Gifhorn hat die höchste Corona-Inzidenz in Südost-Niedersachsen

Gifhorn.  Plus 22 Corona-Infizierte an einem Tag – der Mittwochwert war ein Rekord in Gifhorn. Die Zahlen steigen raketenhaft. Was geschieht hier?

Ein Arzt nimmt in einer Corona-Teststelle einen Abstrich für einen Coronavirus-Test.

Ein Arzt nimmt in einer Corona-Teststelle einen Abstrich für einen Coronavirus-Test.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Plus 22 Corona-Infizierte an einem Tag – das ist ein Rekordwert in Gifhorn. Auf diesen Wert korrigierte die Kreisverwaltung ihre Angaben von Mittwoch, am Abend waren noch Ergebnisse eingetrudelt. Die Sieben-Tage-Inzidenz (Infektionszahl pro 100.000 Einwohner und Woche) beträgt hier nun 26,6. Sie ist die höchste in ganz Südost-Niedersachsen und die Dritthöchste im östlichen Niedersachsen. Was geschieht hier?

Die Zahlen sind besorgniserregend: Noch bis vergangenen Donnerstag lagen die Infektionszahlen am Südrand der Lüneburger Heide knapp über der Nulllinie, waren meistens auch tiefer als zum Beispiel in Wolfsburg und Braunschweig. Doch seit vergangenen Freitag ging es raketenhaft nach oben 9, 13, 22. Die fünf Neuinfektionen vom Donnerstag wirken nur wenig beruhigend.

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Und darunter ist nicht eine einzige Kontaktperson des kürzlich positiv getesteten Schülers vom Humboldt-Gymnasium. Die 75 Abstriche hätten alle ein negatives Ergebnis geliefert, teilt Erster Kreisrat Thomas Walter auf Anfrage unserer Zeitung mit. Aber erst nach einem zweiten negativen Test, der für kommenden Montag angesetzt ist, dürfen die 64 Schüler und 11 Lehrkräfte die Quarantäne wieder verlassen.

Woher kommen plötzlich die hohen Zahlen? „Es gibt nicht eine einzige Ursache“, sagt Walter. Die meisten Gifhorner hätten sich dieser Tage innerhalb ihrer Familie angesteckt, mal einer in einer Bar, einer bei einer privaten Veranstaltung, einmal bei einem Besuch aus Nordrhein-Westfalen, einer bei der Arbeit, und so weiter.

Dennoch sei ein Muster zu erkennen: Das Alter der Neuinfizierten sei eher in der ersten Lebenshälfte anzusiedeln, jüngere Menschen, die die Gesellschaft von anderen suchen – und dabei offenbar leichtsinniger sind als noch vor Monaten.

Für die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes bedeutet das bei der Kontaktermittlung Hochbetrieb. Denn die Kontakte, die Neuinfizierte jetzt im Herbst nennen, seien um ein Vielfaches zahlreicher als im Frühjahr, als eine strengere Kontaktsperre galt, sagt Walter. Aber: Gifhorn habe die Lage noch im Griff. „Von 95 Prozent der ermittelten Fälle ist die Quelle bekannt.“

Aufgrund der ansteigenden Infektionszahlen sei diese Woche das Personal in den Abstrichteams und in den Teams Infektionskettennachverfolgung aufgestockt worden. „Des Weiteren wird das Gesundheitsamt durch Sanitätspersonal der Bundeswehr unterstützt. Die Anzahl der Soldaten wird in der kommenden Woche von 2 auf 4 erhöht.“ Darüber hinaus befasse sich ein zusätzlich gebildetes Team des Amtes ausschließlich mit Reiserückkehrer. „Die erfolgreiche Nachverfolgung der Infektionsketten ist gesichert.“ Die kurzfristige Einstellung weiteren Personals werde mit Blick auf einen eventuell weiteren Anstieg der Zahlen vorbereitet. Darüber hinaus befinde sich ein mobiles Kontaktverfolgungsteam aus 20 ehrenamtlichen DRK-Mitgliedern in Aufstellung.

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Der Landkreis habe auch seine Kontrollintensität erhöht und appelliert pausenlos an die Eigenverantwortung der Bürger. Walter: „Wichtig ist, dass die Bürgerinnen und Bürger sich an die AHA-Regeln halten.“ Denn was nützt die Sperrstunde um 23 Uhr in Hankensbüttel, wenn die Bewohner zusammen im Partykeller sitzen? Landrat Andreas Ebel hebt in einer Pressemitteilung hervor: „Auch für den Landkreis Gifhorn gilt, dass die größte Gefahr für Neuinfektionen mit dem Corona-Virus von privaten Zusammenkünften und Feiern ausgeht.“

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