Gifhorn. Der Autofahrer entging um Haaresbreite Schlimmerem. So geht es den 100 Passagieren im Erixx-Regionalzug aus Wittingen.

Das nennt man wohl Alptraum: Als der 52-Jährige aus Obernholz am Freitagnachmittag gegen 16.55 Uhr mit seinem VW Touran auf dem matschig-engen Wunderbütteler Kirchweg von Wittingen zum Bahnübergang kommt, geht plötzlich die Schranke auf der anderen Seite runter. Kein Signal vorher, kein Ton. Der Van steht schon halb auf dem Gleis. Hektisch will der Mann zurücksetzen, da senkt sich auch der Schlagbaum auf seiner Seite aufs Autodach. Der VW ist eingeklemmt, kann weder vor noch zurück. Da naht auch schon der Zug. Es ist die Regionalbahn RB 47 nach Gifhorn.

Trotz Schnellbremsung kam die Regionalbahn RB 47 erst hunderte Meter nach dem Zusammenstoß zum Stehen.
Trotz Schnellbremsung kam die Regionalbahn RB 47 erst hunderte Meter nach dem Zusammenstoß zum Stehen. © Christian Franz

Der vorbeirutschende Zug kappt den Vorderwagen des VW

So schilderte es der Autofahrer der Wittinger Polizei. Der Mann war um Haaresbreite Schlimmerem entgangen. Leicht verletzt hatte er sich selbst aus dem Autowrack befreit. Rettungssanitäter brachten ihn dennoch sicherheitshalber ins Krankenhaus. Der Erixx hatte im Vorbeirauschen den gesamten Vorderwagen gekappt und mitgerissen. Doch die Fahrgastzelle hielt Stand.

Der Erixx war um 16.42 Uhr mit 100 Passagieren gestartet und hatte in Höhe Kirchweg schon ordentlich Fahrt aufgenommen, als der Zugführer die dramatische Situation auf dem Bahnübergang erfasste. Er leitete eine Schnellbremsung ein, doch der Zug rutschte noch kreischend 200 Meter weit über die Schienen, bis er zum Stehen kam.

Laut Einsatzleiter Torsten Bötticher von der Feuerwehr blieben die Fahrgäste unverletzt und nach dem Unfall erst einmal im stehenden Zug. Sicherheitshalber war der Wittinger Ortsbrandmeister mit 39 Freiwilligen der Feuerwehren Wittingen und Knesebeck in die Wittinger Feldmark geeilt, falls doch Menschen verletzt worden wären.

Eingeklemmt unter der Schranke, konnte der Fahrer seinen VW-Touran am Bahnübergang in der Wittinger Feldmark nicht mehr von den Gleisen wegfahren.
Eingeklemmt unter der Schranke, konnte der Fahrer seinen VW-Touran am Bahnübergang in der Wittinger Feldmark nicht mehr von den Gleisen wegfahren. © Christian Franz

Bundespolizei schickt Hubschrauber zum Unfallort bei Gifhorn

Doch ein Großteil des Teams konnte bald wieder abrücken. Unfallroutine setzte ein, um die Passagiere nach Gifhorn zu bekommen und die Strecke wieder frei. Die Bundespolizei schickte einen Hubschrauber, der den Unfallort überflog.

Die Deutsche Bahn entsandte einen Notfallmanager, der auch für den Erixx im Auftrag des Regionalverbands Braunschweig zuständig ist. Sein Job: Klären, ob der Zugführer noch fahrtüchtig ist nach dem Schock. Prüfen, ob es der laut Feuerwehr nur leicht beschädigte Zug tatsächlich noch aus eigener Kraft ins Reparaturwerk schafft.

Unfallursache: Fehlbedienung der Schranken nicht ausgeschlossen

Im Verlauf des Abends klärte sich laut Polizei Wittingen: Dass sich die Schranken für den Autoverkehr so unvermittelt schlossen, geht wahrscheinlich auf einen technischen Defekt zurück. Auszuschließen sei auch eine Fehlbedienung noch nicht, hieß es. Jedenfalls sei der Autofahrer unschuldig.

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Nachdem ein Abschlepper den zerstörten Touran von den Gleisen gezogen hatte, konnte der Zug mit allen Passagieren aus eigener Kraft in den Bahnhof Wittingen zurückkehren. Von dort aus setzten sie ihre Fahrt mit Ersatzbussen fort.

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