Herr Idu hat jetzt die Haare schön

Hildesheim  In Hildesheim kann man in die Welt eines 4000 Jahre alten Ägypters eintauchen.

Der nachgebildete Kopf inklusive der Frisur des alten Ägypters Idu II. wird im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum präsentiert.

Der nachgebildete Kopf inklusive der Frisur des alten Ägypters Idu II. wird im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum präsentiert.

Foto: dpa

Er war etwa 1,66 Meter groß, untrainiert und Rechtshänder. Zudem litt Idu II. unter Rückenproblemen und Krampfadern. Der hohe Beamte gilt als die am besten erforschte ägyptische Mumie aus dem Alten Reich.

Seit den 1980er Jahren beschäftigen sich internationale Wissenschaftler mit dem einbalsamierten Toten. Jetzt können Besucher des Roemer- und Pelizaeus-Museums in die Welt des mehr als 4000 Jahre alten Ägypters eintauchen. Auf Grundlage einer digitalen Gesichtsrekonstruktion der Mumie entstand ein nachgebildeter Kopf inklusive der Frisur aus dem Jahr 2200 vor Christus.

Museumsdirektorin Regine Schulz ist begeistert von dem Werk, an dem Wissenschaftler sowie Künstler verschiedenster Disziplinen beteiligt waren. „Ich hätte ihn mir vorher nicht so lebendig vorgestellt. Er sieht aus wie jemand von heute. Er könnte mein Onkel sein“, sagte Schulz gestern.

1914 war Idu in seinem Sarg auf dem Beamtenfriedhof von Gizeh entdeckt worden. Dem damals in Kairo lebenden Kaufmann Wilhelm Pelizaeus, der die Grabungen mitfinanziert hatte, fiel ein Teil der Fundstücke zu. Er ließ die skelettierte Mumie samt Grabbeigaben in sein neu gegründetes Museum in seiner Heimatstadt Hildesheim bringen.

Das Roemer- und Pelizaeus-Museum widmet „Herrn Idu“, wie ihn die Mitarbeiter respektvoll nennen, jetzt einen eigenen Raum. „Es ist nicht nur die Mumie mit dem Gruseleffekt, sondern man lernt ihn wirklich kennen“, sagte Schulz.Der hohe Beamte war unter Pharao Pepi II. für den Import wertvoller Hölzer aus dem Libanon zuständig. Neben dem Skelett und Idus edlem Sarg aus Zedernholz sind die digitale Gesichtsrekonstruktion sowie der nachgebildete Kopf zu sehen. Auch Idus Grabschatz ist ausgestellt. Zu ihm zählen eine Kopfstütze, mehrere Beamtenstäbe, Muschelschalen sowie Reste von Goldschmuck.

Idus Gesicht wurde von Experten des Instituts für Biologische Anthropologie des Universitätsklinikums Freiburg digital rekonstruiert. Diese Rekonstruktion war Grundlage für den Kopf aus Modellschaum, der im Rapid Prototyping Labor der Hildesheimer Hochschule hergestellt wurde. Ein ungewöhnlicher Auftrag für die Produktdesigner – denn sonst werden in dem Labor zum Beispiel Modelle von Küchengeräten oder Werkzeugen geschaffen.

Die Bildhauerin Konstanze Thomas-Zach hatte danach beim Bemalen des Kopfes die schwierige Aufgabe, das Gesicht älter erscheinen zu lassen. Idu II. starb im Alter von 55 bis 65 Jahren. „Besonders herausfordernd war die Perücke“, berichtet Regine Schulz.

Die Künstlerin und Ägyptologin Daniela Rutica – Expertin für die Mode im Alten Ägypten – kreierte die aufwendige Frisur mit geflochtenen Zöpfen und Locken.

Geöffnet Di.-So. 10-18 Uhr. Eintritt 10, ermäßigt 8 Euro.

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