Regen rafft den Raffteich dahin

Braunschweig  Die Agentur Undercover will mit ihrem Open-Air-Spektakel in den Wolters-Hof umziehen.

Im Juli 2011 trat der britische Rockstar James Blunt im strömenden Regen im Raffteich auf.

Im Juli 2011 trat der britische Rockstar James Blunt im strömenden Regen im Raffteich auf.

Foto: Nielsen

Die Open-Air-Konzerte am Raffteich sind vorerst Geschichte. Wie die Veranstaltungsagentur Undercover mitteilt, wird die Volksbank-Brawo-Bühne im kommenden Jahr umziehen – und zwar auf den Wolters-Hof. Im Juli sollen dort unter anderem Michael Patrick Kelly und Silent Radio auftreten.

Undercover-Sprecher Anton Spry erklärte, der Weggang vom Raffteichbad sei schon seit einiger Zeit ein Thema – insbesondere wegen der schwierigen Bedingungen bei schlechtem Wetter: „So gab es zum Beispiel auch in diesem Jahr wegen der auf den aufgeweichten Wiesenparkplätzen steckengebliebenen Besucher-Autos nächtliche THW-Einsätze“, sagt Spry. „In der Nacht vor dem Auftritt von Silbermond haben wir sogar einen Bauern gebeten, mit seinem Trecker dem THW dabei zu helfen, die Fahrzeuge aus der Wiese zu ziehen.“ Zudem hätten weite Teile der Flächen vor und hinter der Bühne mit Rindenmulch bedeckt werden müssen, um das Konzert überhaupt zu ermöglichen. „Es fühlt sich zwar gut an, wenn man so etwas gerockt hat, aber es geht auch an die Grenzen des Teams. Zumal die Sommer in unseren Breiten immer unberechenbarer werden.“

Auf dem Wolters-Hof habe man bessere Bedingungen gefunden. „Beim Konzert von Silent Radio dort im vergangenen Jahr ging ein Gewitter nieder, und es ist uns gelungen, das Konzert in eine Halle umzuquartieren.“ Zudem sei das Gelände an der Wolfenbütteler Straße aufgrund seiner Verkehrsanbindung und der Nähe zur Innenstadt besser erreichbar.

Allerdings: Während am Raffteich bis zu rund 6000 Besucher Platz fanden, ist der Wolters-Hof laut Spry auf 2500 Gäste begrenzt. Undercover hatte dort schon im Sommer eine neue Konzertreihe gestartet: Im Juli waren neben Silent Radio die Sänger Gregor Meyle und Dieter Thomas Kuhn aufgetreten.

Spry betont, die Bespielung des Raffteichs sei zunächst nur für 2018 ausgesetzt worden. Man wolle auch weiterhin die Idee nicht aufgeben, größere Acts im Sommer hierher zu holen. Man hoffe auf Unterstützung der Stadt.

Für die Stadt erklärte Juliane Meinecke, diese unterstütze den Veranstalter am neuen Standort. „Gleichwohl sind wir gerne zu Gesprächen bereit, damit die Veranstaltung mittelfristig wieder im Raffteichbad stattfinden kann.“

Die Frage, ob das Kennelbad eine Möglichkeit für eine Open-Air-Bühne böte, da dort ja bereits Konzerte stattgefunden haben und die Parkplatz-Situation deutlich besser ist, erklärte Stadt-Sprecher Adrian Foitzik, sei früher schon geprüft worden. Jedoch sei es dort zu Beschwerden wegen Lärmbelästigungen gekommen. Außerdem habe es für Tour-LKW Probleme gegeben, unter der Brücke der Zufahrtsstraße hindurchzukommen.

Seitens der Volksbank-Brawo erklärt Norman Lies: „Als Sponsor tragen wir die Entscheidung des Veranstalters, in eine andere Location umzuziehen, partnerschaftlich mit.“ Bankchef Carsten Überschär ergänzt: „Wir freuen uns, einen Ort gefunden zu haben, mit dem das Open-Air auch für 2018 gesichert ist.“ Zur Zukunft des Festivals über das nächste Jahr hinaus gab es von der Bank keine Auskunft.

Am 26. Juli eröffnet Michael Patrick Kelly die Open-Air-Reihe. Am 28. Juli treten Silent Radio auf. Der Vorverkauf startet an diesem Freitag, 8. Dezember, um 10 Uhr, Tel: (0531) 310 55 310.

Mehr zum Thema lesen Sie hier: Kein Raffteich-Open-Air mehr, stattdessen Konzerte im Wolters-Hof

KOMMENTAR

Die Provinz-Falle

Es gab unvergessliche Schlammbadenächte am Raffteich. Bei James Blunt, der bekannte, noch nie bei einem derartigen Starkregen aufgetreten zu sein. Oder bei Helge Schneider, dem das Wasser derart in die alte Orgel fegte, dass er zur Halbzeit aufgab. Das Wetter kann in Norddeutschland ein ziemliches A..loch sein.

Andererseits boomen allerorten die sommerlichen Open-Air-Spektakel. Regen und Schlamm zu trotzen, tut der Freude kaum Abbruch. Im Gegenteil, es schweißt die Event-Gemeinde zusammen – von Woodstock bis Wacken. Deshalb wäre es bitter, wenn ausgerechnet in der ohnehin in Sachen Rock-Pop nicht eben verwöhnten Großstadt B. so ein mittelgroßes, atmosphärisch stimmiges, von den Fans angenommenes Festival dauerhaft auf Provinz-Niveau schrumpfen würde. Hier droht ein Stück urbane Lebensqualität verloren zu gehen. Allerdings ist Provinz nicht nur eine Frage des Ortes. Auch auf den Wolters-Hof ließen sich aufregendere Musiker holen als Kuhn, Kelly oder zum xten Mal Silent Radio.

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