Vom zarten Tupfen bis zum Donnergrollen

Braunschweig  Das Akkordeon-Orchester Braunschweig überzeugte das Publikum mit seinem Jahreskonzert in der Jakobikirche.

Für das Jahreskonzert des Akkordeon-Orchesters Braunschweig hatte dessen Leiter, Udo Menkenhagen, ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt, das die 20 Mitglieder grandios bewältigten. Das Orchester erwies sich am Sonntag in der gut besuchten Jakobikirche an der Goslarschen Straße als ein homogenes Ensemble, das mit höchster Disziplin zu Werke ging.

Im ersten Stück, der „Ouvertüre über zwei finnische Themen“ von George Godzinsky, durften zunächst die ersten Stimmen (vergleichbar mit den ersten Geigen eines Sinfonieorchesters) schwelgen. Das „Finlandia“ von Jean Sibelius hätten die Finnen einst als geheime Nationalhymne verstanden. Das berichtete Matthias Adler, der als Moderator durchs Programm führte.

In diesem Werk wechseln Donnergrollen, dargestellt durch Paukenwirbel, und Pianissimo-Stellen einander ab. Im gesamten Konzert fiel auf, dass Udo Menkenhagen streng darauf achtete, dass seine Musiker in der Lautstärke Maß hielten.

In der „L’Arlésienne Suite Nummer II“ von Georges Bizet gefiel das Orchester vor allem im dritten Satz, dem Menuett. Da durften in einigen Passagen die Akkordeon-Tasten so zart getupft werden, wie das Streicher beim Pizzikato auf ihren Instrumenten tun. Höhepunkt des Konzerts war die Aufführung des „Potpourris op. 80“, das der Braunschweiger Komponist Louis Spohr (1784 bis 1859) für Klarinette und Klavier komponiert hat. In der Jakobikirche war es in der Fassung zu hören, die Kapellmeister Udo Menkenhagen für Klarinette und Orchester geschrieben hat.

Mariele Rehmann, die wie Menkenhagen an der Städtischen Musikschule Braunschweig lehrt, beeindruckte durch ihr technisches Können, indem sie die schwer zu spielenden schnellen Läufe sicher bewältigte, und durch ihre melodiöse Tiefe.

In den letzten drei Stücken, komponiert von Fritz Dobler, Adolf Götz und Janusz Wojtarowicz, wurde rasch erkennbar, dass sie für Akkordeon-Orchester geschrieben worden waren. Hier durfte Konzertmeisterin Uta Heitmann als Solistin glänzen. Und hier durften die Musikerinnen und Musiker demonstrieren, über welch große Spann- und Ziehweite ihre Instrumente verfügen.

Langanhaltender Beifall und Jubel-Rufe des Publikums. Schade war allerdings, dass es als Zugabe nur eine Wiederholung einiger Passagen des letzten Titels gab. Vor allem die älteren Zuhörer hätten sich gern noch was Volkstümliches gewünscht. „Guten Abend, gut‘ Nacht“ zum Beispiel klingt wunderbar auch auf einem Akkordeon, noch dazu an einem Sonntagabend.

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