Apfeljahr hin oder her – in Frellstedt wird Saft gemacht

Frellstedt.  Hobbygärtner nutzen die Gelegenheit, ihre Äpfel in einer mobilen Mosterei pressen zu lassen. Die Ernte scheint in diesem Jahr eher durchschnittlich.

Hans-Joachim Wünsche vom Most-Express hilft, die Kisten voller Äpfel einzufüllen.

Hans-Joachim Wünsche vom Most-Express hilft, die Kisten voller Äpfel einzufüllen.

Foto: Sebahat Arifi

Vor zwei Jahren – „das war ein Apfeljahr!“. Am Most-Express in Frellstedt scheinen sich die Anwesenden einig zu sein. Die Ernte war ergiebig und lieferte so viel Saft, dass einige von ihnen auch weit über ein Jahr später noch etwas davon hatten. Wie würde das Ergebnis dieses Jahr wohl ausfallen? Am Donnerstag brachten nicht nur Frellstedter zum mobilen Entsafter, was der heimische Garten an Früchten so hergegeben hat.

Eine geordnete Geschäftigkeit herrschte am Vormittag am Mühlanger, denn Pressen geht in Corona-Zeiten nur nach Terminvergabe. Gerade befüllt Ivo Landré aus Süpplingen den Trichter. Sack um Sack leert er. „Insgesamt sind es so 200 Kilogramm Äpfel aus dem Garten“, lautete seine Einschätzung. Eine Menge, aber weniger als in Vorjahren. „Ich habe massenweise Quitten“, berichtete unterdessen Carola Liebe aus Helmstedt. Doch Äpfel? Auch sie ist mit weniger Kisten als sonst zum Auspressen gekommen.

Organisiert von Frelle e.V.

Zum zweiten Mal hat der Most-Express Station in Frellstedt gemacht, organisiert von Frelle e.V.. Norbert Voigts vom Verein hat morgens beim Anschließen des Wagens geholfen und den Anhänger besorgt, auf dem der Trester landet, also das, was vom Apfel noch übrig bleibt, nachdem er ausgepresst wurde. „Ich bin mir nicht sicher, ich glaube, der wird an die Schweine verfüttert“, überlegt Voigts, was damit letztendlich passiert.

Nichts geht also verloren. Auch seine eigenen Früchte hat Voigts schon verarbeiten lassen. Er freue sich, dass das Angebot gut angenommen wird. „Unser Gedanke dabei ist, nicht nur etwas für die Frellstedter sondern auch für die Umgebung etwas zu machen“, betonte er. Und froh sei er auch, dass es dieses Jahr überhaupt wieder stattfinden kann, nachdem der Termin 2019 abgesagt wurde – mangels Masse. „Letztes Jahr war kein Apfeljahr“, erinnert sich Voigts.

Apfelernte beginnt immer früher

Das bestätigt Hans-Joachim Wünsche vom Most-Express während die Maschine neben ihm lautstark röhrend die Äpfel zerkleinert. Aber auch, dass dieser Jahrgang scheinbar keine sehr herausragende Rolle spielen wird. „Es ist nicht so viel los“, lautet sein Vergleich. Das liegt auch daran, dass die Kunden erst ab einer Mindestmenge von 75 Kilogramm kommen können. Doch neben den sehr stark variierenden Ertragsmengen hat Wünsche weiteres beobachtet.

Die Apfelernte beginnt immer früher. Im Laufe der Jahre habe er den Beginn seiner Touren im September weiter nach vorne verschoben. „Wir fangen mittlerweile mindestens eine Woche früher an, als sonst“, stellte er fest. Während unseres Gesprächs läuft die Saftproduktion weiter. Jetzt ist Carola Liebe an der Reihe. Wünsche hilft ihr, die Kisten zu leeren. Liebig hat etwa die Mindestmenge an Äpfeln zusammenbekommen. „Mehr ist es dieses Jahr nicht“, sagt sie und wartet auf das Ergebnis.

Auch sie schwärmt vom Super-Jahr 2018. Trotzdem zählt für sie eines: „Hier weiß man wenigstens, dass es die eigenen Äpfel sind.“ Eine Einschränkung gibt es aber für Ivo Landré: „Es macht nur Spaß, wenn die Äpfel süß sind.“ Er verstaut die letzten Kartons mit frischem Saft im Auto und fährt. Und wieviel kann Carola Liebe mitnehmen? „Es sind neun Fünf-Liter-Kartons geworden“, lautet ihr Ergebnis. Sie ist zufrieden.

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