Goslar bangt um den Deutschen Verkehrsgerichtstag

Goslar  Der Deutsche Verkehrsgerichtstag und Goslar gehören zusammen – seit 55 Jahren. Doch die Veranstalter erwägen einen Ortswechsel.

2016 eröffneten die Goslarer den 54. Deutschen Verkehrsgerichtstags in der Kaiserpfalz (Archivbild)

2016 eröffneten die Goslarer den 54. Deutschen Verkehrsgerichtstags in der Kaiserpfalz (Archivbild)

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der Führerschein mit 17, die Promille-Grenze, das Handyverbot am Steuer oder höhere Bußgelder für Temposünder: Diese und viele andere Regelungen sind Gesetze geworden, nachdem der Deutsche Verkehrsgerichtstag (VGT) eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen hatte. Der Kongress findet seit 1963 einmal pro Jahr Ende Januar in Goslar statt. Die Organisatoren wählten damals die alte Kaiserstadt als Tagungsort, „um den Verlockungen einer Großstadt aus dem Wege zu gehen und den familiären Charakter der Veranstaltung zu betonen“, wie es auf der Homepage des VGT heißt.

Damals kamen etwa 200 Verkehrsexperten aus Ministerien, Verbänden, Behörden und Verkehrsclubs nach Goslar. Wenn der 56. VGT am 24. Januar beginnt, werden es zehnmal so viele sein. Denn das Interesse an der Veranstaltung wächst ständig. Und genau dieser Erfolg könnte Goslar schaden. Der 50 000-Einwohner-Stadt am nördlichen Harzrand droht der Verlust ihres „Flaggschiffs“, wie Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU) den VGT im Hinblick auf Goslar als Tagungsstadt nennt.

Es gebe Anlass, einen Ortswechsel für den Kongress „in den Blick zu nehmen“, umschreibt es VGT-Präsident Kay Nehm. Als Gründe nennt der frühere Generalbundesanwalt „die wachsende Zahl der Interessenten, schleppende Verbesserungen vor Ort und ein interessantes Angebot in Leipzig“.

Teilnehmer des VGT loben zwar immer wieder das Flair der Stadt oder die historische Kaiserpfalz als Ort der Eröffnungsveranstaltung. Sie klagen aber immer wieder auch über unzureichende Tagungsräume und fehlende Hotelkapazitäten.

„Ich würde den Weggang des Verkehrsgerichtstages sehr bedauern“, sagt Oberbürgermeister Junk. Er gibt sich jedoch optimistisch, einen Ortswechsel verhindern zu können und verweist auf bereits fertig gestellte und geplante neue Hotels und Tagungsräume sowie das Engagement seiner Verwaltung für den Kongress.

„Wir werden uns mit großen Kongressstädten wie Hamburg oder Leipzig zwar nie messen können“, sagt der CDU-Politiker. „Und wir werden auch nicht, nur um den Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar zu halten, ein Kongresszentrum bauen.“ Die Verantwortlichen des VGT sollten zudem berücksichtigen, dass die Marke nicht „Deutscher Verkehrsgerichtstag“, sondern „Deutscher Verkehrsgerichtstag Goslar“ sei, sagt Junk.

Eine Entscheidung über einen möglichen Ortswechsel werde nicht in diesem Jahr, sondern frühestens im Januar 2019 fallen, sagt Nehm. Man werde vorher auch erörtern müssen, „in wieweit die in über 50 Jahren gewachsene Bedeutung des VGT auch auf die besonderen Bedingungen des Tagungsortes Goslar zurückzuführen ist“.

Sollte die Entscheidung gegen Goslars ausfallen, wäre das schade, sagt die Sprecherin des Harzer Tourismusverbandes, Christin Wohlgemuth. Denn der VGT sei „ein Aushängeschild für die Stadt und den Harz“. Größere Auswirkungen für die touristische Vermarktung und die Wahrnehmung der Region erwarte sie allerdings nicht.

Auch Oliver Junk gibt sich gelassen: Falls der VGT-Vorstand entscheiden sollte, „woanders hinzugehen, dann sollen sie es ein Jahr machen“, sagt der Oberbürgermeister. „Ein Jahr später sind sie dann wieder hier.“

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