SDP-Party in der Braunschweiger Volkswagen-Halle

Braunschweig.  SDP – die bekannteste unbekannte Band der Welt – gab am Samstag in Braunschweig drei Konzerte auf einmal- Zum Schluss wurde es sogar romantisch.

Über 5000 Besucher tanzten und feierten in der Vokswagen-Halle zwei Stunden lang mit der Band SDP.

Über 5000 Besucher tanzten und feierten in der Vokswagen-Halle zwei Stunden lang mit der Band SDP.

Foto: Rüdiger Knuth

Es waren eigentlich drei Konzerte auf einmal, die SDP in Braunschweig gaben. Zuerst das erwartete: große Bühne, Lichtshow, fetter Sound, die bekannten Lieder. Beste Stimmung, doch nach genau einer Stunde war abrupt Schluss. Leichte Ratlosigkeit im Publikum, Rufe nach Zugabe.

Dann tauchten Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin wie hingezaubert im hinteren Teil der Halle direkt vor dem Mischpult auf. Scheinwerfer-Spot, Akustik-Gitarre, Liebeslieder, es wurde richtig romantisch.

SDP als Pop-Räsel

Und nach 20 Minuten der nächste Wechsel: Zurück auf die Hauptbühne, jetzt wurde der Endspurt eingeläutet. Und SDP gaben alles, es wurde eine einzige große Mitsing-Party.

Das Berliner Duo ist ein Pop-Rätsel. Die Band existiert seit 20 Jahren, sie ist nicht wirklich bekannt, sie selbst bezeichnet sich als „bekannteste unbekannte Band der Welt“. Trotzdem verkaufen sich ihre letzten vier Alben bestens, das aktuelle (Die unendlichste Gechichte) steht auf Platz eins der Charts. Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin füllen locker auch größere Hallen. Wie machen die beiden Berlin-Spandauer das?

HipHop Beats und ein paar Synthesizer-Spielereien

Simple Antwort: Coole deutsche Texte und Gute-Laune-Musik. Und zwischendurch auch mal romantisch, oder ein bisschen melancholisch.

Ihre Musik bezeichnen sie selbst als „irgendwie Pop“, es ist eine gekonnte Mischung aus „Die Ärzte“ und den „Toten Hosen“, dazu HipHop Beats und ein paar Synthesizer-Spielereien. Aber so etwas machen einige Bands, was SDP abhebt, ist die Qualität ihrer Sprüche und Texte.

„Früher Hausarrest, heute Hausverbot“ , „Entweder dreh ich auf oder ich mach gar nichts“, „Das bisschen Gift verträgt die Leber“, „Du willst dein Leben ändern, aber erst an Silvester“ – ihr Publikum ist die Generation Party, Jugendliche, junge Erwachsene, Sinnsuchende, die solche Sprüche inhalieren. Doch es gibt nicht nur stumpf-fröhliche Party-Lieder sondern auch melancholische Songs aus der Abteilung Lebenshilfe: „Dass du wunderschön bist, kannst du nicht im Spiegel sehen“, heißt es in „Unikat“.

Stimmung war sofort da

Kein Wunder und trotzdem erstaunlich, dass manche junge Konzert-Besucher wirklich alle Lieder von der ersten bis zur letzten Zeile mitsangen – Deutschlehrer hätten ihre Freude an diesem Text-Lerneifer.

Und SDP sind selbstironisch: „Ich singe irgendeinen Dreck, doch das ist egal, denn keiner achtet auf den Text“ heißt es in „Das Lied“, und natürlich konnten auch hier die meisten Zuschauer fehlerfrei mitsingen.

Als pünktlich um acht der Vorhang fiel, und SDP buchstäblich schlagartig loslegten, war die Stimmung sofort da. Die Volkswagen-Halle war proppevoll bis auf ein paar leere Stuhlreihen in den oberen Rängen, der Sound war für die Tonqualität der Halle sehr akzeptabel. Die Bässe wummerten, es herrschte Feier-Stimmung. Dazu passte der heute übliche Konzert-Schnickschnack: Riesen-Strandbälle wurden umhergestupst, eine Konfetti-Kanone abgeschossen, und immer mal wieder der Flammenwerfer. Rammstein lassen grüßen.

Musiker verbreiten magische Stimmung

Gespielt wurden vor allem die Lieder des aktuellen Albums, dann ein kurzer Rückgriff auf die Anfangsphase der Band: Etwas umständlich wurde dazu eine Kinderzimmer-Deko aufgebaut und schnell wieder abgeräumt.

Und als nach nur einer Stunde nach dem angeblich letzten Lied das Licht ausging, war der Jubel schnell vorbei – so ein schnelles Konzertende wäre eine ziemlich miese Nummer gewesen.

Aber SDP machten ja weiter, die beiden Musiker sind Live-Profis und wissen genau, wie sie ein Publikum packen können. Als sie nur mit Mikro und Gitarre im hinteren Teil der Halle beim Mischpult standen, war es fast ein Club-Konzert. Das steigerte sich noch, als Vincent Stein die gesamte Hallen-Beleuchtung ausschalten ließ und die Menge aufforderte, mit ihren Smartphones Licht zu machen. Das Ergebnis: eine magische Stimmung.

Allerbeste Stimmung und jubelnde Konzertbesucher

Dann kam noch der Vollgas-Teil. Und mit „Schrei nach Liebe“ eine kleine Hommage an Berliner Musiker-Kollegen von den „Ärzten“. Das unvermeidliche Finale: „Die Nacht von Freitag auf Montag“ – mittlerweile schon ein Ballermann-Klassiker und entsprechend euphorisch gefeiert. „War Ich drei, drei Tage wach? Oder einfach im Koma? Und Ich denk mir so ‘ne Scheiße – Ich bin splitternackt und pleite!“ – nicht sehr feingeistig, aber eingängig formuliert und von bewundernswerter volkstümlicher Ausdruckskraft.

Große Gefühle, allerbeste Stimmung, jubelnde Konzertbesucher.

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