Ausstellung „House of Oblivion“ eröffnet im Kunstverein

Braunschweig.  Besucher können in der Ausstellung von Shannon Bool sehen, was das Gesäß von Kim Kardashian und Skizzen Picassos verbindet.

Das Gemälde „Shannon Bool

Das Gemälde „Shannon Bool

Foto: Shannon Bool

Die Fotografie des Gesäßes von Reality-TV-Star Kim Kardashian im Papermagazin ging um die Welt. In der Villa Salve Hospes verschmilzt sie nun mit Vorskizzen von Pablo Picasso und einer Fotografie des Badezimmers der Villa Savoye vom Architekten Le Corbusier auf einem Wandteppich. Perfekt fügt sich das Gesäß in die Skizzen für Picassos Gemälde „Femmes d’Agler“ ein – fast als wäre es schon immer so gewesen.

Das Werk gehört zu der Ausstellung „House of Oblivion“ von Shannon Bool, die am Donnerstag im Kunstverein eröffnet wurde. Eine Ausstellung die Gegensätze vereint. Weiblich – männlich, kalt – warm, kantig – weich. Auf Wandteppichen, Fotografien, Wandgemälden, Stoffen und Skulpturen zieht Bool Referenzen. Schön anzusehen sind die Werke allemal. Wirkliches Leben haucht ihnen aber erst das Hintergrundwissen ein.

So auch auf den Wandteppichen „Oued Ouchaia“ und „Maison locative Ponsik“, die Skizzen Le Corbusiers zeigen. Im Hintergrund klare weiße Linien. Umrisse verschiedener Wohnprojekte, die der Architekt designt hat. Im Vordergrund voluminöse Frauenkörper, geformt aus Mustern, die sich auf Teppichen in der Privatwohnung Le Corbusier wiederfinden. Erst nach seinem Tod fand man bei ihm unzählige Zeichnungen von Prostituierten in eindeutigen Posen. Der Architekt hatte diese im Geheimen angefertigt. Nun zieren sie die Teppiche.

Die Themen Architektur und Weiblichkeit ziehen sich durch die gesamte Ausstellung. Ob auf Fotocollagen von Pferden und Gebäuden, in Form des Abbildes mehrerer Lampen aus dem Haus von Kim Kardashian oder des Fliesenbodens aus dem Haus ihrer Mutter Kris Jenner.

Bool verwendet bei ihren Arbeiten traditionell als weiblich angesehene Techniken. So stickt sie mit bunten Garn auf Skizzen von Häusern, die von Männern geschaffen wurden. Verleiht ihnen so eine Art Weiblichkeit. Gibt den Entwürfen zum Teil eine andere Dimension.

Wie bei der Skizze des Chicago Tribune Towers von Adolf Loos. Einem Wolkenkratzer, der unübersehbar in einer phallischen Form designt ist. Im Hintergrund des Gebäudes ist im Werk von Bool nun gesticktes Feuerwerk. Als eine ironische Feier des Männlichen? Es wirkt, als würde sich die Künstlerin über die Skizze lustig machen und so auch zur Diskussion stellen, was Frauen dürfen und was sie nicht dürfen.

So ist auf einem weiteren Wandteppich die Herrentoilette des Four-Season-Restaurants in New York zu sehen. Aus einer der Kabinen ragt eine Schleppe hervor – handbestickt mit bunten Blumen. Ein Fremdkörper in der kalten, strukturieren Umgebung. Das Eindringen der Frau in die Männerwelt.

Und Bool zeigt auch: Das eine geht nicht ohne das andere. Hart und weich, männlich und weiblich. So legt sie Skizzen Le Corbusiers über Postkarten orientalisch anmutender, nackter Frauen, die er – auch hier im Geheimen – gesammelt hatte. Dabei lässt sie den Betrachter Formverwandtschaften erkennen, die so perfekt sind, dass er sich fragen muss, ob die Skizzen nicht genau so entstanden sind.

Die Künstlerin Shannon Bool wurde in British Columbia geboren und hat an der Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt studiert. Ihre Arbeiten sind unter anderem in den Sammlungen des Metropolitan Museum New York und dem Museum für Moderne Kunst Frankfurt vertreten.

Die Ausstellung „House of Oblivion“ wurde bereits im Museé d’art Joliette in Kanada und dem Centre Culturel Canadien in Paris gezeigt. Sie ist noch bis zum 17. November im Kunstverein, Villa Salve Hospes, Lessingplatz 12, zu sehen.

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