Sindbad trifft Heinrich den Löwen im Braunschweiger Theaterzelt

Braunschweig.  Der Verein Lindenblüten spielt im Zelt an der Städtischen Musikschule ein Märchen für Kinder ab 5 Jahren.

Die Crew (von links): Wolfram und Paul Pfäffle, Jeffrey Jonas, Janina Meyer, Julius Böhning, Alexander Hendricks und Misza Prakash.

Die Crew (von links): Wolfram und Paul Pfäffle, Jeffrey Jonas, Janina Meyer, Julius Böhning, Alexander Hendricks und Misza Prakash.

Foto: Andreas Berger

Und noch ein Zelt. Fast drei Wochen lang können sich Kinder und Erwachsene in einem Zirkuszelt vorm Haupthaus der Städtischen Musikschule am Augusttor ein Sommermärchen ansehen, das die Abenteuer des bekannten Seefahrers Sindbad mit denjenigen des renommierten Orientfahrers Heinrich dem Löwen verbindet. Ein hübsche Idee, von Schauspieler und Regisseur Wolfram Pfäffle entwickelt – und von Professor Gerd Biegel historisch untermauert.

Denn zwar ist Sindbad eine Märchengestalt aus „Tausendundeiner Nacht“, aber Heinrich ist ja tatsächlich bis Jerusalem gepilgert und traf auf dem Rückweg im heute türkischen Konya den Sultan Kilidj Arslan, eine große christlich-islamische Begegnung, die Respekt und Weisheit atmete statt dummer Vorurteile und Ressentiments.

Pfäffle hatte diesen Geist der Toleranz im Sinn, als er nun Sindbad seine Abenteuer nicht wie im arabischen Märchen im Osten, also Indien, suchen ließ, sondern im Westen. Dabei kommt er bis Braunschweig und verliebt sich in Heinrichs Tochter Mathilda. „Wir haben in dieser Region ja auch aktuell viele Zuwanderer aus dem Orient, das macht die Geschichte aktuell“, so der Regisseur, der auch den Heinrich spielt. Gezaubert wird dabei mit allen Mitteln. Im Zelt gibt es einen stattlichen Thron für die Märchen-Erzählerin Scheherazade (Susanne Maierhöfer), Braunschweigs Burg, ein Boot, laufend Wasser und viele Teppiche. Die Kinder werden inmitten der Bühnenbildstationen sitzen. „Da kommen sie den Akteuren schon ganz nahe, aber sie müssen nicht mitmachen“, sagt Pfäffle.

Seine Schauspiel-Crew, gecastet aus Professionellen und engagierten jungen Amateuren, die in anderen Projekten des Veranstalters Lindenblüten e.V. schon mitgewirkt haben, ist passenderweise multikulturell besetzt. Sindbad spielt der Berliner Geffrey Jonas, dessen Mutter Nigerianerin ist. Er hat schon Kindertheatererfahrung und will letztlich gern zum Film. Als sein Freund Kasim ist Misza Prakash zu sehen, ein Münchner mit indischen Vorfahren, der in Braunschweig Darstellendes Spiel studiert. „Kasim ist ein liebevoller Chaot, der Sindbad immer wieder in neue Abenteuer stürzt“, erklärt er selbst. Auch Janina Meyer studiert Darstellendes Spiel und hat schon Erfahrungen aus anderen Produktionen der Lindenblüten. Als Mathilda will sie keine „Barbie-Prinzessin“ sein, sondern die heute übliche Selbständigkeit zeigen.

Julius Böhning spielte auch schon in Lindenblüten-Projekten, im Superman-Musical und im Jugendklub des Staatstheaters, wo er außerdem Statist ist. Er würde gern mal Schauspieler werden. „Die Zuschauer in andere Welten zu entführen, macht mir Spaß“, sagt der 19-Jährige. Ursprünglich wollte er mal zum Zirkus – nun ist er zumindest im Zirkuszelt gelandet. Das Abitur muss er noch machen. In den Ferien ist er nun als König Cyprus dabei, ein Gegenspieler Sindbads, der gern Rätsel stellt und löst.

Auf seine schläfrige Wache kann er sich nicht verlassen. Sie mimt Alexander Hendricks, der aus Kansas City stammt, aber schon seit Jahren in Braunschweig lebt, wo er einst seine Großmutter pflegte. Er studiert Anglistik und Chemie und kümmert sich auch um die Technik im Zelt.

Als Youngster macht auch Pfäffles Sohn Paul mit. Der Achtjährige spielt Heinrichs Sohn Otto und hat schon Erfahrungen als Küchenjunge im Weihnachtsmärchen und könnte sich auch vorstellen, später mal Schauspieler zu werden. Eine wahrhaft bunte Truppe.

An manchen Tagen werden noch Instrumentalisten der Städtischen Musikschule dazukommen und kleine Stücke beisteuern. „Es ist toll, dass wir so schnell die Zusage bekamen, hier unser Zelt aufschlagen zu dürfen. Wir wollen den jungen Zuschauern so auch zeigen, was nebenan in dem großen Haus gemacht wird. Mancher kennt womöglich gar keine Live-Musik mehr“, sagt Antje Maul vom Lindenblüten-Verein. Das Sommerfest der Musikschule wird auch das Zelt nutzen.

Lindenblüten-Kollege Robert Glogowski, der sich um Organisation und Bühne kümmert, ist wichtig, dass hier Kinder zusehen, aber auch junge Erwachsene spielen. „Mancher entdeckt so vielleicht die Schultheater-AG. Andererseits bieten wir ein Übergangsprojekt für jene Schüler-Talente, die womöglich mal professionell oder eben nur in ihrer Freizeit weiter Theater spielen wollen. Aber unter professioneller Anleitung.“ Dazu diene auch das jährliche Jugendtheaterprojekt für 15- bis 25-Jährige, bei dem eine klassische Komödie einstudiert wird, zuletzt Feydeaus „Hahn“.

Nach dem Sommermärchen planen die Lindenblüten noch ein Weihnachtsmärchen. Und immer finanzieren sie die Produktionen und die Schauspieler-Gagen durch Sponsoren. Und Eintritte. Für „Sindbad“ einheitlich für Groß und Klein 12 Euro, für Gruppen 10.

Karten unter (0531) 16606. Termine: 4. August, 15 Uhr (Premiere), 5. August, 10 Uhr; 6. August, 10 Uhr; 7. August, 10 Uhr; 8. August, 10 Uhr; 9. August, 10 und 18 Uhr; 10. August, 11 und 16 Uhr; 11. August, 11 und 16 Uhr; 12. August, 15 Uhr; 13. August, 10 Uhr; 14. August, 15 Uhr; 15. August, 10 Uhr; 16. August, 10 und 18 Uhr; 18. August, 16 Uhr; 19. August, 15 Uhr; 20. August, 10 Uhr; 21. August, 10 Uhr; 22. August 10 und 18 Uhr.

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