Wie man trotz Sperre twittern kann

Braunschweig  Auch Laien können Netzsperren umgehen.

Eine Website wie Twitter lässt sich am einfachsten über die Provider, die Internetanbieter, blockieren - aber die Sperre lässt sich umgehen.

Eine Website wie Twitter lässt sich am einfachsten über die Provider, die Internetanbieter, blockieren - aber die Sperre lässt sich umgehen.

Foto: dpa

Eine Website wie Twitter lässt sich am einfachsten über die Provider, die Internetanbieter, blockieren. Das wären in Deutschland Firmen wie die Telekom, 1&1 oder Alice. Doch jene Sperren lassen sich umgehen – und zwar relativ einfach.

Hinter jeder Internetseite steht eine IP-Adresse, eine lange Folge von Zahlen und Punkten. Wer auf die Website von Twitter zugreifen will, der gibt in seinem Browser „www.twitter.de“ ein. Im Hintergrund sucht der Provider aus einem DNS-Verzeichnis die passende IP-Nummer von „www.twitter.de“ raus und leitet dann auf jene Nummer weiter. Erst dadurch wird die Seite im Browser geladen.

DNS steht für Domain Name System. Wie in einem Adressbuch sind hier alle Browser-Adressen IP-Nummern zugeordnet. Wenn nun die türkische Regierung die Provider im Land anweist, die IP-Nummer von Twitter zu blockieren, wird sie im DNS-Verzeichnis blockiert – und der Zugriff auf die Seite klappt nicht mehr.

„Das lässt sich aber mit einem Proxy-Server oder einem TOR-Netzwerk leicht umgehen“, sagt Julien Deseke vom Hackerspace Stratum 0, einem Computerclub in Braunschweig. Bei einem TOR-Netzwerk wird die Anfrage laut Deseke verschlüsselt – der eigene Provider bekommt sie gar nicht zu sehen. Über zahlreiche weitere Computer des Netzwerkes wird die Anfrage an einen anderen Provider weitergereicht. Ist bei diesem die IP-Nummer der Seite nicht blockiert, ist es möglich, darauf zuzugreifen, erklärt Deseke. Nachteil: durch das TOR-Netzwerk verlängern sich die Ladezeiten, das Internet wird langsamer.

Einen anderen Trick nutzen Proxy-Server: die Anfrage wird über mehrere Länder geleitet, bis ihre Herkunft kaum mehr nachvollziehbar ist. Hat der Provider nun definiert, dass Benutzer aus der Türkei Twitter nicht benutzen dürfen, so greift der Filter nicht mehr, da der Eindruck erweckt wird, die Anfrage käme aus einem anderen Land.

TECHNISCHE LÖSUNGEN

Ein Tor-Netzwerk lässt sich am einfachsten über die Seite www.torproject.org benutzen. Hier lädt der Nutzer einen Browser mit Voreinstellungen für den TOR-Zugang herunter.

Umgehen lässt sich die Sperre auch über die Website unblock-twitterproxy.com. Hier lässt sich Twitter trotz Blockade bedienen – als Land und als Schreiber.

So kompliziert allerdings muss es im aktuellen Fall gar nicht sein: Twitter selbst rät den Nutzern in der Türkei, ihre Tweets per SMS abzusetzen. Zur Einrichtung des Dienstes schicken Nutzer einfach das Wort „Start“ als SMS an eine Nummer (in Deutschland ist es 0172/4403473).

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