Komödiantenträume

Braunschweig  Enoch zu Guttenberg und Klaus Maria Brandauer spielten Mendelssohns Tonwerk.

ARCHIV - Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer.

ARCHIV - Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer.

Foto: dpa

„Wir sind aus einem Stoff, aus dem die Träume sind“, zitiert Klaus Maria Brandauer vor aller Sommernachtstraum-Musik aus einem anderen Shakespeare-Stück, dem „Sturm“, und gibt damit die Haltung vor für das zarte Kribbeln und Zusammenlaufen der Motive in Felix Mendelssohns großer Ouvertüre zum Liebeshändel-im-Triebwald-Stück, in dem Elfen, Menschen und der erzalberne Puck ihre Gefühle ausleben.

Brandauer braucht beim Meisterkonzert in der Stadthalle zwei Ansätze, weil zunächst die Tonanlage brummt, und er spricht seine Texte trotz schlimmer Erkältung, die seine Stimme schwächt. Er hat sich eine Fassung zurechtgeschneidert, in der er die von Mendelssohn komponierten Stücke der Schauspielmusik in die Handlung integriert. Er gibt also nicht nur den Erzähler, sondern nach dem Motto der in diesem Stück krachschauspielernden Handwerker, „lasst mich den Löwen auch noch spielen“: sämtliche Rollen.

Das gerät angesichts der verwirrenden Handlung ziemlich lang, auch wenn er unter stimmlicher Todesverachtung sich vielfache Charakteristika für die Figuren einfallen lässt, nebenbei noch schaupielert, was das Komödiantenblut hergibt, also sich auf dem Bühnenboden schlafen legt, als Zettel im Orchester seine Kumpel sucht oder in vielfacher Variation als Pyramus die Brust mit fiktivem Schwert durchbohrt. Das darf auch albern werden, da ist Brandauer wie Shakespeare Populist. Wie er da aus Zettels Lied mit zusätzlich erkältungsgebrochener Stimme das „I-Ah“ des Esels zaubert, haut hin.

Enoch zu Guttenberg und das Orchester der Klang-Verwaltung setzen mit präzisen Einwürfen Akzente, dürfen sich vor allem in der Ouvertüre, die alle Motive enthält, im Hochzeitsmarsch und den Elfentänzen profilieren. Das Elfenhuschen gelingt sehr schön quecksilbrig, das Eipopei mit Frauenchor und Solistinnen akkurat, die Streicherkantilenen im Finale versonnen-weich. Prima.

Zuvor gab’s Beethovens 8. Sinfonie, die merkwürdig klassische, im zweiten Satz mozarthaft-hüpfige, im Menuett ländlich-trampelige Ungebliebte, die Guttenberg mit energischer Zeichengebung und zackigem, paukentrie- bigem Finale würdigt. Kein Zugstück. Nach Mendelssohn starker Applaus und Bravos.

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