Testosteron im Nebel

16 Bands aus der Region rockten beim 29. Musikum-Festival.

Die Band Therapiezentrum um Sängerin Gianna Niemeyer überzeugte auf der großen Musikum-Bühne.

Die Band Therapiezentrum um Sängerin Gianna Niemeyer überzeugte auf der großen Musikum-Bühne.

Foto: Eva Casper

Hochhäuser, dazwischen grüne Wiesen und ein kleiner See – das ist der Veranstaltungsort des Musikums. Es ist wohl eines der wenigen Festivals, bei dem nicht gezeltet wird, weil die meisten Besucher ihr Zuhause gleich neben der Bühne haben – in einem der Wohntürme des Studentenwohnheims an der Schunter.

Am Wochenende fand das Musikum zum 29. Mal statt. 16 Bands aus der Region wurden eingeladen und spielten Freitag und Samstag eine bunte Mischung aus Rock, Punk und Indie bis hin zu Metal.

Am Freitag waren die Braunschweiger Bands Callin Tommy und Audiohead die Hauptgruppen. Am Samstagabend trat unter anderem die Band Black Lion auf. Die musikalischen Frischlinge (2013 gegründet) spielten soliden Akustikgitarren-Rock mit Synthesizer-Klängen.

Neben der Außenbühne auf der Wiese gibt es eine Innenbühne im Kino des Wohnheims. Fliegender Wechsel zwischen Frischluft und dem typischen biergeschwängerten Kunstnebel-Duft eines Konzertsaals. Der Kunstnebel wird zum Problem: Sänger Peter von Still Ten Days liegt er schwer in der Lunge. Mit rudernden Armbewegungen versucht er, ihn loszuwerden – erfolglos. Er macht aus der Not eine Tugend und dichtet seinen Liedtext einfach um: „Dieser Nebel nervt!“.

Das Ganze unterlegt mit rotzigen Punk-Akkorden – auch ein netter Songtext. Überhaupt ist Peter eine kleine Rampensau mit scheinbar hohem Testosteronspiegel. Er springt, tanzt, hat keine Angst vor zotigen Texten und holt sich ein paar junge Frauen als Tänzerinnen auf die Bühne.

Mit Testosteron hat die Band Therapiezentrum dagegen weniger zu tun. Sängerin Gianna Niemeyer bewegt sich so grazil auf der Bühne, dass man meinen könnte, sie habe als Kind Ballett getanzt. Sie singt von Liebeskummer, Selbstzweifeln und trotziger Selbstbehauptung, kurz: Von allem, was einen als junger Mensch emotional so umtreibt.

Die Musik der Band ist eine Mischung aus Liebesherzschmerz-Balladen und tanzbaren Rock-Pop-Songs. Ihr Album „Herz.Rhythmus.Störung“ wurde von Fabio Trentini mitproduziert, der bereits für die Guano Apes und die Donots gearbeitet hat. Das Publikum gibt sich dennoch schüchtern und hält einen Sicherheitsabstand von 30 Metern zu Bühne, der nur von einigen mutigen Tänzern durchbrochen wird.

Härter geht es bei Leguano zu. Die Heavy-Metal-Band spielt schwere, hämmernde Gitarrenriffs. Frontfrau Nadine Rosenkranz singt dazu in knappem Outfit und mit tiefer Stimme Songtexte über Tod, Teufel und Verzweiflung. Und sie wirbt, wie alle Bands des Abends, für „Gefällt mir“-Angaben auf ihrer Facebook-Seite – das neue Äquivalent für verkaufte Platten.

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