Minister Lies: Für mehr E-Autos muss der Strompreis sinken

Braunschweig.  Der Niedersachse fordert eine Kürzung der EEG-Umlage um fünf Cent pro Kilowattstunde. Davon würden Bürger, Umwelt und Autohersteller profitieren.

Ein Volkswagen eGolf lädt an einer öffentlichen Ladesäule für Elektroautos in Hannovers Innenstadt.

Ein Volkswagen eGolf lädt an einer öffentlichen Ladesäule für Elektroautos in Hannovers Innenstadt.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) setzt sich für einen niedrigeren Strompreis ein. Einen Hebel sieht er in einer deutlich geringeren Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Lies machte im Interview mit unserer Zeitung einen konkreten Vorschlag: „Wir müssen die EEG-Umlage von heute über sieben Cent je Kilowattstunde auf zwei Cent absenken.“

Über die EEG-Umlage, die Verbraucher mit der Stromrechnung zahlen, werden Solaranlagen und Windräder gefördert. Zwei Cent pro Kilowattstunde reichen laut Lies dafür aber aus. Der Umweltminister sagte: „So hätten wir eine deutliche Reduzierung der Stromkosten. Das schafft finanziellen Spielraum für die Bürgerinnen und Bürger. Ein durchschnittlicher Haushalt würde 225 Euro pro Jahr sparen.“ Das sei gerade jetzt, mitten in der Corona-Krise, ein Argument und viel besser als die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent durch den Bund. „Diese kommt bei vielen Verbrauchern gar nicht erst an.“ Auch der Mittelstand und das Handwerk würden in der Corona-Krise erheblich von einem niedrigeren Strompreis profitieren.

Lies: Klimaschutz ist zu teuer

Minister Lies erkennt in einem geringeren Strompreis einen Schlüssel für das Gelingen der Energiewende und des Klimaschutzes. Auch die Automobilindustrie hätte einen großen Vorteil: Potenzielle Käufer eines E-Autos würden bisher vom hohen Strompreis abgeschreckt. „Klimaschutz ist zu teuer, weil die Strompreise so hoch sind, Gas- und Ölpreise aber im Keller sind. Wer soll da umsteigen?“, fragte Lies.

Er habe große Sorge um die Automobilindustrie, die sich im Strukturwandel befinde. Ein niedrigerer Strompreis und staatliche Zuschüsse seien der richtige Weg, um die Hersteller zu stärken. Die staatlichen Zuschüsse liegen bei maximal 6000 Euro pro E-Auto. Lies regte an, diesen Zuschuss eventuell noch einmal zu erhöhen und die Zuschuss-Laufzeiten zu verlängern.

Strompreis-Senkungen kommen bei den Kunden nicht an

Auch beim Umstieg von Gasheizungen auf Wärmepumpen sei ein niedrigerer Strompreis dienlich, so Lies. Der Strom müsse aber grün sein, das sei entscheidend dabei. „Die klimafreundlichere Welt von morgen braucht viel mehr Strom als heute, wir müssen ihn nur bewusst produzieren, sinnvoll und effizient einsetzen“, sagte er.

Lies wird in seiner Analyse mit Blick auf die Steuersenkungen der Bundesregierung bestätigt. Die Mehrwertsteuersenkung zum 1. Juli ist bei vielen Stromkunden nicht angekommen, so das Internet-Vergleichsportal Verivox. Und zwar deshalb, weil viele Stromanbieter in der ersten Jahreshälfte den Strompreis stärker angehoben hätten, als er sich durch die Mehrwertsteuersenkung verbillige. Durch die reduzierte Mehrwertsteuer sank der Strompreis im Juli zwar auf 32,81 Cent je Kilowattstunde. Damit liegt er aber ein Prozent höher als zum Jahresbeginn. „Trotz überdurchschnittlich hoher Strompreise in der Grundversorgung haben die Anbieter weiter an der Preisschraube gedreht“, so Thorsten Storck von Verivox.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (3)