Ein Bild von jeder Figur

Braunschweig  Roberta Bergmann hat Wedekinds „Frühlings Erwachen“ illustriert.

„Fotografieren, gestalten, zeichnen“ nennt die 1979 geborene Roberta Bergmann als ihr Arbeistfeld. Als Gastprofessorin unterrichtet sie Grundlagen der Gestaltung an der HBK Braunschweig und ihre Ateliergemeinschaft Tatendrang an der Kaffeetwete wurde 2012 unter den „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland“ ausgezeichnet.

Nun veröffentlicht Roberta Bergmann ein Sammlerstück. „In einer ruhigen Minute durchsuchte ich mein Regal nach einem Werk, das ich illustrieren könnte. Dabei stieß ich auf ,Frühlings Erwachen‘: Das hatte mich schon in der Schule gepackt.“

Dass es nun zur Veröffentlichung des Bühnenklassikers von Frank Wedekind beim ambitionierten Kunstanstifter-Verlag gekommen ist, liegt auch an einem Jubiläum: Der in Hannover geborene Dramatiker würde in diesem Juli 150 Jahre alt. Ein Jubelfest.

Das Stück über das Begehren Jugendlicher und daraus resultierende Generationenkonflikte wird in der Berichterstattung über den Jubilar eine zentrale Rolle spielen. Wird es wegen seiner fortlaufenden Aktualität doch immer neu inszeniert. Zum Beispiel gerade erst am Staatstheater Braunschweig, und inzwischen auch als rückverdeutschte Übersetzung eines Broadway-Musicals.

„Das Thema hat mich in meiner Jugend direkt angesprochen, im Gegensatz zu anderer Kanonliteratur wie die ,Buddenbrooks‘ oder der ,Schimmelreiter‘“, sagt Bergmann.

Der Umschlag lässt sich als Poster entfalten und zeigt dann das gesamte Personal in Bergmanns zwischen Comic und Karikatur hin und her pendelndem Zeichenstil: Melchior Gabor und Eltern, Wendla Bergman und Mutter, das Lehrpersonal mit so schönen Namen wie Affenschmalz, Hungergurt und Knochenbruch. Selbst ein Winzer-Ehepaar, das im Stück nicht einmal spricht, zeigt die Illustratorin hier als zufrieden-müde Weinbergsbelegschaft.

„Ich bin ein sehr chronologischer Mensch“, erläutert sie die Idee des Plakates. Das Stück beginnt mit einem Personenregister. Also habe ich mir von jeder Figur ein Bild gemacht. Dazu gehörte ein großer Recherche-Aufwand, etwa hinsichtlich der Kleidung.“

Der edle Leineneinband, das beinah visitenkartendicke Papier, Format, Schrift, Satz, nicht zu vergessen die zahlreichen Illustrationen: Diese Ausgabe von „Frühlings Erwachen“ ist eine sehr subjektive Neuinterpretation.

Heute, 14Uhr, Buchvorstellung bei Tatendrang, Breite Straße 18a.

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