Charmante Kamera-Dilettanten

Peiner Filmemacher gewinnt den ersten Movie-Slam im Braunschweiger Cinemaxx

Wenn man sich einige der sehr jungen Filmemacher anschaut, die auf dem ersten Braunschweiger Movie-Slam ihre Kurzfilme präsentieren, fragt man sich, ob die vielleicht wie Obelix in einen Topf gefallen sind.

Nur war diesmal kein Zaubertrank, sondern ein Elixier für unbändiges Selbstbewusstsein drin.

Der eine Nachwuchsregisseur trägt getönte Brille zu schwarzem Hemd und Krawatte und schreitet gleich mehrmals die Sitzreihen des Cinemaxx ab, um sich vorab feiern zu lassen. Der andere antwortet derart lustlos auf Fragen, dass man keine mehr stellen mag.

Auf dicke Hose zu machen, reicht aber nicht. Die beiden Jungs kommen am Ende zu Recht nicht unter die ersten fünf Filme.

Zum Gewinner des Abends bestimmen das Publikum und die Jury um den Braunschweiger TV-Comedian Sven Nagel am Ende den 26-jährigen Georg Weidenbach, der mit seinem Animationsfilm "Der Erlkönig" überzeugt.

Seine düstere Visualisierung des Goethe-Gedichtes ist technisch auf hohem Niveau und in ihrer Professionalität konkurrenzlos im Wettbewerb.

Schade nur, dass der Peiner den dramatischen Höhepunkt des Textes nicht in Bilder fasst und auch die Sprecher eine eher schwache Leistung abliefern. Doch mit seinem originellen Ansatz ist Weidenbach einer, von dem man sicher noch hören wird.

Interessant beim Movie-Slam sind die formalen Unterschiede und vielen Genres der Beiträge. Zu sehen sind auch ein Stop-Motion-Werk, Musikclips, Gangstergeschichten oder ein abgedrehter Versuch, die Kunstform Dada zu erklären.

Vielfalt zeichnet einen solchen Wettbewerb aus. Wenig einleuchtend ist aber, warum der Trailer zum Filmprojekt "In der Auswahl seiner Feinde" des 36-jährigen Lutz-Attila Windhorst dort gezeigt wird. Damit wird jedenfalls eine formale Vergleichbarkeit ad absurdem geführt.

Dagegen sind die Kurzfilme "Nicht mit Toni" von Lorenz und Johannes Maurer aus Braunschweig sowie "Eine mördliche Affäre" von Jana Hansen und Esther Schaper ein Gewinn für den Slam. Beide Arbeiten deuten mit ihrem Humor und ihrer Inszenierung Potenzial an.

Die Maurers reflektieren und karikieren mit ihrem "Toni" die sadistische Verhaltens- und Denkweise eines Gangsterbosses und führen dies am Ende wunderbar ins Absurde.

Die 16 und 17 Jahre jungen Braunschweigerinnen Jana Hansen und Esther Schaper zeigen mit den von ihnen selbst gespielten Kommissarinnen Doris und Erna zwei schön verschrobene Charaktere und glänzen in technischer Hinsicht mit charmantem Dilettantismus.

Man merkt dem ersten Movie-Slam an, dass die Veranstalter Cinemaxx und Braunschweigische Landessparkasse aufgrund der geringen Resonanz am Ende alle eingereichten Filme nehmen mussten. Aber Trailer und Musikvideos verwässern so einen Wettbewerb.

Auch sollte das Slam-Team den Ablauf stringenter gestalten und früher starten, damit das Ganze nicht bis nach ein Uhr nachts geht.

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