Harz versinkt im Schnee - Züge stehen weiter still

Wernigerode.   Tiefer Winter im Oberharz! Auf dem Brocken liegt rund ein Meter Schnee. Die Brockenbahn hat den Betrieb eingestellt. Noch immer steckt ein Zug fest.

Tief "Benjamin" hat vor allem im Harz und im Süden Sachsen-Anhalts Schneefall und Sturm gebracht - und einen Zug der Harzer Schmalspurbahn (HSB) eingeschneit. Die Wagen samt mehreren Dutzend Passagieren hatten sich am Vortag in einer Schneewehe kurz vor dem Brocken-Bahnhof festgefahren und blockierten auch am ganzen Mittwoch die Strecke zum Gipfel. Die Passagiere mussten stundenlang ausharren, bevor sie mit einer neuen Lok weiterfahren konnten. Beschäftigte des Unternehmens waren von 6 Uhr morgens an damit beschäftigt, den Zug freizuschaufeln, wie HSB-Sprecher Dirk Bahnsen sagte.

Zwei der drei geborgenen historischen Waggons der Brockenbahn stehen jetzt in Wernigerode. Ob sie beschädigt sind, ist unklar. Auf jeden Fall sind die Spuren der Schneeschlacht noch deutlich zu erkennen. Wann der Zugverkehr der Harzer Schmalspurbahnen zum Brocken wieder aufgenommen wird, steht noch nicht fest. Mitarbeiter sind ständig dabei, Gleise und Weichen von Eis und Schnee zu befreien. Die Bahnstrecke zwischen Drei-Annen-Hohne und dem Brockenbahnhof ist immer noch gesperrt.

Die Mannschaft sei zuversichtlich, dass der letzte Waggon und die festgefahrene Dampflok bei Tageslicht ausgebuddelt werden könnten, sagte HSB-Sprecher Dirk Bahnsen am Vormittag. Wind und Schnee hätten nachgelassen. "Aber man darf nicht vergessen, dass da Schneeberge liegen, die alle mit reiner Muskelkraft weggeschaufelt werden müssen." Zudem müsse die Lok enteist und einige Stangen und Teile des Fahrwerks abgebaut werden, um das Fahrzeug nach der langen Standzeit im Eis bewegen zu können, ohne großen Schaden anzurichten.

Zahlreiche LKW stehen quer

Auf dem Brocken wuchs die Schneedecke binnen eines Tages von 75 auf 103 Zentimeter an, wie Thomas Hain vom Deutschen Wetterdienst am Nachmittag in Leipzig sagte. Auch in der Nacht zum Donnerstag stürmte und schneite es weiter. Auf allen Straßen ist mit Glätte und Schneeverwehungen zu rechnen. Deshalb müssen PKW-Fahrer heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit mehr Zeit einplanen. Für LKW geht ohne Schneeketten nichts mehr. Zwischen Wernigerode und Drei-Annen-Hohne stellten sich bereits in der Nacht mehrere Brummis quer. Auch auf der B 242 bei Hasselfelde und der B 81 nahe Cattenstedt blockierten querstehende Laster die Straße. Die Polizei bittet alle Verkehrsteilnehmer, den Oberharz - wenn möglich - weiträumig zu umfahren.

Auch im restlichen Land fiel Schnee, blieb am Mittwoch meist aber nicht oder nur als hauchdünne Decke liegen. Begleitet wurde das weiße Rieseln von kräftigem Wind. Im Tiefland wehten laut Wetterdienst vielerorts stürmische Böen bis 70 Kilometer pro Stunde. Auf dem 1141 Meter hohen Brocken war der Wind mit dem doppelten Tempo unterwegs, laut DWD-Meteorologe "ein richtig ausgewachsener Orkan".

In Harzgerode wurden am Mittwoch sieben Zentimeter gemessen. Im Süden des Landes blieben zwei bis vier Zentimeter Schnee liegen. Im Norden wurde aus der weißen Pracht laut DWD-Meteorologen vor allem nasser Matsch. Magdeburg meldete einen Zentimeter Schnee, der eher auf Bäumen und Autodächern liegen blieb. Damit ist auch wieder Ende mit Schnee: Ab Donnerstag werden Sonne, ab Freitag bei deutlichen Plusgraden Regen vorausgesagt.

Die Polizei meldete vereinzelte Glätteunfälle mit Blechschäden und querstehenden Lastwagen, aber keine größeren Beeinträchtigungen. Die Harzer Schmalspurbahn musste abseits der Brockenroute hingegen auch auf der Strecke zwischen Eisfelder Talmühle, Stiege und Hasselfeld wegen des stürmischen Winterwetters einstellen. Bis nach Schierke fuhr die Bahn, es galt jedoch ein eingeschränkter Fahrplan.

Gut 60 Menschen wurden mit Bussen vom Brocken ins Tal gebracht

Der festsitzende Zug in Sichtweite zum Brocken-Bahnhof sorgte bei den Beschäftigten der HSB trotzdem für Hochbetrieb. Er war am Dienstagmittag in eine Schneewehe gefahren. Dutzende Passagiere saßen stundenlang fest, ehe sie in einem Teil der Waggons von einer neuen Lok nach Wernigerode gebracht wurden.

Auf dem Brocken warteten gut 60 Wanderer, Touristen und HSB-Beschäftigte bis zum Abend auf eine Rückkehrmöglichkeit. Weil der Zug nicht freizubekommen war, wurden sie mit Kleinbussen ins Tal gebracht, wie Sprecher Bahnsen sagte.

Die Aktion habe höchste Priorität. Die Route von Wernigerode sei die wichtigste Strecke der Harzer Schmalspurbahn. Drei Viertel aller Einnahmen generiere das Unternehmen hier und unterhalte damit das gesamte Streckennetz. Der eingeschneite Brockengipfel sei gerade jetzt ein attraktives Ausflugsziel. "Deswegen wollen wir so bald wie möglich wieder hochfahren - aber nur, wenn es sicher möglich ist."

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