Alles für die junge Zielgruppe – auch Mord und Totschlag?

Öffentlich-rechtliche Angebote müssen sich am Programmauftrag messen lassen – das gilt auch für den beliebte. Podcast „Mordlust“.

funk ist es mit „Mordlust“ offenkundig gelungen, das Bedürfnis der jungen Zielgruppe nach Unterhaltung zu stillen.

funk ist es mit „Mordlust“ offenkundig gelungen, das Bedürfnis der jungen Zielgruppe nach Unterhaltung zu stillen.

Foto: Hammer, Wegener, Dittmer / Hochschule Ostfalia

Generationsabriss – ein Schlagwort, mit dem sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk auseinandersetzen muss. In Zeiten der Digitalisierung nutzt die junge Generation immer seltener die linearen Programmangebote der Öffentlich-Rechtlichen – also Fernseh- oder Hörfunksendungen, die zu bestimmten Zeitpunkten ausgestrahlt werden – sondern Mediatheken und Podcasts.

ARD und ZDF nehmen sich dieser Herausforderung an. Ein Rezept heißt „funk“ – ein Content-Netzwerk für die 14- bis 29-Jährigen. Das Online-Angebot soll Orientierung, Information und Unterhaltung beinhalten, wie es der Programmauftrag vorgibt. Mit 70 digitalen Bewegtbild- und Podcast-Formaten versucht funk, die junge Generation anzusprechen. Ein besonders beliebtes Format ist „Mordlust“: Der True-Crime-Podcast, der gerade auf Platz 4 der Apple- und Spotify-Charts steht, enthüllt wahre Verbrechen und ihre Hintergründe. In den Folgen erzählen sich die beiden Macherinnen Paulina Krasa und Laura Wohlers jeweils einen Fall und diskutieren ihn ausgiebig.

Doch wie passen Mord und Totschlag zum öffentlich-rechtlichen Programmauftrag? Geht es hier nicht um pure Effekthascherei, um Quote mit dem Leid anderer Menschen?

Am dies herauszufinden, haben wir fünf Experteninterviews mit Akteuren von funk, ARD und ZDF geführt. Außerdem haben wir fünf ausgewählte Mordlust-Folgen analysiert. Anhand des Programmauftrags wurden gestalterische Elemente des Podcasts erfasst und dem jeweiligen Kriterium des Auftrags zugeordnet. Die Ergebnisse sind überraschend eindeutig: Der Podcast erfüllt trotz der prekären Thematik alle Kriterien des Programmauftrags. Den höchsten Stellenwert nimmt dabei mit 57 Prozent das Kriterium Unterhaltung ein. Die spannenden Fall-Erzählungen, viele echte Emotionen und persönliche Erfahrungen der Macherinnen reißen den Zuhörer mit.

Neben Unterhaltung sind aber auch die Kriterien Information und Bildung wichtige Elemente. Durch Hintergrundinformationen und die Gespräche mit Experten erfahren Hörer beispielsweise etwas über das deutsche Rechtssystem.

Deutlich wird aus der Analyse und den Experteninterviews auch, dass die einzelnen Kriterien des Programmauftrags immer stärker miteinander verschmelzen und schwerer voneinander zu trennen sind. Einzelne Kriterien können mit Unterhaltung angereichert werden, um die Aufmerksamkeit der jungen Zielgruppe zu erlangen. Diese Ergebnisse decken sich mit der You-Gov-Studie „6 Schritte zum erfolgreichen Podcast“. Darin wurde ebenfalls sichtbar, dass 18- bis 30-jährige Hörer Podcasts bevorzugt zur Unterhaltung nutzen.

funk ist es mit „Mordlust“ also offenkundig gelungen, das Bedürfnis der jungen Zielgruppe nach Unterhaltung zu stillen; durch den hohen Unterhaltungswert des Podcasts gelingt es, sich aus der Masse von Online-Angeboten abzuheben. Aber nicht nur Unterhaltung spielt eine Rolle – alle Kriterien des Programmauftrags werden in unterschiedlicher Ausprägung erfüllt. Die Unterhaltung ist dabei der Schlüssel zur Begeisterung der jungen Zielgruppe an öffentlich-rechtlichen Angeboten. Durch sie können die weiteren Kriterien des Programmauftrags an die Zielgruppe herangetragen werden.

Können ARD und ZDF bei den Jungen also nur mit Mord und Totschlag punkten? Nein. funk geht gezielt auf das Unterhaltungsbedürfnis ein. Der generelle Auftrag zur Sicherung der Meinungsvielfalt und Erfüllung unterschiedlicher Bedürfnisse wird dabei nicht vernachlässigt.

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