Vom Kritiker geknickt

Braunschweig  Der Maler Günter Affelt ist gestorben.

Affelts Gemälde „Fjord, Grönland“.

Affelts Gemälde „Fjord, Grönland“.

Man schrieb das Jahr 1963. Der Kampf zwischen den Anhängern des Abstrakten und des Gegenständlichen in der Malerei war mit einer furiosen Inbrunst, die man sich heute kaum mehr vorstellen kann, über die Kunstszene der jungen Bundesrepublik gefegt. Maler, die auf der Wiedergabe der sichtbaren Welt beharrten, hatten einen schweren Stand. Auch in Braunschweig.

Der Kunstfreund und -förderer Jochen Prüsse berichtet, dass ein Artikel des damaligen Feuilleton-Chefs dieser Zeitung, Heinrich Mersmann – eines glühenden Verfechters der abstrakten Moderne –, den Braunschweiger Maler Günter Affelt dazu bewogen habe, sich völlig aus dem Ausstellungsbetrieb zurückzuziehen.

Der Artikel fehlt in unserem Archiv. Erhalten sind immerhin ebenso erboste wie aufmunternde Reaktionen von zwei Kollegen Affelts. Demnach muss Mersmanns Attacke heftig gewesen sein.

Affelt, der an der Braunschweiger Werkkunstschule studierte, 1957 den Rudolf-Wilke-Preis der Stadt erhielt und auch als Kunsterzieher wirkte, wird als zurückhaltender Mann geschildert. Man ahnt, dass so jemand nicht in die Arena steigt, um für seine Kunstauffassung zu streiten, wie etwa sein Künstlerkollege Jürgen Weber, sondern sich still zurückzieht.

Jetzt, da er im Alter von 92 Jahren gestorben und der absurde Streit jener frühen Jahre Geschichte ist, lassen sich seine Bilder mit Ruhe und Gewinn betrachten. Innovativ waren sie tatsächlich wohl nicht. Sein Realismus war „expressiv akzentuiert mit Formwillen und kühler Strenge“, wie es in einer Würdigung treffend hieß. Er reduzierte Landschaften und Porträts auf eine klare, mitunter kantige, durchaus oft auch abstrahierte Struktur und eine zumeist tonige Farbgebung. Jochen Prüsse pflegt Affelts malerischen Nachlass in seiner Kemenate am Hagenmarkt.maja

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