Hähnchenmast bei Brome: Bürgermeister fordert mehr Sachlichkeit

Brome.  Der Verwaltungsausschuss des Fleckens Brome beschäftigt sich am 28. Mai mit der geplanten Mastanlage – die Entscheidung trifft der Landkreis Gifhorn.

Nahe der Biogasanlage zwischen Benitz und Wiswedel soll ein Hähnchenmastbetrieb für 180.000 Tiere entstehen. 

Nahe der Biogasanlage zwischen Benitz und Wiswedel soll ein Hähnchenmastbetrieb für 180.000 Tiere entstehen. 

Foto: Dirk Kühn

Der geplante Hähnchenmastbetrieb zwischen Altendorf und Wiswedel entzweit den Flecken Brome. Die Gegner formieren sich in einer Bürgerinitiave, Befürworter halten sich bedeckt. Auch durch den Rat der Gemeinde geht ein Riss. Bromes Bürgermeister Gerhard Borchert ruft die Beteiligten zur Sachlichkeit auf und plädiert dafür, dass die Gemeinde Fachleute hinzuzieht, um das Für und Wider sachgerecht abzuwägen.

Eigentlich sollte die Gemeinde bis zum Freitag, 22. Mai, ihre Stellungnahme für das Genehmigungsverfahren an den Landkreis abgeben. „Wir haben um Aufschub bis zum 30. Juni gebeten“, erläutert Borchert. Zunächst soll sich nun der nichtöffentlich tagende Verwaltungsausschuss auf einer Sitzung am 28. Mai mit dem Thema beschäftigen. Das war bereits Ende April in einer Ratssitzung geplant, doch wegen eines Boykotts der Ratsmitglieder von SPD, FDP und FWG war das Gremium nicht beschlussfähig und die Sitzung war beendet, kaum hatte sie begonnen.

Im Verwaltungsausschuss sitzen neben Borchert auch Wilfried Klopp (beide CDU) sowie Lothar Hilmer und Adolf Karl Müller (beide FWG). Sie sollen dann eine Entscheidung über das weitere Vorgehen treffen, insbesondere darüber, ob der Rat über das Thema in öffentlicher Sitzung berät. Borchert rechnet dafür mit einem großen Interesse. Das sei nicht ganz einfach umzusetzen angesichts der corona-bedingten Vorgaben, so Borchert. Ein Termin für die Ratssitzung findet sich bereits im Bürgerinformationssystem der Gemeinde: am Mittwoch, 17. Juni, im Hotel Hubertus in Zicherie.

Die Gemeinde Brome gibt als Träger öffentlicher Belange im Genehmigungsverfahren eine Stellungnahme ab. Dabei gehe es nicht darum, zu sagen „Ich bin dafür oder ich bin dagegen“, so Borchert, sondern darum, ob den Belangen und Interessen der Gemeinde Rechnung getragen werde. „Nur pauschal Nein zu sagen, ist mir zu wenig.“ Auch stellte der Bürgermeister klar: „Tierhaltung ist nicht schädlich, weil sie groß ist, Tierhaltung ist schädlich, wenn sie nicht professionell ist.“ Er habe in den USA einen Stall mit 7000 Kühen besichtigt, die vorbildlich gehalten wurden. Borchert ist selbst Landwirt, bewirtschaftet einen Hof mit 200 Hektar Ackerfläche, allerdings ohne Tierhaltung.

Konkretisiert hat der Bürgermeister den Standort der Hähnchenmast: Drei Mastställe mit Platz für jeweils 60.000 Tiere sollen zwischen Altendorf und Wiswedel in der Nähe der Biogasanlage entstehen. Gebaut werden sollen außerdem drei Abluftreinigungsanlagen und drei Lagertanks für Ammoniumsulfat-Lösung sowie neun Futtermittelsilos und zwei Sammelgruben für Reinigungs- und Schmutzwasser. Bauherr ist ein Landwirt aus der Gemeinde. Die Entscheidung über das Baugenehmigungsverfahren trifft der Landkreis Gifhorn.

Noch keine Lösung hat Borchert für die gewünschte Bürgerinformationsveranstaltung. Er rechne mit bis zu 300 Teilnehmern. Dies sei mit Blick auf die Einschränkungen wegen Corona kaum zu realisieren. Im Zuge der öffentlichen Beteiligung im Genehmigungsverfahren könne jeder seine Bedenken einbringen.

Und wie verhalten sich die Fraktionen, FWG, SPD und FDP? Zieht der Rat in der nächsten Sitzung an einem Strang? Sie hatten die geplante Ratssitzung, in der das Thema behandelt werden sollte, boykottiert. Sie kritisierten, über die Anlage nicht informiert worden zu sein und dass das Thema unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprochen werden sollte. Da der Plan inzwischen aber bei den Bürgern bekannt ist, gebe es dem FWG-Vorsitzenden Lothar Hilmer zufolge auch „keinen Grund mehr, der nächsten Sitzung fernzubleiben.“

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