Markus Lüpertz enthüllt Wilhelm-Busch-Hommage in Wolfenbüttel

Braunschweig  Mit der 3,30 Meter hohen Skulptur vor dem Wolfenbütteler Schloss will der Kunststar nicht nur dem großen Humoristen ein Denkmal setzen.

Markus Lüpertz’ Skulptur „Malergenius – Hommage an Wilhelm Busch“ wurde gestern Abend vor dem Wolfenbütteler Schloss enthüllt.

Markus Lüpertz’ Skulptur „Malergenius – Hommage an Wilhelm Busch“ wurde gestern Abend vor dem Wolfenbütteler Schloss enthüllt.

Foto: Susanne Hübner

So stellt es sich also dar, das ideale Wesen des Malers, wie es Markus Lüpertz sieht und wie er glaubt, dass es auch Wilhelm Busch sich erträumte. Gestern Abend hat der schillernde zeitgenössische Kunststar seine Skulptur „Malergenius – Hommage an Wilhelm Busch“ auf dem Wolfenbütteler Schlossplatz enthüllt.

Der Bronzeguss ragt 3,30 Meter hoch vor der Renaissancefassade des Schlosses auf. Er zeigt einen jungen Mann mit hoher Stirn, den Blick ins Weite gerichtet. Die Proportionen sind versetzt, der Oberkörper überlang, die Beine kurz, die Schultern herabhängend. Die Oberfläche ist schrundig und mit Farbe besprenkelt. Dennoch wirkt die Skulptur nicht klobig, sondern fast zierlich.

Den linken Arm hat sie auf eine Palette gestützt. Die zeigt reliefhaft das bärtige Antlitz Wilhelm Buschs, einem Selbstbildnis des Zeichners und Humoristen von 1894 nachempfunden.

Er habe kein einfaches Busch-Denkmal schaffen, sondern den Genius des Malers darstellen wollen und zugleich Buschs unerfüllte Sehnsucht danach, als Maler Anerkennung zu finden, sagte Lüpertz vor der Enthüllung.

„Es geht um den Respekt vor dem Scheitern“, so der 75-Jährige. „Die Kunst lebt davon. Die Sehnsucht nach Vollendung treibt uns an, und es gibt kurze Momente des Glücks, bis kurz darauf die Unzufriedenheit wieder einsetzt.“

Buschs Tragik liege darin, dass er als zeichnender Humorist berühmt wurde, das selbst aber nur als Broterwerb sah. Lieber wäre er Landschaftsmaler geworden. Doch die Anerkennung blieb ihm versagt, die der Akademien, und im Tiefsten wohl auch die eigene.

Lüpertz’ Hommage an Busch ist eine Dauerleihgabe der Curt Mast Jägermeister Stiftung an die Stadt. Vorsitzender Florian Rehm erklärte, dass er Lüpertz als spannenden, unangepassten Künstler schätze. Weil Busch einst oft in Wolfenbüttel weilte – einer seiner Brüder betrieb dort eine Konservenfabrik – sei man auf die Idee gekommen, den Bezug mit einer Skulptur zu würdigen. Bei der Gestaltung habe man Lüpertz freie Hand gelassen.

Darauf legte auch der selbstbewusste Künstler wert. „Für mich ist es eine meiner wichtigsten Plastiken. Es geht mir nicht um Provokation, ich gebe mein Bestes. Ich finde sie sehr gelungen.“

Tatsächlich ist es dem 75-Jährigen geglückt, der Figur des Malergenius bei aller Schrundigkeit Anmut und Würde zu verleihen und damit dem Ringen des Künstlers nach Vollendung Ausdruck zu geben. Das bärtige Antlitz auf der Palette wirkt demgegenüber als etwas plakativer Busch-Bezug.

Der Standort des Denkmals ist aufgrund von Umgestaltungsplänen für den Schlossplatz noch nicht endgültig. Ein Platz näher an der Bibliothek, in Sichtachse zur Nathan-Skulptur, ist offenbar verworfen worden. Aufgrund weniger antisemitischer Anwandlungen Buschs war daran Kritik geübt worden. Lüpertz äußerte dafür Verständnis. Busch sei aber kein überzeugter Antisemit gewesen.

Im Schloss ist parallel eine Ausstellung mit Lüpertz-Grafiken eröffnet worden. Bis 31. Dez. Di-So 10-17 Uhr.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder