Peiner haben besonders hohe Wohnnebenkosten

Braunschweig.  Trinkwasser, Müllentsorgung und Co.: In Niedersachsen gibt es große Unterschiede. Auch Braunschweig und Salzgitter sind teuer.

Abfall-Entsorger holen den Müll ab. Peiner zahlen besonders viel an Wohnnebenkosten.

Abfall-Entsorger holen den Müll ab. Peiner zahlen besonders viel an Wohnnebenkosten.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Sie werden oft als „zweite Miete“ bezeichnet, die Kosten für Trinkwasser, Müllabfuhr und Co. Wer in Peine wohnt, muss in Niedersachsen die höchsten Wohnnebenkosten zahlen. Zu diesem Ergebnis kommt der Bund der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen in seiner Analyse.

Der Steuerzahlerbund hat die
25 größten Städte in Niedersachsen untersucht. Er kommt zu einem bemerkenswerten Resultat: Demnach fallen die Wohnnebenkosten sehr unterschiedlich aus. Hunderte Euro trennen die Kommunen pro Jahr.

In einem Drei-Personen-Haushalt in einem Einfamilienhaus in städtischer Randlage müssen Peiner pro Jahr 1411 Euro zahlen. In Lingen im Emsland sind es laut Berechnung des Steuerzahlerbunds nur 953 Euro. Das ist ein Unterschied von fast 460 Euro. Mit dem Geld ließe sich für eine dreiköpfige Familie einiges anfangen. Ein Kurzurlaub zum Beispiel.

Auch in Braunschweig und Salzgitter sind die Wohnnebenkosten mit 1351 und 1306 Euro im Landesvergleich sehr hoch. Wolfsburger hingegen müssen nur 1019 Euro zahlen. Besser sieht es in Niedersachsen neben Lingen nur noch in Lüneburg aus.

Die Grundsteuer hat der Steuerzahlerbund in dem Vergleich nicht berücksichtigt – wegen „mangelnder Kooperationsbereitschaft der zuständigen Finanzämter und des Landesamts für Steuern“. Das sagte einer der Verfasser der Analyse, Jan Vermöhlen, unserer Zeitung. Er ist Haushaltsreferent beim Bund der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen.

Berücksichtigt man eine Grundsteuersimulation der Verfasser des Vergleichs, ergibt sich ein anderes Bild: Dann läge die Landeshauptstadt Hannover mit 1972 Euro im Jahr klar an der Spitze, gefolgt von Celle (1906 Euro) und Braunschweig (1879 Euro). Peine wäre Sechster. Doch die Unterschiede von mehreren Hundert Euro jährlich blieben – und am günstigsten bliebe es in Lingen (1301 Euro). Wolfsburg (1494 Euro) bliebe sehr günstig, Goslar würde sich um sechs Plätze verbessern.

Keine Quersubventionierung:

Vermöhlen erklärte, dass „eine Quersubventionierung des Haushalts durch die Wohnnebenkosten ausdrücklich nicht vorgesehen ist“. Der Haushaltsreferent bemerkte: „Die Kommunen sind ganz einfach unterschiedlich effizient.“ Das heißt übersetzt: Die Stadt Wolfsburg bekommt es im Sinne ihrer Bürger und Bürgerinnen weit kostengünstiger hin, den Müll zu entsorgen und Trinkwasser bereitzustellen als zum Beispiel die Städte Peine, Braunschweig, Salzgitter und auch Celle, das im Ranking direkt hinter Peine liegt. Vermöhlen hält Städten mit großer Fläche und einer geringeren Bevölkerungsdichte zugute, dass dort die Anfahrtswege für die Müllabfuhr größer sind. Das schlägt sich auf die Kosten der Abfallentsorgung nieder.

Einsparpotenziale:

Und doch lässt Vermöhlen die Städte nicht gänzlich aus ihrer Verantwortung. Er forderte die Kommunen daher auf, den Preis ihrer Leistungen in Schach zu halten: „Sie sind ein wesentlicher Kostentreiber der stetig steigenden Wohnkosten, die die Bürger zunehmend belasten.“ Das gelte ganz besonders mit Blick auf Städte wie Peine, Braunschweig oder Salzgitter. „Diese Städte haben ganz sicher Einsparpotenziale.“ Der Rundfunkbeitrag ist in allen Städten gleich: Er liegt bei 210 Euro pro Jahr.

Abfallentsorgung:

Sehr deutlich wird die Spanne bei der Abfallentsorgung. Werden in Wolfsburg laut Steuerzahlerbund lediglich 128 Euro für den Musterhaushalt fällig, sind es in Celle satte 459 Euro. Auch Peine und Salzgitter schlagen hier mit jeweils mehr als 410 Euro zu. Goslar, Wolfenbüttel und auch Göttingen liegen zum Teil noch recht deutlich unter dem Landesschnitt von gut 300 Euro.

