Identität der Armbrust-Opfer geklärt - Wittinger "aufgewühlt"

Wittingen/Passau.   Bei den am Montag in Wittingen gefundenen Leichen handelt es sich um eine 35 Jahre alte Grundschullehrerin und eine 19-Jährige aus Wittingen.

In der Junkerstraße 15 in Wittingen fand die Polizei am Montag zwei tote Frauen im Alter von 19 und 35 Jahren.

In der Junkerstraße 15 in Wittingen fand die Polizei am Montag zwei tote Frauen im Alter von 19 und 35 Jahren.

Foto: Dirk Kühn

In die dunkelsten Abgründe menschlicher Psyche führt das Armbrust-Drama in Passau und Wittingen. Wie die Obduktion der am Montag in der 11.500-Einwohner-Stadt im Gifhorner Nordkreis aufgefundenen toten Frauen ergab, lag keine Gewalteinwirkung von außen vor. Es spreche einiges für einen Suizid. Wie lange die Leichen in der Wohnung lagen, sei noch nicht geklärt, sagte Polizeisprecher Thomas Reuter. Der Todeszeitpunkt liege nach ersten Erkenntnissen einige Tage zurück. Geklärt ist die Identität der beiden Frauen. Es handelt sich um die 35 Jahre alte Lebenspartnerin der in Passau tot aufgefundenen Frau aus Wittingen und um eine 19-Jährige, die ebenfalls dort wohnte.

Offen bleiben jedoch eine ganz Reihe von Fragen. Woher kannten sich die Opfer, welche Zusammenhänge bestehen zwischen den drei Frauen aus Wittingen und den beiden Toten aus dem Westerwald? Was spielte sich in der Pension nahe Passau ab?

Staatsanwaltschaft vermutet Suizid

Die Staatsanwaltschaft Passau geht im Fall der drei mit Armbrustpfeilen getöteten Menschen von Tötung auf Verlangen beziehungsweise Suizid aus. Es gebe weiterhin keine Hinweise darauf, dass eine vierte Person an dem Geschehen beteiligt gewesen sein könnte, sagte am Dienstag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Passau.

Die Obduktion der Leichen aus Passau ergab, dass ein 53-jähriger Mann und eine 33-jährige Frau, die Hand in Hand in einem Bett lagen, jeweils durch einen Schuss ins Herz getötet wurden. Bei einer 30 Jahre alten Frau aus Wittingen, die in dem Zimmer auf dem Boden lag, sei ein Schuss in den Hals sofort tödlich gewesen. Es deute alles darauf hin, dass die 30-Jährige erst die beiden anderen und dann sich selbst erschossen habe, so die Ermittlungsbehörden.

Man könne das Geschehen auch als erweiterten Suizid betrachten. Die beiden Leichen im Bett hätten weitere Pfeile aufgewiesen, die den Erkenntnissen nach jedoch erst nach den tödlichen Schüssen ins Herz abgeschossen worden seien. Bei keiner der drei Leichen gebe es Kampf- oder Abwehrspuren. Zudem seien in dem Pensionszimmer zwei Testamente gefunden worden, die von den beiden im Bett liegenden Personen stammten, sagte der Sprecher.

Das Ergebnis der Obduktion der beiden getöteten Frauen in Wittingen lag am Dienstagnachmittag vor. In der Wohnung wurden laut Polizei keine Armbrüste oder Pfeile gefunden. Die Leichen lagen in der Wohnung der 30-Jährigen, die in Passau starb. Den Erkenntnissen nach handelte es sich bei einer der beiden Frauen um deren Lebensgefährtin. Sie seien nicht verheiratet gewesen, aber es bestand eine eingetragene Lebensgemeinschaft, so die Polizei.

Identitäten der Toten sind ermittelt

Die 35-Jährige war als Grundschullehrerin an der Grund- und Oberschule in Wittingen tätig. Dort zur Schule geht eine der Töchter der Wittingerin Silvia Henne, die am Montag den Einsatz der Spurensicherung von der Straße aus beobachtete. Sie berichtete, dass die Lehrerin sehr häufig schwarze Kleidung getragen habe. „Na so etwa wie in der Gothic-Szene“, erläuterte sie. Ein wenig befremdlich habe auf sie gewirkt, dass die Lehrerin häufig noch nicht einmal auf ein freundliches „Guten Tag“ reagierte.

Eine Lehrerin aus Wittingen mit den Fächern Deutsch und Religion gilt nach Angaben der niedersächsischen Landesschulbehörde als vermisst. Seelsorger seien in der Schule, um Schüler, Lehrer und Mitarbeiter zu unterstützen, sagte eine Behördensprecherin. Den Zusammenhang zum Passauer Armbrust-Fall wollte sie nicht bestätigen und verwies auf die Passauer Staatsanwaltschaft.

Die zweite Tote ist eine 19-Jährige, die ebenfalls in Wittingen in der Wohnung der beiden Frauen lebte. In welcher Beziehung sie zu den anderen Beteiligten stand, ist noch unklar. Die 30-Jährige war laut Polizei Verkaufsleiterin in einer Bäckerei.

Der 53-Jährige und die 33-Jährige waren in einer Gemeinde im Westerwald in Rheinland-Pfalz gemeldet. Nach Informationen der Bild-Zeitung soll der Mann in einem Ort zwischen Koblenz und Siegen einen Mittelalter-Laden betrieben haben. Dort bot er unter anderem Streitäxte, Tempelritter-Flaggen und andere Gerätschaften an – bis hin zum Schwertkampf-Training und Odin-Trunk.

Vor der Pension in Passau, in der sich die beiden gemeinsam mit der 30-Jährigen am Freitag eingemietet hatten, stellte die Polizei das Auto der 33-Jährigen sicher. Der weiße Pick-up werde noch untersucht.

Wittinger sind "aufgewühlt"

Der Tod der Frauen hat die Menschen im ostniedersächsischen Wittingen nach Auskunft des Bürgermeisters erschrocken. "Ein kleines Städtchen wie Wittingen wühlt so ein Fall natürlich auf", sagte der Verwaltungschef Karl Ridder der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist Gesprächsthema Nummer eins im Ort." Die Frauen hätten erst seit März im Ort gelebt. "Ich kannte sie noch nicht persönlich. Die Schüler und Lehrer der Schule, an der die 35-Jährige Tote unterrichtet hat, werden aktuell betreut", sagte der CDU-Politiker.