Helmstedt und Corona: Mit einem blauen Auge davongekommen

Helmstedt.  Die Ordnungsbeamten in der Helmstedter Stadtverwaltung ziehen ein positives Corona-Fazit: Verstöße gegen Auflagen gab es wenig.

Diese Aufnahme stammt vom 20. März, einem Freitag, gegen Mittag: Zwei Streifenwagen patrouillieren in der Helmstedter Fußgängerzone. Die Innenstadt ist wie leergefegt.

Diese Aufnahme stammt vom 20. März, einem Freitag, gegen Mittag: Zwei Streifenwagen patrouillieren in der Helmstedter Fußgängerzone. Die Innenstadt ist wie leergefegt.

Foto: Jürgen Paxmann

Genau vor einem halben Jahr wurde in Deutschland der Shutdown verordnet, die Schließung von Geschäften und öffentlichen Einrichtungen. Erst im Mai gab es die ersten Lockerungen, es folgten weitere. Nun aber droht eine zweite Welle der Ansteckung mit dem Corona-Virus. Zeit für einen lokalen Erfahrungsbericht, den die Helmstedter Stadtverwaltung nun im Ausschuss für öffentliche Sicherheit und Ordnung gab.

Erster Stadtrat Henning Konrad Otto fasste gegenüber den Ratspolitikern und interessierten Einwohnern die Lage so zusammen: „Bisher sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.“ Der stellvertretende Verwaltungschef räumte ein, dass anfangs einiges drunter und drüber ging in den Verordnungen. Erschwerend kam hinzu, dass bei den Nachbarn in Sachsen-Anhalt andere Bestimmungen galten als diesseits der Landesgrenze.

Amtshilfe für den Landkreis

Als feststand, was erlaubt beziehungsweise verboten ist, bekam der Landkreis vom Land die Aufgabe übertragen, die Verordnungen vor Ort anzuwenden. Da sich die Kreisverwaltung personell nicht in der Lage gesehen hat, die erlassenen Regelungen zu überwachen und durchzusetzen, wurden die kreisangehörigen Gemeinden am 21. März gebeten, dies in Kooperation mit der Polizei im Wege der Amtshilfe zu leisten, berichtet Frank Kemmer, der für Ordnungsfragen in Helmstedt zuständige Fachbereichsleiter.

Die Arbeit der Stadtverwaltung konzentrierte sich auf die Lage innerhalb des Stadtrings, speziell auf die Umsetzung der Abstandsregeln, Maximal-Belegung und Hygienevorschriften in Geschäften. Auch größere Menschen-Ansammlungen hatten die Vollzugsbeamten im Blick. Kemmer: „Wenn es Verstöße gab, beließen wir es bei Hinweisen und Ermahnungen.“ Anzeigen gab es nicht, alles sei „human“ abgelaufen. Man habe mit Augenmaß reagiert, attestierte Otto seinen Mitarbeitern einen bürgerfreundlichen Umgang.

Lediglich 15 Beschwerden

Kaum war die Amtshilfe für Landkreis ab Juli nicht mehr nötig, folgte vier Wochen später aufgrund gestiegener Infektionszahlen das nächste Ersuchen um kostenfreie Unterstützung. „Auch diesem sind wir grundsätzlich gefolgt, haben aber klargestellt, dass wir aktuell allenfalls auf konkrete Hinweise reagieren können. Dies haben wir in den zurückliegenden Fällen in 15 Fällen getan“, erinnert sich Kemmer. Die Schwerpunkte der Kontrollen lagen dabei auf Gastronomie und Friseurgeschäften.

Was die Helmstedter Ordnungskräfte aktuell beschäftigt, hat allenfalls indirekt mit der Corona-Krise zu tun: die vermehrte Vermüllung an Container-Standorten. Das Phänomen, dass Menschen nun daheim mehr Unrat produzieren, schlägt sich offenbar in Überlastung der Entsorgungssysteme nieder – oder aber in Bequemlichkeit.

Problem mit Unrat

Zu denken, dass es okay sei, Sperrmüll, Essensreste oder sonstigen Unrat in der Nähe von öffentlichen Altglas- oder Altkleider-Behältern abzuladen, sei jedoch ein Irrglaube, „dem wir nun verstärkt nachgehen“, betonen Kemmer und Otto.

In den vergangenen drei Monaten seien 37 Anzeigen gefertigt worden – mit zum Teil empfindlichen Bußgeldern. Sie konnten verhängt werden, weil die Verursacher aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung ausfindig gemacht wurden. Erster Stadtrat Otto: „Ich kann nur hoffen, dass sich das herumspricht.“ Schließlich will die Stadt sauber bleiben – einigermaßen wenigstens.

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