Jazzpop für den Spitzenkoch à la Erchinger

Braunschweig  Der Braunschweiger Keyboarder meldet sich nach der Trennung von der Jazzkantine mit neuen Projekten und Alben zurück.

Jan-Heie Erchinger beim Videodreh zum Instrumentalstück „Dublin“.

Jan-Heie Erchinger beim Videodreh zum Instrumentalstück „Dublin“.

Foto: Sebastian Schollmeyer

Im Internet gibt es Neues von der Braunschweiger Jazz-Pop-Größe Jan-Heie Erchinger. „Dublin“ heißt das Video auf der Plattform Youtube. Ein funky Instrumentalstück mit markanten Gitarrenakzenten und lässigen Keyboard- und E-Piano-Ornamenten.

Knapp drei Jahre nach der Trennung von der Jazzkantine, bei der Erchinger 17 Jahre die Tasten bediente, kommt der 45-Jährige mit neuen Soloprojekten heraus. Gleich zwei Alben mit Instrumentalstücken hat er veröffentlicht. „Capital Tunes“, auf dem „Dublin“ zu finden ist, und „Elevator Groove Machine“. Eingespielt hat er sie mit befreundeten Musikern um seinen Bruder und Schlagzeuger Dirk Erchinger.

Die Eigenkompositionen bewegen sich zwischen Jazz, Funk und Lounge-Pop. Kostverächter könnten von Fahrstuhlmusik in Premiumqualität sprechen. Eine Spitze, die Erchinger selbstironisch mit dem Titel des zweiten Albums aufgreift.

Nur: Welche Radiostationen spielen so etwas? Und wer soll das kaufen? Erchinger streicht sich durch die langen Haare und lächelt sanft. Dafür gebe es schon eine Szene, sagt er. „Und spezialisierte Radiosender, vor allem in den USA.“ Zu Beginn seiner Karriere, Anfang der 90er Jahre, hatte der Braunschweiger Pastorensohn mit dem Jazzpop-Duo Blue Knights dort schon einmal einen Coup gelandet und es in die Top Ten der Jazzcharts geschafft.

Zum Leben reichen die Verkaufszahlen solcher Projekte auf Dauer nicht, weiß Erchinger. Darum hat sich der Familienvater in den vergangenen Jahren einen kleinen privaten Musikkonzern mit mehreren Standbeinen geschaffen.

Das Zentrum liegt nicht in Braunschweig oder Berlin, wo sich Erchinger immerhin eine Zweitwohnung leistet. Es befindet sich im Einfamilienhaus in einer aufgeräumten 70er-Jahre-Siedlung in Weddel, Landkreis Wolfenbüttel. Hier lebt Erchinger mit Frau und Sohn, hier hat er sich ein Ton-Studio eingerichtet, hier gibt er Keyboard-Unterricht, und von hier aus koordiniert er die Filialen und Lehrkräfte seiner Musikschule, die auch Operngesang und Schauspielunterricht anbietet.

Erchinger, ausgebildeter Grund- und Hauptschullehrer mit Schwerpunkt Musik, ist sich auch nicht zu schade, Werbemusik zu schreiben. Etwa für die Videospots auf der Internetseite von Promi-Koch Johann Lafer. Für Volkswagen hat er gemeinsam mit Theatermann Gilbert Holzgang Doku-CDs zu historischen Themen wie Zwangsarbeit produziert. Und für die Braunschweigische Landschaft baut er eine plattdeutsche Pop-Band auf.

Erchinger räumt ein: Von dem Funk- und Black-Music-inspirierten Pop, mit dem er als junger Musiker durchstarten wollte, ist das weit entfernt. Eigenen Lieblingsprojekten wie G-Point und D-Phunk blieb der kommerzielle Erfolg verwehrt. Und bei der Jazzkantine war er ein wichtiges, aber am Ende nicht unersetzliches Mitglied. „Als selbständiger Musiker erlebt man Höhen und Tiefen“, sagt Erchinger. „Aber ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und bin dankbar, davon gut leben zu können.“ Er stelle eine neue Band zusammen und blicke entspannt in die Zukunft. „Das Schöne am Jazzpop ist ja: Es gibt keine Altersgrenzen.“

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