet, dass nur Brot genommen wird. Auch vorbereitete Gedecke aus Hostie und Einzelkelchen schlägt die Landeskirche vor.

„Es war eine große logistische Herausforderung“, berichtet Pastor Weindel aus Wolfsburg. Hier wurde das Abendmahl am Vorabend des Konfirmationsgottesdienstes gefeiert. Dazu habe man sich eine Art Wandelabendmahl mit Maske und Abstand überlegt. Dabei gab es Einzelkelche und die Oblaten lagen in Schälchen bereit. Zuerst war der Kreis der Konfirmanden dran, anschließend durften die Familienverbände reihenweise nach vorne treten. Im Kaiserdom Königslutter empfangen die Konfirmanden während des Gottesdienstes einzeln, aber in Begleitung von wenigen Familienmitgliedern das Abendmahl. Dabei werden Einzelkelche verwendet, sagt Pröpstin Helmer-Pham Xuan.

In den Gemeinden von Pastor Jens Möhle finden zurzeit keine Abendmahlsfeiern statt. „Die Abstände sind dabei nicht einzuhalten“, erklärt der Pfarrer. Er ist unter anderem in Salzgitter-Thiede und den Kanaldörfern Salzgitters tätig.

Segen wird ohne Handauflegen gespendet

Für den Konfirmationssegen empfehlen die Landeskirchen das Tragen einer Maske oder eines Visiers für die Beteiligten. „Der Segen geschieht berührungslos und in entsprechendem Abstand“, sagt Pastor Möhle. Auch in Königslutter gebe es kein direktes Handauflegen, aber ein Band soll dabei die Konfirmanden im Kaiserdom mit Abstand verbinden.

Trotz dieser besonderen Umstände sind sich die Kirchenvertreter darin einig, den Konfirmanden schöne und würdige Feiern zu bieten. Angst, dass die Konfirmationen wegen Corona noch einmal verschoben werden müssen, haben die befragten Kirchenvertreter nicht. „Wir haben gelernt, dass man in diesen Zeiten sehr flexibel sein muss“, sagt die Pröpstin aus Königslutter. „Wenn es nicht gehen sollte, verschieben wir in die dunkle Jahreszeit.“ Ihr Kollege Jens Möhle aus Thiede meint: „Schwieriger wird Heiligabend.“ Denn im Gegensatz dazu könne man Konfirmationen jederzeit feiern.

Konfirmationsfeiern finden in kleinerem Rahmen statt

Aber nicht nur für die Kirchengemeinden bedeutete die Verschiebung der Konfirmationen besondere Hürden. Auch der Gastronomie brach damit ein weiteres Standbein weg. Denn Konfirmationen werden nach dem Gottesdienst in vielen Fällen als große Familienfeste in Restaurants und Gaststätten gefeiert. „Die Restaurantbetreiber sind erstmal froh, dass sie wieder solche Veranstaltungen anbieten können“, sagt Mark Alexander Krack, Geschäftsführer des Bezirksverbandes Braunschweig-Harz im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga).

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Dabei fallen Konfirmationsfeiern in Niedersachsen unter die privilegierte Corona-Verordnungslage. Das bedeutet, dass an den Feierlichkeiten unter Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln bis zu 50 Personen teilnehmen dürfen. Gleiches gilt beispielsweise auch für Taufen oder Hochzeiten. „Die Gastronomie leidet vielmehr unter den Einschränkungen bei Veranstaltungen wie runden Geburtstagen“, erklärt Krack. So sei hier die Anzahl der Teilnehmer noch auf zehn Personen begrenzt. Zudem gebe es auch Menschen, die angesichts der Corona-Lage lieber zuhause im Familienkreis feierten. Die Anzahl der Caterings habe dadurch aber nicht signifikant zugenommen.

Konfirmationskarten verkaufen sich mit Verzögerung

Auch andere Unternehmen, die im weiteren Sinne mit Konfirmationen zu tun haben, merken die Verschiebung. „Bei uns hat sich das tatsächlich sehr ausgewirkt“, sagt beispielsweise Marcel Kirschner. Er ist Verkaufsleiter bei „Haase Schreiben & Schenken“ in Wolfsburg. „Ich bestelle die Konfirmationskarten für unser Geschäft immer Ende März“, erklärt er. Bis zum Sommer habe sich davon nichts verkauft. Es habe bereits die Befürchtung gegeben, auf der Ware sitzenzubleiben. Aber: „Seit Anfang September geht das alles weg.“ Nun seien die Ständer so gut wie leer. Auch spezielle Präsente zur Konfirmation verkauften sich.

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Da die Konfirmationen dieses Jahr im kleineren Rahmen gefeiert werden, würden dafür von Nachbarn oder Bekannten auch weniger spontane Geschenke wie beispielsweise kleine Glücksanhänger gekauft. Das berichtet Patricia Peters vom Wolfenbütteler Juwelier Gert Hungeling. Auch Blumen seien für die Feiern in diesem Jahr weniger nachgefragt, sagt Svenja Alber von der Peiner Blütenmanufaktur. Sie vermutet, dass es an der Jahreszeit liege und deshalb viele Feiern von Restaurants in die heimischen Gärten verlegt worden wären.

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