Gifhorn. 220 Millionen TV-Zuschauer in den USA, rund 1,8 Millionen in Deutschland: der Superbowl begeistert die Massen. Nur Dirk Kühn nicht.

Ja, es kommt mir spanisch vor! Dabei ist es gewissermaßen uramerikanisch. Naja, historisch gesehen eben doch ein bisschen spanisch. Dass 22 Spielerinnen oder Spieler einem Fußball hinterherlaufen, lieben wir ja als Nationalsport Nr. 1. Aber dass 22 Spieler mit Rüstung und Helm einem übergroßen Ei hinterherlaufen? Richtig, das nennt sich American Football.

In Neu-Braunschweig liegen die Anfänge des American Football

Die amerikanische Art des Fußballs, tatsächlich auch ähnlich alt, aber irgendwie ganz anders. Der Ursprung liegt übrigens in New Brunswick, Neu-Braunschweig in New Jersey. Jawohl, benannt nach Alt-Braunschweig, also dem echten Braunschweig. Das ist doch was. Hilft mir aber auch nicht. Ich versuche seit gefühlt 20 Jahren, die Regeln zu verstehen. Und habe kapituliert. So viele Linien auf dem Spielfeld, dauernd Raufereien um ein Ei, kein Stürmer oder Verteidiger, sondern Quarterback, Wide Receiver und Tackle.

Kreisliga Gifhorn statt Superbowl in Las Vegas

Da bin ich raus. Deshalb findet der Superbowl in der Nacht zu Montag ohne mich statt. Bin eh genervt von dem Gewese in der Werbung. Seit drei Wochen bietet jeder Supermarkt, jeder Discounter und jeder Tante-Emma-Laden nur noch Hot-Dogs, Burger-Patties, Burger-Buns, Chips in allen Variationen, Chicken-Wings und Popcorn an. Neben dem Futter-Event ist dieses Super-Endspiel ohnehin vor allem ein Werbe- und Showevent. Ja, manche gucken es nur, um zu sehen, welcher Popstar in der Halbzeitpause auftritt. Prince, Lady Gaga, im vergangenen Jahr Rihanna, waren schon dabei. In diesem Jahr ist es Usher – und über allem schwebt natürlich Taylor Swift, die Country-Pop-Ikone, die ausgerechnet auch mit einem Footballspieler liiert ist, der ausgerechnet bei den Kansas City Chiefs spielt, die im Superbowl gegen die San Francisco 49ers spielen. Allein die Swifties, also die Fans von Taylor Swift steigern das TV-Publikum nochmal um einige Millionen.

Sei‘s drum, ich freue mich auf Eintracht gegen Karlsruhe und VfL gegen Union. Und Sonntag schaue ich mir das Freundschaftsspiel des MTV Gifhorn an oder das Kreisligaspiel des SV Westerbeck – vielleicht gibt‘s ja eine Bratwurst...