Staatstheater bietet Mini-Auftritte seiner Künstler frei Haus

Braunschweig.  Ab jetzt sind Bewerbungen für Mini-Auftritte in Höfen und Gärten unter dem Motto „Wir kommen zu Ihnen“ möglich – Spenden gehen ans Goldene Herz

Das Horntrio des Staatsorchesters probt im Spohr-Saal

Das Horntrio des Staatsorchesters probt im Spohr-Saal

Foto: Staatstheater Braunschweig

Niedersachsens Kulturmühlen mahlen zäh. Während im Hessen schon wieder Arienabende zum Klavier in der Oper stattfinden, gibt es für die norddeutschen Theater noch nicht mal ein Wiedereinstiegsdatum. Braunschweigs Staatstheater will Anfang Juni einen coronagerechten Spielplan für die neue Saison vorlegen. Aber bis dahin soll die Zeit nicht ohne live gespieltes Theater verstreichen, erklärte jetzt Generalintendantin Dagmar Schlingmann im Gespräch.

Unter dem Motto „Wir kommen zu Ihnen“ soll es ab 27. Mai Mini-Auftritte in privaten Gärten und Höfen, vor Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern geben. Eine Sympathieaktion, unterstützt von unserer Zeitung, und kostenlos. Spenden freilich sind willkommen und sollen unserer Aktion „Das Goldene Herz“ zugutekommen, die das Geld an freie darstellende Künstler und Musiker weiterleiten wird.

„Wir wollten jetzt einfach mal wieder live erscheinen“, sagt Dagmar Schlingmann am Telefon. „Ich habe mich zwar über den Einfallsreichtum vieler Videobeiträge unserer Künstler auf unserer Website sehr gefreut, aber natürlich sehnen wir uns alle nach Publikum, nach dem Zusammenspielen. Dieses analoge Kleinstformat soll uns und den Zuschauern die Wartezeit verkürzen.“ Besonders wichtig war ihr, dass alle Sparten an diesen Mini-Gastspielen beteiligt sind.

Es handelt sich um circa zwanzigminütige Auftritte, für die nicht mehr als eine Steckdose gebraucht werde, erläutert Pressesprecher Johannes Ehmann. Alles andere, zum Beispiel Elektroklavier, bringe das Theaterteam mit. Gesucht würden Auftrittsorte wie Hinterhöfe oder Gärten, in die ganze Hausgemeinschaften von Fenstern oder Balkonen hineinsehen können. Schlingmann sieht da auch einen Werbeeffekt: „Vielleicht bestellt ein Theaterfan die Musik, aber der Nachbar, der sonst nicht zu uns kommt, findet’s auch gut und besucht uns in der nächsten Spielzeit mal im Theater.“ Bewerben können sich interessierte Braunschweiger Bürger ab sofort über die Website des Staatstheaters oder unserer Zeitung. Die Bewerbungsfrist endet am 26. Mai. Mit den Gewinnern nimmt das Staatstheater direkt Kontakt auf. Die Gastspiele starten am 27. Mai und laufen – je nach Nachfrage – bis Mitte Juli. Von der Stadt sind diese Auftritte im privaten Rahmen bereits genehmigt, so Ehmann.

Gebucht werden könnten allerdings nicht bestimmte Künstler und Wunschtitel, sondern Programme nach Sparte, erklärt Ehmann. Aber man spreche sich ja ab, gerade die Musiker des Staatsorchesters seien flexibel. Das Musiktheater habe unter verschiedenen Motti Arien-Programme vorbereitet wie „Herzensbrecher“ (mit Arien von Antonín Dvořák, Giacomo Puccini und Franz Lehár), „Mozart zum Mitnehmen“ oder „Stille Wasser sind tief“ (mit Stücken von Charles Gounod, Peter Tschaikowsky und Antonín Dvořák).

Das Tanzensemble bietet „Leichte Kost“ (Tanznummern zu Charts-Musik), „Tanz aus der Dose“ (Musik als Zeitreise) oder „Variante Klassik“, worin sich die Tänzer einem Instrument wie Klarinette, Saxophon, Mundharmonika, Bandoneon oder Geige widmen.

Auch das Junge Staatstheater werde mit Musik arbeiten, vorzugsweise junger Musik von heute.

Im Schauspiel solle es kleine Monologe oder pointierte Szenen geben. So werde sich Mattias Schamberger unterstützt von Lukas Pergande am E-Piano Georges Feydeaus kurzen Text „Ich kann Monologe nicht leiden“ vornehmen.

Bewerbungen um Mini-Gastspiele unter: www.staatstheater-braunschweig.de/produktionen/wir-kommen-zu-ihnen/

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