Jetzt schlägt’s 13 – der Tanz am Abgrund

Braunschweig  100 Jahre Herzogs-Hochzeit 2013 – Oberbürgermeister Gert Hoffmann: Victoria Luise steht nicht im Mittelpunkt

„Es geht um Dreizehn“, sagt der Oberbürgermeister geradezu beschwörend, als er uns in sein Büro bittet. „Das Thema ist ein sehr persönliches Anliegen von mir.“ Und wir denken spontan: Na, das wäre doch eigentlich ein klasse Titel für das ganze Spektakel zum Gedenken an die Hochzeit zwischen dem Welfenprinzen Ernst August und der hohenzollerschen Kaisertochter Victoria Luise anno 1913: Einfach knallrot über alle Plakate: Dreizehn!

Die Schicksalszahl...

Denn klar: Dreizehn ist nicht Vierzehn. Mit Dreizehn hat Braunschweig ein Alleinstellungsmerkmal erster Güte – wenn die Planer es clever anstellen. Vierzehn, meint der Oberbürgermeister wohl nicht ganz zu Unrecht, werde auf der ganzen Welt ein Mega-Gedenkjahr sein, da würde Braunschweig nicht auffallen.

Da hat Dreizehn einen ganz anderen Charme: Die letzte große europäische Adelszusammenkunft vor der Totalkatastrophe. Champagner am Abgrund. Und speziell für uns: Aus der beigelegten Rivalität zwischen den Hohenzollern und den Welfen durch Heirat entstand das Herzogtum Braunschweig neu.

Das ist dem Oberbürgermeister wichtig: „Irgendwer hat in der Stadt das Gerücht gestreut, es gehe uns um die Verherrlichung der Victoria Luise. Klar, die war zu Lebzeiten ein Star in der Stadt. Jeder, der sie noch erlebt hat, erzählt ja gern, wie er bei ihr zum Tee war. Aber sie war doch keine bedeutende Persönlichkeit. Sie hat ja nicht regiert, sondern war nur Gemahlin. Meines Wissens hat sie keine politischen Akzente gesetzt. Deshalb sollte sie nicht im Mittelpunkt des Jubiläums stehen.“

In einer Mischung aus Resignation und Amüsiertheit versucht Hoffmann im Herbst seiner Amtszeit auch noch einmal, sein Image zu justieren: „Mancher vermutet ja, dass ich die Welfen wieder auf den Thron bringen will – oder gar mich selbst.“

Als Fokus seines Interesses nennt der „Hobbyhistoriker“ viel mehr die Spanne zwischen 1866 und 1913. Ganz kurz: 1866 verloren die Hannoverschen Welfen gegen Preußen und mussten ins Exil. Durch die Berliner Heirat von 1913 wurde der vakante Welfen-Thron wieder besetzt – allerdings in Braunschweig, nicht in Hannover. Das, so meint Hoffmann, habe Auswirkungen auf Niedersachsen bis heute.

Hoffmann will durchaus die Besinnung auf die feudale Vergangenheit ins Bewusstsein rufen. In Bayern meint er, sei derartige Traditionsbindung sehr viel selbstverständlicher als bei uns. „Und solch eine Vergangenheit ist doch durchaus interessanter, als wenn man immer nur Kreisstadt war!“

Vor allem aber kommt es ihm auf eine anspruchsvolle historische Aufarbeitung der Zeit an. Mehr als Victoria Luise interessiert ihn dabei deren Ehemann: „Wie hat Ernst August eigentlich regiert? Was hat er bewirkt?“

Renommierte Wissenschaftler um den einstigen Kulturhauptstadt-Botschafter Christoph Stölzl haben ein Konzept verfasst, das die Vorkriegszeit in vielen Facetten beleuchtet. Wobei der Krieg selbst und die Kriegsschuld-Frage nicht zentral thematisiert werden. Hoffmann: „Das alles kommt ja dann weltweit 2014.“

Das Konzept soll am kommenden Freitag im Kulturausschuss der Stadt diskutiert und am 11. Oktober im Rat beschlossen werden. Geldgeber wie etwa der Unternehmer Richard Borek hätten an diesem Konzept übrigens nicht mitgearbeitet, betont der Oberbürgermeister.

Mit dem Jubiläum zielt Hoffmann auch auf die überregionale Presse: „Die Feuilletons betrachten uns ja manchmal noch etwas von oben herab als Provinz. Daran muss man geduldig arbeiten.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (33)