Markanter Zuwachs für Hagen-Kemenate

Das mittelalterliche Gebäude erhält einen Erweiterungsbau und soll künftig Ausstellungen beherbergen.

Das kleine Haus aus Rogenstein an der Hagenbrücke gehört zu den ältesten Bauten Braunschweigs. Es datiert aus dem 13. Jahrhundert. Mit einem modernen Erweiterungsbau soll es nun „aus dem Dornröschenschlaf“ geweckt werden, wie Henning Lange prägnant formulierte.

Der Neubau ragt über die Mauern hinaus wie ein Fernrohr

Lange ist Geschäftsführer der Karin-und-Jochen-Prüsse-Stiftung, die die Kemenate 2011 von der Stadt erwarb. Im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, wurde sie durch die damaligen Eigentümer als Wohnhaus wieder aufgebaut. In den 1980er-Jahren hatte die Stadt das historische Gebäude gekauft. Nach verschiedenen Nutzungen stand es zuletzt leer.

Nach dem Vorbild der Jakob-Kemenate am Eiermarkt soll es in den kommenden Monaten um einen markanten Anbau erweitert und künftig für Ausstellungen, Seminare und kleine Veranstaltungen genutzt werden. Präsentiert werden sollen vor allem Arbeiten der Braunschweiger Künstler Jürgen Weber und Günter Affeldt. „Es ist geplant, sie mit einer Dauerausstellung zu würdigen“, sagte Henning Lange, Geschäftsführer der Prüsse-Stiftung.

Gemeinsam mit dem Architekten Rainer Ottinger vom Braunschweiger Büro O.M. Architekten und dem früheren Stadtdenkmalpfleger Udo Gebauhr, beide gehören auch dem Kuratorium der Prüsse-Stiftung an, stellte Lange das Projekt gestern vor.

Der schlanke, zweigeschossige Erweiterungsbau werde der Kemenate an der Ostseite vorgesetzt, erläuterte Ottinger. 16 Meter lang, ragt er im Obergeschoss wie ein Fernglas über die Mauern des kleinen Hofes hinaus. Ein Teil des Hofes soll zudem zum Foyer umgebaut und überdacht werden. Die Grundfläche der Kemenate wird nach außen nicht erweitert; Rad- und Fußweg werden sie wie bisher umlaufen.

Die Bauarbeiten sollen noch im September beginnen. Vorraussichtlich bereits im Sommer kommenden Jahres könne das neue Ausstellungszentrum eröffnet werden, sagte Lange.

„Wir verfolgen ein skulpturales Architekturprinzip und einen dialektischen Umgang mit dem historischen Bestand“, sagte Ottinger zur Philosophie seines durchaus spannenden Entwurfs. Moderne Architektur trete in einen Dialog mit dem mittelalterlichen Bau, selbstbewusst, aber „ohne ihn zu erschlagen“.

Der Anbau werde als Stahl-Holz-Konstruktion ausgeführt und wie die Jakob-Kemenate am Eiermarkt teils mit dünnwandigen Corten-Stahlplatten verkleidet, sagte Ottinger. Durch Korrosion nähmen sie alsbald einen warmen Rostbraunton an. Dadurch klinge der Aspekt des Alterns und der Historizität auch in dem Neubau an.

Eine Daueraustellung wird

Jürgen Weber gewidmet

ZUR GESCHICHTE DER KEMENATE

Im Mittelalter gab es in Braunschweig rund 150 Kemenaten, sagt der frühere Stadtdenkmalpfleger Udo Gebauhr. Erhalten haben sich nur drei. Sie waren keine eigenständigen Gebäude, sondern mit einem Fachwerkhaus verbunden und dienten als sicherer Lager-, aber auch als gemütlicher Wohnraum, weil sie beheizbar waren. Der Hagen-Kemenate war ein Fachwerkhaus vorgelagert, wo heute (die damals viel schmalere) Straße Hagenbrücke verläuft. Sie hatte kein eigenes Treppenhaus, ihre Etagen wurden vom Vorderhaus erschlossen. Auch nordseitig war der Kemenate ein Fachwerkhaus vorgelagert, an das sie nach einem Besitzerwechsel um 1730 auch baulich angebunden wurde. „Im Zweiten Weltkrieg brannte die Kemenate aus. Der Eigentümer Dr. Dieter Buck baute sie mit dem Architekten Klaus-Peter Flesche als Wohnhaus wieder auf“, sagt Gebauhr. In den 80er Jahren wurde sie von der Stadt gekauft. Zu den zwischenzeitlichen Nutzern gehörte auch das Photomuseum. 2011 erwarb sie die Prüsse-Stiftung für 70 000 Euro. fa

Ein großes Fenster werde ihn im Obergeschoss nach Osten zur Katharinenkirche öffnen. Die Längsseiten sollen der Kunstpräsentation dienen. Seitlich soll es Übergänge zur Hagen-Kemenate geben. „So wird ein Rundgang durch das Gebäudeensemble möglich“, ergänzte Lange.

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