Schöninger Kirche feiert Jubiläum im Schatten von Corona

Posaunenklänge und das Geläut der Schöninger Kirchen bildeten den Auftakt zum Festgottesdienst anlässlich des 900. Gründungstages der Klosterkirche St. Lorenz in Schöningen.

Posaunenklänge und das Geläut der Schöninger Kirchen bildeten den Auftakt zum Festgottesdienst anlässlich des 900. Gründungstages der Klosterkirche St. Lorenz in Schöningen.

Foto: Markus Brich

Schöningen. Im Schatten von Corona stand am Sonntagabend der Festgottesdienst zum 900. Jahrestag der Gründung von Kirche und Kloster St. Lorenz in Schöningen. „St. Lorenz war und ist immer ein offener Ort für Begegnung, wo Menschen in Gemeinschaft zusammenkommen. Doch im Moment läuft das alles auf Sparflamme – und das tut uns allen weh“, bedauerte Pfarrer Frank Barche in seiner Predigt und konstatierte: „Unsere Seelen nehmen in dieser Zeit Schaden.“

Mit Musik des Posaunenchors Schöningen unter Leitung von Heinz-Hermann Meyeringh im Bibelgarten des ehemaligen Klosters war der Festakt eröffnet worden. Im Anschluss vereinigten sich alle Kirchenglocken des Stadtgebietes zum gemeinsamen Ehrengeläut für den Einzug in das Gotteshaus.

Posaunenklänge im Bibelgarten

„Einen solchen Tag kann man nicht wiederholen“, sagte Elke Stern angesichts der kleinen Gästegruppen, die im Bibelgarten verteilt unter Schirmen und Bäumen Schutz vor dem Nieselregen suchten. „Ich bin erstaunt, dass sich trotz des regnerischen Wetters noch Menschen hier versammelt haben.“ Dass der Pandemie das umfangreiche Festprogramm zum Jubiläumsjahr in weiten Teilen zum Opfer gefallen ist, stimmte sie traurig: „Wir wollen versuchen, einige der abgesagten Veranstaltungen im kommenden Jahr nachzuholen, aber es wird nicht dasselbe sein.“ Ostern habe sie noch gehofft, dass sich bis Weihnachten die Lage bessern werde, doch nun sei sie sehr skeptisch, dass sich die Situation bis Sommer nächsten Jahres wesentlich ändern werde. Besonders enttäuscht sei sie, dass „dieses einmalige Jubiläum“ auch in der Wahrnehmung von Politik, Verwaltung und Institutionen in der Versenkung verschwinde: „Seitens der Stadt Schöningen, des Landkreises Helmstedt, der Landeskirche und der Stiftung hätte ich mir mehr Aufmerksamkeit gewünscht.“

Zuversichtlich zeigte sich Lorenz-Pfarrer Barche in seinen Predigtworten an die Gemeinde. Sie sei das Fundament, „auf das wir bauen können“. Angesichts der Pandemie wirke auch die Kirche hilflos, „aber ich bin mir sicher, dass wir auch diese Zeit überstehen werden. Vielleicht kommen wir sogar gestärkt daraus hervor. Denn viele Menschen erkennen, dass das Meiste in unserem Leben eben nicht selbstverständlich ist.“

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„900+1“ lautet das Motto für das nächste Jahr

Unter dem Motto „900+1“, so versprach Barche, „werden wir im kommenden Jahr Veranstaltungen, die wegen Corona abgesagt werden mussten, nachholen. Beispielsweise das Symposium mit Fachvorträgen, das am Samstag hätte stattfinden sollen.“ Die Klosterlandlandschaft Norddeutschlands im 12. Jahrhundert, das das Urkundenmaterial von St. Lorenz, das in Archiven Wolfenbüttel und Magdeburg lagert, die Augustiner Chorherren sowie die archäologischen Funde in St. Lorenz hätten darin beleuchtet werden sollen.

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Kurzer Vortrag über die lange Geschichte des Klosters

Vertiefen in die Geschichte des vor 900 Jahren gegründeten Schöninger Klosters und seiner Kirche können sich Besucher aber auch jetzt schon. Im nördlichen Seitenschiff bieten 15 Schautafeln dazu Gelegenheit. Im Anschluss an den Festgottesdienst gab der ehemalige Lorenz-Pfarrer Dr. Peter Hennig dazu eine kurze Einführung. „Insgesamt gibt es zu St. Lorenz 263 Urkunden im Niedersächsischen Landesarchiv in Wolfenbüttel“, verriet Hennig. „Sie geben zumeist über das geschäftlichen Treiben im und rund um das Kloster Auskunft.“ Von den Menschen, die im Kloster lebten, sei im Vergleich dazu leider recht wenig bekannt. Im Zuge der Reformation sei den niedersächsischen Herrschern ein sehr kluger Schachzug gelungen: „Sie haben die Besitztümer der Klöster nicht in den allgemeinen Staatshaushalt überführt, sondern haben eine eigene Stiftung, den Koster- und Studienfonds, gegründet. So konnten die Erträge Pfarreien, Hospitalen und Schulen zugute kommen.“ Eine Entscheidung, vor der auch die Bildungseinrichtungen in Schöningen profitierten.

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