Ein Braunschweiger steht zwischen Kunst und Karosse

Braunschweig.  Eugen Wagner aus Braunschweig arbeitet als Stratege bei Volkswagen. In seiner Freizeit malt er und illustriert Kinderbücher.

Eugen Wagner arbeitet als Stratege bei VW. Nach Feierabend illustriert er Kinderbücher.

Eugen Wagner arbeitet als Stratege bei VW. Nach Feierabend illustriert er Kinderbücher.

Foto: Eugen Wagner

Eigentlich überlegt er sich in seinem Beruf, welche Fahrzeuge in welchem Umfang in welcher Region eingesetzt werden könnten. Denn der Braunschweiger Eugen Wagner arbeitet als Stratege in der Portfolio-Abteilung von Volkswagen. Nach Feierabend und am Wochenende greift er aber zu Stift oder Pinsel. Dann überlegt er, wie man ein detektivisches Huhn oder einen zauberhaften Professor für ein Kinderbuch am besten darstellt. Wie passt so etwas zusammen?

Gemalt habe er schon sein ganzes Leben lang, erzählt der 38-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. „Meine Eltern sind beide Musiklehrer“, sagt Wagner zu seinem künstlerischen Hintergrund. Seine Familie kam 1990 aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. „Ich bin mit deutschen und russischen Märchen aufgewachsen. Bei schönen Illustrationen im Märchenbuch habe ich immer verweilt“, sagt er zu seiner Faszination für die Malerei.

Später studierte Wagner Fahrzeugbau. Dabei war Fahrzeugdesign ein Bestandteil des Studiums. Von ersten Zeichnungen mit Stift und Papier über Modelle aus Modelliermasse bis hin zu Computersimulationen. Aber: „Beim Fahrzeugdesign ist man durch technische Vorgaben eingeschränkter. Beim Illustrieren kann man frei künstlerisch tätig werden“, meint der 38-Jährige.

Für ihn stellt das Malen und Illustrieren einen künstlerischen Ausgleich zur hypothetischen Herangehensweise in der Strategie dar. An seinem Hobby fasziniere ihn besonders: „Malen ist ein Mehrwert. Ich sehe die Emotionen beim Empfänger. Ich sehe die Begeisterung. Ich sehe glückliche Kinderaugen. Man hat etwas gemacht, was fühlbar ist, das Emotionen verursacht.“

2016 kam mit „Capella – das Gifhorner Ziegenmärchen“ das erste Kinderbuch mit Illustrationen von Eugen Wagner auf den Markt. „Über Bekannte bin ich mit dem Autor Karsten Keding in Kontakt gekommen“, erzählt er. Bei dem durch Crowdfunding finanzierten Projekt geht es um eine versöhnende Fabel zwischen den Gifhorner Ziegen und den Wolfsburger Wölfen. Das regionale Märchen wurde später an Kindergärten und Schulen in der Region verteilt. „Ich habe recherchiert, wie die Menschen hier damals aussahen“, sagt der Illustrator zu seinen Vorbereitungen. So erinnert nun beispielsweise die Kleidung der Ziegen an alte niedersächsische Trachten.

Der Stil der Illustrationen in „Capella“ ist comicartig. Aber: „Ich bin sehr mixfreudig“, meint der Hobbykünstler, „Ich gucke, was am besten zu der Geschichte passt.“ So habe für das Aussehen des Professor Besenstiels aus „Unser verrückter Professor Besenstiel und sein Wumpelgumpel“ sein Vater als Vorlage gedient. In dem 2018 erschienenen Buch der Gifhorner Autorin Nicole Ziemann-Witt erlebt der Grundschüler Luis mit seinem neuen Lehrer fantastische und zauberhafte Abenteuer. Auch seine eigenen Kinder stehen hin und wieder Modell für einige Charaktere. Im neuesten Projekt „Spürhuhn Gisela Gack – Vorsicht Tierdiebe!“ (Autorin ebenfalls Nicole Ziemann-Witt) war beispielsweise Sohn Maximilian Vorbild für die Buchfigur „Benny“.

Warum sich der VW-Stratege besonders für Kinderbücher engagiere? „Kultur fängt im Kinderzimmer an“, findet der fünffache Familienvater. So sei es wichtig, Kindern ein Interesse für ihre Region und Sprache zu vermitteln. „Man muss da ansetzen, wo das Interesse wächst“, meint der Illustrator. Dabei seien Märchen und Geschichten ein Weg, Kinder an diese bestimmte Kultur heranzuführen. Zudem motivierten ihn die freudigen Reaktionen der Leser aller Generationen, neue Projekte in Angriff zu nehmen – nach Feierabend und am Wochenende.

Das von Eugen Wagner illustrierte Kinderbuch „Unser verrückter Professor Besenstiel und sein Wumpelgumpel“ ist seit 7. Mai auch als E-Book auf dem Markt. Ende Mai wird es als Hörbuch veröffentlicht, gelesen vom Gifhorner Sprecher Axel Bolte. Auf der Webseite www.drewart.de zeigt Eugen Wagner seine Gemälde.

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