Vermöhlen hält Städten wie Peine und Celle zugute, dass man dort beim Müll durchaus noch sparen kann. Ab einem bestimmten Punkt zahlen die Bürger pro einzelner Leerung. Wer also wenig Müll verbrauche, so Vermöhlen, lebe in Peine und Celle günstiger. In den meisten anderen Städten in Niedersachsen gibt es hingegen einen Pauschalpreis bei der Abfallentsorgung.

Trinkwasser:

Auch hier gibt es Unterschiede von mehreren Hundert Euro im Städte-Vergleich. Vermöhlen führt das zum Teil auf das unterschiedlich verzweigte Abwassersystem und die Größe der Städte zurück. Doch auch hier seien manche Städte deutlich effizienter als andere. Die Städte aus unserer Region schneiden relativ schlecht ab. Mit Salzgitter, Göttingen, Braunschweig und Wolfenbüttel liegen gleich vier Städte im letzten Drittel.

Schmutzwassergebühren:

Auch hier zeigt sich wieder: Das Leben in Peine ist vergleichsweise teuer. Mehr als doppelt so viel müssen Peiner im Schnitt zahlen als Lüneburger. Auch in Goslar, Braunschweig, Wolfenbüttel und Wolfsburg zahlen die Bürger relativ viel an Schmutzwassergebühren. Sie liegen allesamt über dem Landesschnitt von gut 330 Euro pro Jahr.

Regenwasser:

Bei den Gebühren für Niederschlagswasser muss man laut dem Steuerzahlerbund in Osnabrück mit 125 Euro sogar fast fünf Mal so viel zahlen wie in Cuxhaven mit nur 27 Euro. Hier sind Peine und Salzgitter ausnahmsweise einmal günstig. Das gilt auch für Goslar. Braunschweig belegt erneut einen der hinteren Plätze. Wolfsburg, Wolfenbüttel und Göttingen liegen im Mittelfeld der Rangliste.

Fazit des Steuerzahlerbunds:

Haushaltsreferent Vermöhlen kritisierte die Städte. Er sagte: „Die hohen und häufig weiter steigenden Wohnkosten empfinden die Bürger zunehmend als Belastung. Ein wesentlicher Kostentreiber ist die öffentliche Hand, die durch Steuern, Abgaben und Gebühren das Wohnen, aber auch die Schaffung von neuem Wohnraum, verteuert.“

Weitere Steuern und Abgaben:

Die Rangliste des Steuerzahlerbunds vergleicht bestimmte staatlich veranlasste Wohnnebenkosten, die jährlich anfallen und überregional vergleichbar sind. Dies stellt nur einen Ausschnitt der Gesamtbelastung dar, da der Staat das Wohnen durch weitere Steuern und Abgaben beeinflusst.

So werden etwa Heizenergie durch die Energie- und Mehrwertsteuer und der Stromverbrauch durch acht verschiedene staatliche Abgaben belastet. Durch den Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt haben die Verbraucher zumindest die Möglichkeit, durch einen Anbieterwechsel die Kosten zu reduzieren.

Auch bei den Schornsteinfeger-Arbeiten können die Wohneigentümer zum Teil zwischen privaten Anbietern auswählen. Weitere Kosten können für die Winterdienst- und Straßenreinigungsgebühren oder auch einen Anwohnerparkausweis anfallen.

Bundesweiter Vergleich:

Ein bundesweiter Vergleich des Steuerzahlerbundes war vor dem Landesvergleich bereits zu dem Schluss gekommen, dass die Wohnnebenkosten – dieses Mal inklusive der Grundsteuer – in Hannover seit 2016 so stark gestiegen sind wie in keiner anderen Landeshauptstadt in Deutschland. Fast 200 Euro müsse ein Musterhaushalt inzwischen mehr bezahlen. Niedersachsen müssen sich offensichtlich generell mit hohen Wohnnebenkosten anfreunden.

Die gute Nachricht zum Schluss:

Der Bau neuer Wohnungen in Niedersachsen gewinnt unterdessen etwas an Fahrt. Im vergangenen Jahr wurden 28.356 Wohnungen fertiggestellt, ein Plus von 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Landesamt für Statistik nun mitteilte. Damit entstanden nur etwas weniger Unterkünfte als im Rekordjahr 2016 mit 29.300 Wohnungen. Jeweils rund 40 Prozent der fertiggestellten Wohnungen entfielen auf Einfamilienhäuser sowie auf Geschosswohnungen. Das dürfte die Miet- und Kaufpreise in Niedersachsen etwas vergünstigen.

Die durchschnittliche Wohnfläche blieb in Niedersachsen mit knapp 80 Quadratmetern konstant, während die Baukosten um drei Prozent zulegten.

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