Jung sein war der Lebensplan

Braunschweig  John Lennon wäre jetzt 75. In der Brunsviga gab es eine Hommage an den Beatle.

Erst Lemmy Kilmister, dann Natalie Cole, dann David Bowie. Bei diesen gehäuften Todesfällen wurde manch ein Musikfan im Internet nervös: „Nimmt Gott da oben etwa ein Album auf oder was soll das?“ Mal sehen, wann die ersten Erinnerungsshows aufgeführt werden.

Am Samstag war zunächst John Lennon dran. 75 wäre er am 9. Oktober 2015 geworden. Das war der Aufhänger für die Hommage „All You Need Is Love“ in der Brunsviga: eine Lesung aus der 2008 erschienenen Lennon-Biographie von Philip Norman, kombiniert mit Songs der Cover-Band The Beatles Connection.

Die Braunschweiger Alex van den Berg (John), Jens Bäumler (George) und Benjamin Heisel (Paul) spielen seit 2009 zusammen. 2013 kam Jasper Meister als Ringo dazu. Rund 50-mal pro Jahr steht die Tribute-Band inzwischen bundesweit auf Bühnen. Das Equipment: originalgetreu. Auch die Outfits sind stilecht. Das Quartett trägt graue Anzüge wie im Film „A Hard Days Night“.

Der Auftritt ist solide. Schöner Satzgesang. Die Hauptstimmen werden auf vier Sänger verteilt. Das indes klingt – vor allem in den Höhen – nicht immer leicht und frisch. Da kommentiert Vorleser Achim Amme schon mal zwinkernd: „,Paperback Writer’ haben die Beatles ganz selten gespielt. Sie wussten auch, warum.“

Der Schauspieler und Autor konzentriert sich auf die „psychologisch relevanten“ frühen Jahre Lennons. Zwei einprägsame Storys: An der Kunstakademie hatte sich John Lennon den Ruf als schwierigster Student aller Altersklassen erworben. Ein Lehrer wollte ihn fördern. Sie diskutierten oft in einem von einem Maler betriebenen Club. Dort spielte Lennon ab und zu Klavier. Als dies den Betreiber nervte, schlitzte Lennon ein Bild von ihm über die ganze Fläche auf. „,Cheerio Boss’ war alles, was er sagte.“

Nach dem frühen Tod seiner Mutter, zu der er erst spät eine intensive Beziehung aufgebaut hatte, war er monatelang nicht ansprechbar: „Ich dachte: Scheiße, Scheiße, Scheiße. Jetzt habe ich keine Verantwortung mehr. Für niemanden.“

Achim Amme trägt lebendig vor. Er erzählt von Selbstzweifeln und panischer Angst vor Liebesverlust, von Zynismus und Provokation, von Inspiration für Songs, von der ersten Band The Quarrymen, von Lennons Plan, ein exzentrischer Millionär zu werden, oder von Gruppen-Onanie. Zur Inspiration wurden Namen wie Gina Lollobrigida gerufen. „John rief: Winston Churchill. Die Gruppe brach in Gelächter aus.

Gegen die Langeweile und Enge der Nachkriegsgesellschaft setzten sie den Spaß am Leben. Jung sein sollte ein permanenter Technicolor-Traumfilm sein. Der Rock’n’Roll war der Soundtrack zu diesem Film.“ Da hätte man gern noch eine Weile zugehört.

In der zweiten Hälfte folgt ein einstündiges Konzert – und die Beatles Connection wird richtig mitreißend, verstärkt durch Keyboarder Stephan Kabisch und Gitarrist Florian Becker. „Hey Jude“ holt die Zuschauer von den Sitzen. Bei „Help“ sagt eine strahlende Frau: „Mich springt hier gerade voll meine Kindheit an.“ Auch Jugendliche sieht man tanzen. Fazit: Hommage geglückt.

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