Kunst, die aus dem Rahmen fällt

Braunschweig  Die Galerie Hugo 45 ist zum Szene-Tipp geworden. Zurzeit ist eine Ausstellung von David Stegmann zu sehen.

Street Art in einer Braunschweiger Kunstgalerie – das allein wäre schon einen Besuch wert. Aber was die Betreiber Achim Helweg und Philip Pohl derzeit in ihrer Galerie Hugo 45 ausstellen, ist noch weit mehr als Street Art. Für die Werkschau „Organic 45“ in der Hugo-Luther-Straße konnten sie den 31-jährigen Independent-Künstler David Stegmann, der sich „Dust“ nennt, gewinnen – ein international gefragtes Multitalent, das vom Stil her nicht eindeutig festzulegen ist.

Fest steht und das sieht man: Dust kommt aus der Straßenkunst, viele seiner Werke sind Graffiti – ein besonders sehenswertes hat er auf das Hinterhaus der Galerie gesprayt: ein großflächiges Mural, eine Art Wandtattoo – Stegmanns Spezialität. Es zeigt ein dunkles Körperwesen ohne Kopf mit langen Tentakeln, die sich faserig nach allen Seiten ausdehnen. So ist es oft bei Stegmann – ein Bild geht mit der Wand eine Verbindung zu etwas Neuem ein. Was auch den Titel der Ausstellung erklärt: „Organic“, organisch, eine Einheit bildend.

Wenn Stegmann als Maler zur klassischen Leinwand greift, ist es ähnlich. Seine surrealen Bilder fallen, bildlich gesprochen, aus dem Rahmen: Es wirkt, als gingen sie darüber hinaus, um sich ständig weiter zu verweben.

Dust ist aber auch Designer: Er fertigt Figuren aus Kunststoff, Designer Toys – handbemalte Unikate, die teils knuffig, teils unheimlich wirken. „Von denen haben wir schon mehrere verkauft“, freut sich Galerist Helweg. Rund 40 sehenswerte Exponate hat Dust ausgestellt.

Überhaupt empfiehlt sich ein Besuch in Helwegs zur Galerie umfunktionierten 100-Quadratmeter-Altbauwohnung – weltweit vielleicht die einzige, in der eine schmucke Einbauküche zur Ausstellungsfläche gehört.

Seit der Gründung im letzten Jahr habe Hugo 45 in der Szene schon einen Namen, so Helweg. „Bis Ende 2014 sind wir ausgebucht.“ Ihr Hauptanliegen sei, erzählen die befreundeten Hobbymaler Helweg und Pohl, regionalen Künstlern Ausstellungsmöglichkeiten zu bieten.

Helweg: „Wir wollen so auch das Westliche Ringgebiet als Künstlerviertel aufpeppen.“ Ab dem 10. August wird aber zunächst ein Kollektiv aus Hamburg ausstellen: drei junge Künstler mit Atelier auf dem Kiez, die unter dem Titel „Tollwut 45“ ganz verschiedene Stilrichtungen zeigen – von der Radierung bis zum politischen Gemälde. Spezieller Gast im nächsten Jahr: die in Kabul geborene Foto-Journalistin Lela Ahmadzai, die für „Stern“, „Spiegel“ oder Spiegel Online arbeitet.

„ORGANIC“

Ausstellung in der

Kunstgalerie Hugo 45,

Hugo-Luther-Straße 45

Öffnungszeiten:

bis 21. Juli jeden Sonntag von 14 bis 19 Uhr

Internet: www.hugo-45.de oder facebook.com/hugo45.de

Für Hugo 45 wird sie – passend zum Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan – Porträts ihrer Heimat liefern: ein lebendiges Afghanistan im Wandel. „Künstlerisch absolut hochwertig“, verrät Philip Pohl. Man darf gespannt sein.

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