Hohes Feld bleibt für Gifhorn heißes Pflaster

Gifhorn.  Grundeigentümer Karl Hermann Kampke stellt wegen des Umlegungsverfahrens unangenehme Fragen. Die Stadt beteuert die Rechtmäßigkeit.

Eigentümer Karl Hermann Kampke ist nicht einverstanden mit dem Entwurf des Katasteramts für den Umlegungsplan am Hohen Feld. Der mittige gelbe Streifen seiner Fläche reichte nach Kampkes Darstellung ursprünglich bis zum Kirchweg am linken Planrand.

Eigentümer Karl Hermann Kampke ist nicht einverstanden mit dem Entwurf des Katasteramts für den Umlegungsplan am Hohen Feld. Der mittige gelbe Streifen seiner Fläche reichte nach Kampkes Darstellung ursprünglich bis zum Kirchweg am linken Planrand.

Foto: Christian Franz

Aus Sicht der Stadt ist zu dem Thema Baugebiet Hohes Feld alles gesagt. Aus Sicht von Karl Hermann Kampke aber nicht. Das Umlegungsverfahren ist nach den Worten von Stadt-Sprecherin Annette Siemer abgeschlossen, und zwar ordnungsgemäß. „Umlegungsverfahren sind eine Art kleinere Flurbereinigung, die Abläufe sind bewährt.“ Dem eigens gebildeten Umlegungsausschuss sitze ein Jurist vor, die Karten kämen vom Katasteramt. Der Beschluss für das Hohe Feld vom 5. Dezember 2019 sei unanfechtbar, so Siemer: „Innerhalb der Frist ist weder von Herrn Kampke noch von anderen Umlegungsbeteiligten Widerspruch eingelegt worden. Der Umlegungsbeschluss ist damit rechtskräftig geworden.“

Dennoch ist Karl Hermann Kampke beim Blick auf den Grundstücksplan nicht zufrieden, selbst wenn man bei seinen gelb markierten Flächen von Filetgrundstücken sprechen könnte. Nur war sein Areal ursprünglich eben um einige Parzellen größer. Weil er auch noch rund 200.000 Euro Abgabe an die Stadt leisten muss, hinterfragt der Ur-Gifhorner den Umfang der dafür berechneten Planungsgewinne im Wert der Flächen. Die Stadt nennt das Areal „Rohbauland“, Kampke selbst bezeichnet es als wertvolles „Bauerwartungsland“ – ist das synonym oder von unterschiedlicher Wertigkeit? Kampke vermisst dazu Angaben aus dem Grundstücksmarktbericht.

Die Stadt will sich öffentlich nicht weiter äußern. Die Verwaltung bietet ihm ein persönliches Gespräch an, dem sich Kampke entziehe, was Siemer kritisiert: „Detailfragen in der Öffentlichkeit klären zu wollen, ist nicht zielführend“, bekräftigt die Stadt-Sprecherin. Grundsätzlich gelte: „Die Zulässigkeit des Umlegungsverfahrens kann nicht angezweifelt werden. Die Planungshoheit liegt bei der Stadt. Sie allein entscheidet über die Planungsinhalte. Sie kann ein Umlegungsverfahren anordnen, um ihre Planungsziele zu verwirklichen und eine gleichmäßige, gerechte Verteilung der Lasten und des Baulandes zu gewährleisten.“

Kampke dagegen lässt sich nicht beirren. Er fühlt sich nicht zum ersten Mal von der Stadt benachteiligt, eine gewisse Verbitterung ist zu spüren. Viele Fakten kann Kampke schriftlich belegen. Immer wieder zieht er Schriftstücke aus einem dicken Stapel Korrespondenz zu dem jahrelangen Verfahren. Kampkes Kernthesen: Es gebe nicht acht Eigentümer am Hohen Feld, sondern gemäß Umlegungsplan vier sowie die Stadt. Ein Eigner vertrete als Sprecher eine Erbengemeinschaft. Zwischen allen Parteien habe Einigkeit über Flächennutzung und nötigen Flächentausch bestanden. Ein Umlegungsverfahren sei also nie nötig gewesen. Der Rat sei darüber vor Beschluss des Umlegungsverfahrens falsch informiert worden.

Zudem sei ein Umlegungsverfahren nur ausnahmsweise zulässig, wenn anders keine sinnvoll bebaubare Flächenaufteilung zu erreichen sei. Doch bereits 2016 habe per Beschlusslage der Stadt eine gut umsetzbare Planvariante mit parallelen Erschließungsstraßen existiert. Diese sei nachträglich und ohne Begründung durch einen älteren, aber anscheinend von der Stadt bevorzugten Entwurf mit ringförmiger Erschließungsstraße ersetzt worden, der sich nun als Grundlage des Umlegungsverfahrens wiederfinde.

Kampke fragt zudem, warum in das Umlegungsverfahren für das Baugebiet Hohes Feld außen angrenzende Verkehrsflächen entlang des Kirchwegs und des Wirtschaftswegs Stiller Weg einbezogen seien, auf denen laut Plan keinerlei Erschließung stattfindet und die als Zufahrten zum Baugebiet gar nicht erforderlich seien. Warum würden Anlieger auf den anderen Straßenseiten nicht in gleicher Weise zu Beiträgen oder Flächenabgaben herangezogen? Ihm selbst entstehe durch diese unnötig große Verkehrsfläche ein Verlust an Netto-Grundstücksfläche, rügt Kampke.

Ob der Grundstückseigentümer am Ende auf verlorenem Posten steht, bleibt abzuwarten. Die für das Baugebiet noch fehlenden Flächen am Wilscher Weg, bislang gewerblich genutzt, sind verkauft. Pächter Erich Helberg muss seine Betriebsfläche räumen und sucht mit seinem Containerdienst bislang vergeblich ein Gewerbegrundstück – seine Vorschläge habe die Stadt nicht genehmigt. Die benachbarte Firma für Oberflächentechnik hat ihr Areal, das ehemalige Gelände der Spedition Leifert verkauft, wohl an privat, nicht an die Stadt. Der Inhaber ließ Anfragen zum Käufer und zur Zukunft seiner Firma unbeantwortet.

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