Max Raabe singt in Braunschweig über Liebe und Topfpflanzen

Braunschweig.  Mit seinem Palast-Orchester präsentiert der Berliner vor 2300 Zuschauern in der ausverkauften Stadthalle sein Programm „Guten Tag, liebes Glück“.

Max Raabe während seinem Konzert am Freitag (24.01.2020) in der Stadthalle in Braunschweig. Foto: Philipp Ziebart/BestPixels.de

Max Raabe während seinem Konzert am Freitag (24.01.2020) in der Stadthalle in Braunschweig. Foto: Philipp Ziebart/BestPixels.de

Foto: Philipp Ziebart / Philipp Ziebart/BestPixels.de

Den ersten Schmunzler gab es bereits vor dem ersten Akkord. „Bitte vergessen Sie nicht, Ihr Mobiltelefon nach dem Konzert wieder anzuschalten“, bat die Stimme aus den Lautsprechern die Zuschauer zwar bestimmt, aber mit einer Prise Humor. Eine galante Einführung in einen Konzertabend, der musikalisch die Zeit der Weimarer Republik mit der Gegenwart verknüpfte. Max Raabe stand am Freitagabend mit seinem Palast-Orchester auf der Bühne in der Stadthalle. Der Berliner wird derzeit getragen vom großen Erfolg seines „MTV Unplugged“-Projektes. Ausverkauft war daher auch sein Gastspiel in Braunschweig. Ein knapp zweistündiges Konzert mit Liedern über Liebe, Leidenschaft, das ewige Durcheinander menschlicher Beziehung – und Topfpflanzen, wie der Zeremonienmeister sagte, erlebten die 2300 Gäste.

„Ich hör’ so gern Musik, weil man dabei so schön träumen kann“ suchte sich Raabe für den Auftakt seines aktuellen „Guten Tag, liebes Glück“-Programms aus. Auf den 57-Jährigen und sein Orchester passte diese Zeile perfekt, denn ihr Vortrag in Braunschweig war an keiner Stelle zu laut, aber immer gut verständlich. Die „ewige Studentenband“ zeigte sich hervorragend eingespielt, die allermeisten musizieren schließlich seit mehr als 30 Jahren zusammen. Raabe mischte an dem Abend Stücke aus den 1920ern und -30ern mit jüngeren Eigenkompositionen. Ohne seine Ansagen wäre es schwierig, die neueren von den älteren Liedern auseinanderzuhalten, so gut harmonieren sie in Text und Musik.

Viele Arrangements übernahmen die Musiker von der MTV-Aufzeichnung in Clärchens Ballhaus, wenn auch die Gastsänger an dem Abend fernblieben. Doch, wie Raabe im Interview mit unserer Zeitung vor dem Konzert versprach: ihr Geist wehte während der Lieder durch die Stadthalle. Zum Beispiel bei „Guten Tag, liebes Glück“, „Küssen kann man nicht alleine“ oder „Der perfekte Moment“. Statt Lordis „Just a Gigolo“ wählte Raabe die deutsche Version „Schöner Gigolo“, das Herbert-Grönemeyer-Cover „Mambo“ gehörte ebenso zur Liedauswahl.

Dazwischen folgten in den Ansagen immer wieder Raabes witzige Weisheiten, etwa „Es gibt zwei Worte, die uns im Leben viele Türen öffnen können: drücken und ziehen“ oder „Was nützt einem der trockene Keller, wenn der Nachbar nicht ganz dicht ist“. Als Raabe erzählte, hörten die Leute gebannt und gern zu. Es war mucksmäuschenstill in der Halle. Ähnlich bei den Liedern. Nur in den Instrumental-Teilen, etwa beim „kleinen grünen Kaktus“, nahmen die Zuschauer klatschend den Takt auf. Als der Bariton wieder zu singen begann, lauschten sie. Warteten gespannt auf den nächsten sprachlichen Schabernack.

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