Die Akademie wird zur Galerie

Braunschweig  Der Künstler Dmitrij Schurbin eröffnet am 1. April in Braunschweig ein „Artgeschoss“.

Dmitrij Schurbin vor einem seiner Gemälde in der Welfenakademie .

Dmitrij Schurbin vor einem seiner Gemälde in der Welfenakademie .

Foto: Jasper

Karger Raum Tische, Stühle, ein Clipbord, graue Wände. Hier wird studiert, sonst nichts. Doch an den Wänden lehnen große Bilder. Gemalte Wälder, Baumstämme dicht an dicht, in kratzigen Farbschichten heftig übereinander geschichtet. Der Blick tastet sich durchs Unterholz.

Dmitrij Schurbin mag den Kontrast. Er hat es geradezu darauf angelegt. Der junge Russe mit den großen blauen Augen ist begeistert von dem Gedanken, die Studenten der Welfenakademie unvermittelt mit Kunst zu konfrontieren. „Die strenge Ordnung explodiert ja geradezu! Das löst doch Empfindungen aus, Reaktionen. Darauf bin ich gespannt!“

Wir treffen Schurbin zwischen Lieferwagen, Gerüsten, fest verschnürten Bilderpaketen, Statuen und Gemälden, die überall an der Wand lehnen. Er bietet Kaffee an, nimmt selbst keinen. „Ich habe schon zu viel davon getrunken“, winkt er ab. „Komme wenig zum Schlafen derzeit.“

Was Schurbin da mit großer Energie und Begeisterungsfähigkeit vorbereitet, ist das „Artgeschoss 2016“ in der Welfenakademie vom 1. April bis zum 24. Juni. Schurbin ist Initiator, Organisator Kurator, Veranstalter, teilnehmender Künstler – und packt beim Aufbau kräftig mit an. Rund 360 Werke von 43 internationalen Künstlern verteilt er in den Räumen der Welfenakademie. Darunter einige Freunde. Andere hat er aus etwa 500 Bewerbungen herausgesucht.

Das Konzept entwickelte er bereits 2013 für das leerstehende Hertie-Haus in Wolfenbüttel. Damals kamen rund 10 000 Besucher. Ein Erfolg. In Braunschweig wird es eine Verkaufs-Ausstellung. Von den 20 000 Euro Kosten steuert Schurbin 15 000 selbst bei. Er hat Sponsoren gewonnen, unter anderem die Öffentliche Versicherung, den Ausbildungsverband der Wirtschaftsregion und die Deutsche Post.

Schurbin, 1982 in der Sowjetunion, genauer: im Süden Kasachstans, geboren, kam 1995 mit seinen Eltern als Spätaussiedler nach Marburg, später ließ er sich in Groß Flöthe im Landkreis Wolfenbüttel nieder. Er sprach kein Deutsch, aber es war das Paradies. „Wo ich herkam, gab es nichts, alles war kaputt, die Menschen waren sauer.“ Er machte Abitur, ging zum Studium der Grafik und Malerei nach Moskau.

Warum? „Ich wollte die altmeisterliche Technik lernen, die in Deutschland nicht mehr gelehrt wird.“ Schaut man sich in der Welfenakademie um, so ist der erste Eindruck: Die Tendenz ist: realistisch, handwerklich-technisch gekonnt.

Ein Kunstwerk brauche eben beides, meint Schurbin: eine Idee und die professionelle Umsetzung. „Es ist nicht wie Popmusik“, sagt er. „nicht bloß schöne Malerei. Aber Kunst muss von sich aus wirken, ohne Erklärung!“

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