Gifhorn hilft anerkannten Asylbewerbern beim Start

Gifhorn.  Ein Integrationsprojekt mit der Diakonie lässt sich der Kreis binnen drei Jahren 350.000 Euro kosten.

Gifhorns Landrat Andreas Ebel (von rechst), Diakonie-Regionalleiterin Sandra Brünger und Diakonie-Vorstand Jens Rannenberg stellen das neue Betreuungsprojekt des Landkreises für anerkannte Asylbewerber vor.

Gifhorns Landrat Andreas Ebel (von rechst), Diakonie-Regionalleiterin Sandra Brünger und Diakonie-Vorstand Jens Rannenberg stellen das neue Betreuungsprojekt des Landkreises für anerkannte Asylbewerber vor.

Foto: Christian Franz

Die Kreisverwaltung fördert in Zusammenarbeit mit der Dachstiftung Diakonie die Integration offiziell anerkannter Asylbewerber. Das neue Angebot richtet sich vorrangig an jene aktuell 75 Menschen, denen Deutschland dauerhaft Asyl gewährt und die fortan in unserer Gesellschaft auf eigenen Beinen stehen wollen, während sie noch unter den erschwerten Bedingungen der Sammelunterkünfte wohnen.

Normalerweise geht die Zuständigkeit für diese Neubürger auf das Jobcenter über. Dort gibt es aber keine Sozialarbeiter. Um diese Lücke zu füllen, zahlt der Landkreis der Diakonie bis Ende 2022 insgesamt 350.000 Euro für den Einsatz zweier zusätzlicher Sozialarbeiter. „Sie sollen den anerkannten Asylbewerbern bei der Eingliederung helfen“, sagt Diakonie-Regionalleiterin Sandra Brünger. Die Hilfe ist auf die ersten sechs Monate nach Anerkennung befristet. Die Helfer sind in den Sammelunterkünften stationiert.

Dreh- und Angelpunkt ist es, eine eigene Wohnung zu mieten, um sich von dort aus in das Gemeinwesen einzufinden. Die Diakonie hat die Erfahrung gemacht, dass viele Vermieter ihre Vorbehalte überwinden, wenn es einen zusätzlichen institutionellen Ansprechpartner gibt, der in Alltagsfragen wie Lautstärke, Winterdienst oder Abfallentsorgung hiesige Gepflogenheit vermittelt. Beim Jobcenter gehe es darum, die richtigen Anträge zu stellen, um Sprach- und Broterwerb voranzubringen.

Diakonie-Vorstand Jens Rannenberg sagte, Berufstätigkeit sei und bleibe der beste Weg für eine erfolgreiche Integration. Dazu komme das Ziel, die Neubürger „kulturell anzubinden“. Vielen müsse auch gezeigt werden, wie gut es sich auf dem Land lebe, was die Wohnungssuche erleichtere und das Entstehen soziale Ghettos vermeide. Für die Kinder gelte es Plätze in Tagesstätten und den Schulbesuch zu organisieren. „All das ist uns ein Herzensanliegen.“ Die Diakonie habe solche Angebote bereits auf Spendenbasis und mit Kirchengeldern organisiert.

Die Arbeit zahlreicher ehrenamtlicher Flüchtlingsbegleiter soll durch die zwei Hauptamtler keinesfalls entwertet oder ersetzt werden. geschlossen werden sollen offenkundige Versorgungslücken, wo Hilfe fehlt. Das Gifhorner Projekt gilt Rannenberg zufolge als „einzigartig zumindest in der Region“.

Insgesamt leben im Landkreis mittlerweile 1260 Menschen, denen Asyl gewährt wurde oder die wie die meisten Syrer vorerst dauerhaft in Deutschland bleiben dürfen und ebenfalls vom Jobcenter betreut werden. Die wichtigsten Herkunftsländer sind Syrien (707), Irak (289), Afghanistan (136) und Iran (54).

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