Helmstedt. Nach Abbruch und Neustart der Politik-Klausur in den drei Gymnasien fordert der Kreisschülersprecher einen Nachteilsausgleich.

Trotz aller Verwirrung und Aufregung: Die Abiturienten im Landkreis Helmstedt meisterten die Panne im Prüfungsfach Politik-Wirtschaft am Donnerstagmorgen souverän. Im Helmstedter Gymnasium am Bötschenberg (GaBö), so Julius Dörre, Vorsitzender des Kreisschülerrates, „haben sich alle der rund 20 betroffenen Schülerinnen und Schüler entschieden, die Klausur mit den Ersatzaufgaben zu schreiben und nicht auf den Nachholtermin auszuweichen.“

Diese Option nahmen im Julianum Helmstedt drei Abiturienten wahr. „Die andern 30 zogen es ebenfalls vor, die Prüfung trotz der Unterbrechung noch am selben Tag abzulegen“, berichtet Schulleiter Lars Hermann. Am Gymnasium Anna-Sophianeum in Schöningen entschieden sich laut Schulleiter Stefan Krauß sieben Prüflinge für den Nachschreibe-Termin. Elf wollten die Sache lieber gleich hinter sich bringen.

Warten auf Ersatzaufgaben auch in Gymnasien in Helmstedt und Schöningen

Wegen eines Einbruchs an einer Schule im Harz, bei dem die ursprünglich vorgesehenen Prüfungsfragen aus einem Tresor entwendet worden waren, mussten die schriftlichen Abiturprüfungen in ganz Niedersachsen am Donnerstag unterbrochen werden (wir berichteten). Theoretisch hätten Schüler die Aufgaben, die für alle Prüflinge in einem Bundesland gleich sind, vorab einsehen können. Das Kultusministerium war nach eigenen Angaben kurz nach 6 Uhr über den Einbruch informiert worden. Doch es dauerte, bis von dort die Ersatzaufgaben an die Schulen herausgingen.

Der Kritik des Landesschülerrates an diesem Krisenmanagement des Kultusministeriums schließt sich Kreisschülersprecher Dörre uneingeschränkt an: „Die Kommunikation mit den Schulen lief nicht optimal. Erst auf Nachfrage der Oberstufenkoordinatoren wurde um 8.42 Uhr eine zweite E-Mail verfasst, aus der hervorging, dass sich der Download der neuen Abituraufgaben nochmals verzögert. Erst eine Stunde später, um 9.38 Uhr, kamen dann endlich die neuen Aufgaben und die Information über den möglichen Ausweichtermin am 8. Mai.“

Helmstedts Kreisschülersprecher blickt skeptisch auf den Nachholtermin

Doch auch der Nachholtermin, befürchtet Dörre, könnte zu einem Problem werden. „Das ist eigentlich der Nachschreibe-Termin für die Chemie-Klausuren.“ Ob dieser von Schülern in Anspruch genommen werden muss, wisse man derzeit noch nicht. Zudem stünden in der Woche nach dem 8. Mai bereits die mündlichen Prüfungen an.

Die Schüler standen unter Stress, deshalb ist ein Nachteilsausgleich absolut gerechtfertigt.
Julius Dörre, Vorsitzender des Kreisschülerrates Helmstedt

In den drei Helmstedter Gymnasien konnten nach der Unterbrechung die fünfstündigen Klausur-Prüfungen etwa ab 10 Uhr fortgesetzt werden. Zuvor war allen Schüler eine Bedenkzeit eingeräumt worden, ob sie weiterschreiben oder den Nachholtermin wahrnehmen wollen.

„Unsere Schüler waren von der Situation natürlich genervt, aber sie haben sich tapfer geschlagen“, sagt Julianum-Leiter Herrmann. Letztlich helfe es nur, so etwas mit Humor zu nehmen. Auch in Schöningen seien die Abiturienten mit der Lage „vorbildlich umgegangen“, lobt Schulleiter Krauß. „Wir haben keinen Druck aufgebaut und den Schülern die Zeit gegeben, die sie für ihre Entscheidung brauchten. Nach dem ersten Schock-Moment gingen sie mit dem Klausur-Abbruch souverän um. Panik gab es nicht, sondern teilweise sogar Gelächter.“

Abiturienten in Helmstedt fanden die Original-Aufgaben besser

So lief es aber nicht an allen Schulen im Land. Als Extrembeispiel für komplettes Chaos führt der Landesschülerrat eine Gesamtschule im Landkreis Stade an: „Dort kam erst um 11.15 Uhr der Schulleiter in die Prüfung, um den Schülern mitzuteilen, dass die Klausur sofort beendet werden muss. Bis dahin hatten einige Schülerinnen und Schüler bereits die Klausur fertig geschrieben und abgegeben.“

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Deshalb erwarten die Schülervertreter auf Kreis- und Landesebene in einer Presseerklärung nun nicht nur eine Entschuldigung des Kultusministeriums für die „unzumutbaren Umstände“. Sie fordern, die Bewertung der Politik-Klausuren „pauschal um einen Punkt zu erhöhen, um somit den entstandenen Nachteil auszugleichen“.

Online-Petition für Nachteilsausgleich läuft bereits

Dafür macht sich auch Kreisschülersprecher Dörre stark. „Hier am GaBö haben zwar alle Schüler gesagt: Wenn wir uns schon darauf vorbereitet haben, dann schreiben wir die Klausur auch. Aber viele Prüflinge meinten später, auf die ursprünglichen Aufgaben seien sie besser vorbereitet gewesen als auf die neuen.“ Auch wenn es an den Helmstedter Schulen im Vergleich zu anderen noch halbwegs gut gelaufen sei, ist Dörre überzeugt: „Die Schüler standen unter Stress, deshalb ist ein Nachteilsausgleich absolut gerechtfertigt.“ Eine Online-Petition, mit der die Schülerräte dieser Forderung Nachdruck verleihen wollen, hatten bereits am Freitagmittag mehr als 15.000 Menschen unterstützt.

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