Auch Ritter werden mal schwach

Goslar  Die Rumänin Anca Munteanu Rimnic zeigt im Mönchehaus-Museum Goslar ihre Kunst.

Skulptur von Anca Munteanu Rimnic in Goslar.

Skulptur von Anca Munteanu Rimnic in Goslar.

Foto: Museum

Anca Munteanu Rimnic, die gegenwärtig in Goslar mit einer großen Einzelausstellung geehrt wird, gehört zu den interessantesten Künstlerinnen ihrer Generation. 1972 in Bukarest geboren, musste sie bereits mit sieben Jahren ihre Heimat verlassen und zog mit ihren Eltern nach Deutschland, wo sie Kunst studierte. Heute lebt sie in Berlin.

Der frühe Verlust der Heimat und die Prägung durch zwei Kulturen, zwei Gesellschaften und zwei Sprachen, haben Munteanu Rimnic dazu geführt, in ihrem Werk immer wieder über Identität nachzudenken. In den Eingangsbereich des Museums hat sie einen großen Spiegel gehängt, dessen geriffeltes Glas das Bild all derer undeutlich werden lässt, die hineinschauen. Und die dadurch spielerisch mit der Frage konfrontiert werden: Wer sind wir eigentlich, wenn wir Ich sagen?

Ihre Skulpturen, Videos, Fotografien und Performances sind geprägt vom Befremdlichen im scheinbar Selbstverständlichen, oft von grotesker Poesie.

Bekannt wurde sie 2013 auf der Berliner Kunstmesse abc. Als Braunbär verkleidet saß sie dort in einem Glaskäfig und zerschlug Hunderte von Bleikristallvasen. Die wie ein Slapstick wirkende Aktion erzählte gleichnishaft davon, wie in Rumänien die heimische Produktion hochwertiger Kristallgläser inzwischen durch ausländische Billigproduktionen zugrunde gerichtet wird.

Neu für Goslar hat die Künstlerin einen Ritter in blitzender Rüstung geschaffen. Er wirkt wie eine Hommage an die mittelalterliche Kaiserstadt. Irritierend indes ist, dass der Ritter, obwohl mit geschlossenem Visier kampfbereit, in Demutshaltung auf dem Boden kniet, ein wenig wie ein hilfloses Kind auf allen Vieren.

In dieser Verkehrung liegt eine politische Dimension, um nicht zu sagen, eine Utopie. Sie besteht darin, dass in dem Werk gegen alle Erwartung das Starke als schwach erscheint. In anderen Arbeiten macht sie im Gegensatz dazu das Schwache stark in der Hoffnung auf das Heraufdämmern einer gerechteren Gesellschaft.

Weitere Werke alliieren ebenfalls Widersprüche und Paradoxien. Im Apostelzimmer führen weiße Keramikkugeln und elektronische Klänge ein poetisch- meditatives Spiel von Plan und Zufall auf. Nah dabei beeindruckt die erste Lichtarbeit der Künstlerin. Ihre Gestalt hat sie den Facetten eines Brillantschliffs nachempfunden, ihr Neonlicht leuchtet pastellfarben. So rational die Form, so emotional die Farbe.

Oder ihre berührendes Video einer selbst choreografierten Trauerzeremonie. Erst verharren die schwarzgekleideten Frauen wie betäubt. Dann löst sich ihre Erstarrung in einem langsamen Tanz der Erinnerung, der zugleich eine Feier des Lebens ist. Der Tod hat nicht das letzte Wort ( bis 24. Juli, geöffnet Di.-So. 10-17 Uhr).

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