„Atomwaffen müssen geächtet werden“

Braunschweig  Der Friedensaktivist Roland Blach spricht beim Flaggentag der „Bürgermeister für den Frieden“.

Diese von der Regierung Nordkoreas verbreitete Aufnahme zeigt den Start einer „Pukguksong-2“-Rakete in Nordkorea.

Diese von der Regierung Nordkoreas verbreitete Aufnahme zeigt den Start einer „Pukguksong-2“-Rakete in Nordkorea.

Foto: Uncredited/KCNA via KNS/dpa

Derzeit wird in der Uno das Verbot von Atomwaffen verhandelt. Gleichzeitig und dazu passend hissen am 7. und 8. Juli 7000 Städte überall auf der Welt die Flagge der „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden). Auch Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter und Wolfenbüttel nehmen teil. Auf Einladung Braunschweiger Friedensinitiativen hält Roland Blach, Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner Baden-Württemberg (DFG-VK), anlässlich des Flaggentags am 7. Juli um 17 Uhr in der Dornse im Braunschweiger Altstadt-Rathaus einen öffentlichen Vortrag. Mit Blach sprach Johannes Kaufmann.

Worüber werden Sie am 7. Juli in der Dornse sprechen?

Ich werde die Geschichte seit 1945 aufrollen. Da geht es um die nukleare Aufrüstung und die damit verbundenen großen Tragödien. Ich gehe auf die Atomtests ein und darauf, dass wir mehrfach knapp an einem Atomkrieg vorbeigeschrammt sind. Außerdem wird es um die aktuellen Verhandlungen in New York gehen. Und zuletzt geht es um die Frage, wie es danach weitergeht. Was können wir in Deutschland tun, damit das Verbot auch durchgesetzt wird?

Wird das Verbot kommen?

Nach allem, was ich bisher gehört habe, ist das sehr wahrscheinlich. Am Samstagmorgen dürfte ein Vertrag vorliegen, der als historisch bezeichnet werden kann.

Was erhoffen Sie sich davon?

Vor allem eine Ächtung dieser Massenvernichtungswaffen. Die Atomwaffenstaaten werden sich nicht mehr herausreden können, dass der Nichtverbreitungsvertrag gilt. Ein wichtiges Element dieses Vertrags, die vollständige atomare Abrüstung, wurde nie richtig angegangen. Mit dem Verbot wird der Druck so erhöht, dass die Atomwaffenstaaten unter Zugzwang geraten.

Den Druck bekommen vor allem Länder mit einer starken Zivilgesellschaft zu spüren, wie etwa die USA. Nordkorea hat gerade eine Interkontinentalrakete getestet. Was schert Nordkorea die UN?

Mit Nordkorea geht es nicht anders als mit Russland, USA und den anderen Atomwaffenstaaten. Im Kern muss die Botschaft lauten: Es darf keine Aufrüstung geben, sondern alle Staaten müssen in den Dialog treten und das Abschreckungsdenken überwinden. Die Frage ist, wie bekommt man diesen Dialog hin mit Partnern, die einem suspekt sind wie Nordkorea? Wie kann Nordkorea in die Staatengemeinschaft zurückgeholt werden? Anfang der 1970er Jahre schien auch zwischen Ost und West kein Vorankommen möglich, aber man hat erkannt, dass man aus dem Dilemma raus und aufeinander zugehen muss. Im Moment ist die Debatte vergiftet, es gibt Drohungen auf beiden Seiten. Wenn einer dann losschlägt, ist der Atomkrieg auf der koreanischen Halbinsel sicher. Das möchte ich nicht erleben.

Böse gefragt: Besteht bei solchen Verboten nicht die Gefahr, dass die Guten entwaffnet werden und die Schurken sich freuen?

Da ist die Frage, wer die Guten und wer die Schurken sind. Fakt ist, dass seit 70 Jahren alle Atomwaffenstaaten sich wie Schurken verhalten. Seit der Kubakrise vor 55 Jahren gab es immer wieder Situationen, in denen die Auslöschung der Menschheit kurz bevorstand. Deswegen braucht es den Druck von atomwaffenfreien Zonen, der Zivilgesellschaft und der 7000 Städte, zu denen auch Braunschweig gehört, die sagen, dass wir die atomare Abschreckung überwinden müssen.

Glauben Sie, dass eine Ächtung von Atomwaffen die Dialogbereitschaft von Ländern wie Nordkorea oder Iran erhöht?

Definitiv. Besonders aufbrausende Länder werden dadurch in die Zange genommen. Aber auch die USA und Russland werden zum Dialog genötigt. Ich sehe auch, dass Deutschland im Hintergrund versucht, eine vermittelnde Rolle zu spielen. Beim Iran ist das bereits gelungen. Allerdings braucht es dafür noch stärkere Impulse. Die können von dem Verbostvertrag ausgehen. Darüber hinaus müssen aber auch Deutschland, die Europäische Union und die Zivilgesellschaften in diesen Ländern selbstbewusster und stärker auftreten.

Und was macht man, wenn einer nicht mitziehen will?

Das ist immer die große Frage. Der Iran hat gezeigt, dass man miteinander ins Gespräch kommen kann, wenn es gelingt, einen Interessensausgleich zu finden. Ansonsten bleibt es immer nur bei Drohungen. Der Verbotsvertrag kann die ethisch-moralische Grundlage für einen Dialog legen. Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht.

Es gibt den antiken Satz „Si vis pacem para bellum“ – Wer Frieden will, rüste sich für den Krieg. Muss man nicht wehrhaft sein, um den Frieden zu erhalten?

Umgekehrt ist es richtig: Frieden ist der Weg. Im Geschichtsunterricht haben wir alle gelernt, dass man wehrhaft sein muss. Diese Wehrhaftigkeit durch Rüstung und Militär müssen wir überwinden, in unseren Köpfen und Herzen. Das geht nur über Vertrauen – im Kleinen wie im Großen –, indem wir Frieden im Alltäglichen erlernen und nicht zurückschlagen, wenn jemand mit der Faust droht. Ob man sich da auf Jesus oder Gandhi beruft, ist unerheblich. Andernfalls hat die Menschheit keine Chance, zu überleben.

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