Herkunft der Weltkriegswaffen im Gifhorner Nordkreis geklärt

Bokel.  Archäologe aus Celle verweist auf ein Gefecht zwischen deutschen und britischen Soldaten 1945. Gräber auf dem Friedhof von Bokel bezeugen es.

Die beiden bei Bokel gefallenen Soldaten wurden auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt.

Die beiden bei Bokel gefallenen Soldaten wurden auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt.

Foto: Burkhard Ohse

Nach dem Fund von rund 90 Helmen, Waffen und Munition auf einem Baugrundstück gibt es nun Hinweise auf die Herkunft der Gegenstände aus dem Zweiten Weltkrieg. Hendrik Altmann, ehrenamtlich Beauftragter der Kreisarchäologie in Celle, hatte schon vor Jahren zu den letzten Kriegstagen in der Region recherchiert und ein Buch dazu geschrieben. „Die Fundumstände sprechen dafür, dass die Waffen und die Ausrüstungsgegenstände entsorgt wurden. Dies kann entweder kurz vor Eintreffen der Briten passiert sein oder aber nachträglich“, erklärt Altmann im Rundschau-Gespräch.

Deutsche Soldaten rüsteten sich in Bokel ab

Die Militärberichte legten nahe, dass sich deutsche Soldaten in Bokel abgerüstet haben, damit die Gegenstände nicht von der britischen Armee vernichtet oder abtransportiert werden. Denn die Alliierten hätten Angst gehabt, dass sich Deutsche als „Werwölfe“ im Hinterland für Partisanenkämpfe zusammenrotten. Altmann weiter: „Die britischen Truppen hatten am 12. April 1945 die Stadt Celle befreit und befanden sich anschließend im Vormarsch auf Uelzen.“ Die Gesamtlage sei zu diesem Zeitpunkt bereits aussichtslos für die Deutschen gewesen.

Denn im Osten gab es kein Halten gegen die Rote Armee und im Westen war die Heeresgruppe B im sogenannten „Ruhrkessel“ nahezu vollständig eingeschlossen. „Nordöstlich der heutigen B 4 sammelten sich damals deutsche Verbände, die teilweise der neuen 45. Panzerdivision ‚Clausewitz‘, die sich in Aufstellung bei Uelzen befand, zugeteilt waren und auch solche, die aus versprengten Resten zurückweichender anderer Truppenteile bestanden. Hierunter befanden sich Reste der 84. Infanteriedivision sowie Teile der neu aufgestellten RAD-Infanteriedivision ‚Schlageter‘“, führt Altmann aus. Diese Verbände sollten mit der 12. deutschen Armee nach Westen vorstoßen, um den Ruhrkessel zu entsetzen.

Vorgänge in Bokel in Ortschronik niedergehalten

Die britischen Einheiten, die am 14. April 1945 von Sprakensel weiter nach Osten zogen, überraschten jedoch deutsche Soldaten, die sich in Bokel aufhielten – es gab keinen Widerstand. „Die Vorgänge in Bokel werden durch die Ortschronik bestätigt“, sagt Altmann. Frau Irene Plieth gebe dort an, dass bereits vor dem besagten Tag deutsche Soldaten mit LKW aus Richtung Behren nach Bokel gekommen waren, wo sie mit Nahrungsmitteln versorgt wurden. Die anrückenden britischen Einheiten hätten das Feuer auf diese Gruppe eröffnet, wobei zwei deutsche Soldaten tödlich verwundet wurden. „Es handelte sich um den Obergefreiten Hans Hahn, geboren am 15. August 1902, und den RAD-Mann Werner Schmetjen, der gerade einmal 17 Jahre alt war. Beide wurden auf dem Bokeler Friedhof bestattet.“

Laut britischen Quellen seien zudem bei Bokel 170 Kriegsgefangene gemacht worden, die über Nacht in einer Scheune in Bokel eingesperrt und am nächsten Tag abtransportiert wurden. Die nun gefundenen Waffen werden laut Auskunft von Frank Lorkowski, Geschäftsführer der Geka GmbH in Munster, bereits vernichtet. Die Helme könnten wieder zurückgegeben werden, Dazu müsse man sich mit der beschlagnehmenden Behörde, hier die Polizei, in Verbindung setzen. „Sofern verfassungsfeindliche Symbole auf ihnen zu finden sind, müssen die jedoch unkenntlich gemacht werden“, sagte Lorkowski. Kreisarchäologe Dr. Ingo Eichfeld weist indes auf die Gefahren und die rechtlichen Aspekte im Zusammenhang mit Metalldetektorsuchen hin, mit denen in diesem Fall die Gegenstände gefunden wurden.

Nachforschungsgenehmigung für Suche mit Metalldetektoren nötig

Denn für die Suche mit diesen Geräten sei nach dem niedersächsischen Denkmalschutzgesetz eine sogenannte Nachforschungsgenehmigung notwendig. „Vielen Nutzern ist nicht klar, dass durch unprofessionelles Vorgehen archäologische Funde und Denkmäler unwiederbringlich zerstört werden können. Je mehr Funde und Denkmäler auf diese Weise verschwinden, desto schwieriger wird es für die Archäologie, das Leben in früheren Epochen zu rekonstruieren“, führt Eichfeld aus.

Darüber hinaus bestehe immer auch das Risiko, dass sich im Erdboden verborgene Metallgegenstände als Munitionsreste oder Waffen entpuppen, was durchaus tödlich für den Suchenden enden könne. „Da man nicht wissen kann, was unter der Sonde liegt, gilt die Genehmigungspflicht auch für Detektorgänger, die nicht ausdrücklich nach archäologischen Funden suchen. Der Verstoß gegen diese Vorschrift ist in Niedersachsen mit hohen Geldstrafen belegt“, sagt Eichfeld. Darüber hinaus kommen auch weitere Straftatbestände in Betracht – wie Fundunterschlagung oder Verstöße gegen das Sprengstoff-, das Waffen- oder das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Erster Ansprechpartner zur Erlangung einer Nachforschungsgenehmigung, für die ein Qualifizierungskurs für Sondengänger vorgeschrieben ist, ist im Landkreis Gifhorn die Untere Denkmalschutzbehörde oder die Kreis- und Stadtarchäologie. Eine Genehmigung durch den Grundeigentümer allein reiche nicht aus.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder