Zügig durchs Tal der Tränen

Braunschweig  Kantorei und Orchester an St. Katharinen gaben Mozarts Requiem.

Dirigent Claus-E. Hecker.Foto: Archiv

Dirigent Claus-E. Hecker.Foto: Archiv

Totensonntag? Natürlich ein Requiem! Und so strömten die Besucher am Ewigkeitssonntag nur so in die Katharinenkirche. Dadurch verspätete sich der Beginn, dennoch herrschte im Kirchenschiff spannungsvolles Schweigen in ruhiger Erwartung von Mozarts zu großen Teilen selbst verfasstem Spätwerk, dem Requiem d-moll KV 626.

Wurde der Bitte nach „ewiger Ruhe“ im Eingangsteil durch die meditative Atmosphäre schon im Vorfeld entsprochen, entspann das hauseigene Ensemble unter der Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Claus-Eduard Hecker in behenden Tempi und betonten Violinen die Eingangsbegleitung zum „Introitus“.

Das schöne Wechselspiel grundierter Bässe und leuchtender Soprane mündet einheitlich ins „Kyrie eleison“. Abschließend schält sich nach klar herausgearbeiteten Übergängen der dunkel timbrierte, blumige Sopran von Anna Mengel heraus, und das Orchester überzeugt durch klare Linienführung. Weiter in schnellen Tempi das „Dies irae“ mit wiederum deutlich betonten Streichern, insgesamt etwas indifferent, doch angemessen tragisch betont.

Mit schön gestaltendem, warmen Bassbariton überzeugte der kurzfristig eingesprungene Michael Humann im „Tuba mirum“. In Interaktion mit der Posaune wird das homophone Quartett der Solostimmen eingeleitet. Sehr harmonisch ergänzen sich Sonja Boskous’ warmer Alt und der helle Tenor von Sebastian Franz, der auch in den tieferen Lagen gut zu gestalten versteht, unter glockiger Sopran-Zugabe.

Das „Rex tremendae“ wird vom Chor nicht übermütig-anklagend, sondern erhaben und zuversichtsversprühend gegeben. In den schwierigen Läufen und vertrackten Strophen des „Recordare“ gelingt es angemessen, den späten Mozart zu moderieren.

Gleichwohl überzeugen in den zarten Passagen des „Confutatis“ – nach einleitend rappeliger Höllenandrohung – die zarten Sopranstimmen in guter Abstimmung mit dem Orchester.

Gewissermaßen „Kernstück“ des Requiems ist das „Lacrimosa“: Hier gelingt Hecker ein spannungsgeladener Übergang ins wiederum schnell gespielte Tal der Tränen mit schön Ton für Ton charakteristischer Betonung und bedeutungsschwerem Schreiten der Streicher. Excellent!

Mit „Domine Jesu“ und „Hostias“ schließen die letzten von Mozart verbürgten Teile mit präzisen Abstufungen des Chores in insgesamt weicher Ausdeutung. Die Übergänge geraten immer wieder gut, und so schließt das Requiem am Ende in angemessen-versöhnlichem Finale mit präzisem Trommelschlag.

Zuvor hatte Hans-Dieter Karras an der Orgel mit wuchtigem Einstieg und sich breit anschließenden figuralen Läufen Mozarts späte Fantasie f-moll KV 608 gespielt. Die Kirchenakustik gut auslotend, führte das Werk besonders im zweiten Teil fein samtig ziseliert und mit schweren Seufzern in den tieferen Registern auf das Requiem hin.

Die Mauerische Trauermusik (KV 477) gab das Kammerorchester dann aus absoluter Stille spannungsvoll erwachsend und einfühlsam musizierend. Ein atmosphärisch gelungener Abschluss des Kirchenjahres vor zunächst zaghaft einsetzendem Applaus.

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